Ybbs an der Donau

Erstellt am 18. Juli 2017, 05:00

von Markus Glück

Integrationsbeauftragter Hans Müller tritt zurück. Integrationsbeauftragter Hans Müller tritt zurück. Er spricht mit der NÖN über Parallelgesellschaften in Ybbs und Populismus.

Hans Müller tritt von seiner Funktion zurück.  |  Archiv

Am 28. Mai 2015 wurden Gertraud Laher und Hans Müller vom Gemeinderat zu ehrenamtlichen Integrationsbeauftragten der Stadt ernannt. Jetzt gab Müller bekannt, von dieser Funktion zurückzutreten, Laher behält ihre Funktion. Zukünftig will Müller seine Integrationsarbeit ausschließlich auf seine Arbeit als Lehrer im Ybbser Schulzentrum beschränken. „Dort sehe ich mein Engagement am sinnvollsten eingesetzt“, so Müller gegenüber der NÖN.

In seinem Rückblick auf die Arbeit geht der Lehrer aber hart mit der Ybbser Politik ins Gericht. „Ich habe in meiner Tätigkeit den klaren politischen Willen zu einer aktiven Integrationspolitik vonseiten der Stadtgemeinde vermisst“, ärgert sich Müller. So sei es ihm weder gelungen bei der Mehrheitsbevölkerung noch bei den politischen Entscheidungsträgern ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer aktiven Integrationspolitik zu schaffen. Müller: „Man beklagt sich über Missstände, aber handelt nicht. Es regiert der Populismus, denn Bettelverbote lösen keine Integrationsprobleme.“

„Man beklagt Missstände, aber handelt nicht. Es regiert der Populismus. Bettelverbote lösen keine Integrationsprobleme.“Hans Müller

Aussagen, die dem Ybbser SP-Bürgermeister Alois Schroll sauer aufstoßen: „Ich lasse mir von einer Einzelmeinung unsere Integrationsarbeit nicht kaputt reden. Wir haben sehr viel Geld in die Integration investiert und ich weiß, wie wichtig dieses Thema ist.“

Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise hat Ybbs 132 Flüchtlinge betreut, aktuell sind es noch 64 Personen. „Jeder, der nach Ybbs gekommen ist, wurde gut betreut. Ich kann aber nicht eine Willkommenskultur einreißen lassen, wo alle nach Ybbs kommen sollen und unsere Freiwilligen nicht mehr die Ressourcen haben, diese auch zu betreuen“, stellt Schroll klar.

Auch den Vorwurf von Populismus weist der Stadtchef scharf zurück: „Wir haben einen Sozialfonds und jeder, der Hilfe braucht, wird diese bekommen. Ich kann aber nicht die Ybbser Bevölkerung anspucken und beschimpfen lassen. Da muss ich als Bürgermeister reagieren.“

Integrationsbeauftragter Hans Müller war mit seinem Verein vor allem in der Flüchtlingskrise gefordert.  |  shutterstock.com/Anjo Kan

Müller war auch Gründungsobmann des Vereins „Vielfalt nutzen in Ybbs“, dessen Ziel es war, das Zusammenleben der Bevölkerung und solcher mit Migrationshintergrund, der Anteil beträgt laut der Stadtgemeinde aktuell etwa elf Prozent, zu fördern. „Das Jahr 2015 war allerdings durch die Flüchtlingskrise geprägt, wodurch andere Ziele nach hinten gerückt sind“, blickt Müller auf die erste Phase seiner Tätigkeit zurück.

Als größtes Problem sieht er das Bestehen von Parallelgesellschaften, vor allem bei der türkischen Community. „Ich habe mich immer für die Anliegen der Ybbser Muslime eingesetzt, ohne dabei aber die Unterstützung der Stadtgemeinde zu erhalten“, so Müller.

Über die Aussage von Parallelgesellschaften kann Schroll nur den Kopf schütteln: „Weder der Polizei noch mir ist diesbezüglich etwas bekannt. Es gibt keine Probleme.“

Einig sind sich Schroll und Müller aber bei der Kontrolle von Zuwanderung. „Unkontrollierte Zuwanderung geht schief. Ein Gemeinwesen wie Ybbs kann nur eine begrenzte Anzahl aufnehmen“, erklärt der Ex- Integrationsbeauftragte.

Für eine gelungene Integration braucht es laut ihm die Unvoreingenommenheit dem Anderen gegenüber und das Ziel, das Zugehörigkeitsgefühl zu dem Land, in dem man lebt, zu stärken: „Zuwanderer sollen sich nicht in ihrer Community verstecken, sondern den Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft suchen.“ Er wünscht sich aber auch mehr Geldmittel und die Schaffung klarer Strukturen im Bereich der Verwaltung.