Ybbs an der Donau

Erstellt am 04. August 2016, 04:50

von Walter Fahrnberger

ÖVP: Obfrau Fichtl wirft das Handtuch. Abschied | Nach internen Querelen tritt Bärbel Fichtl als Obfrau der Ybbser Volkspartei zurück. Die Nachfolge wird bis zum Herbst geklärt.

„Dran bleiben, anpacken und durchstarten“ wollte die Ybbser ÖVP nach der einstimmigen Wahl der neuen Obfrau Bärbel Fichtl im November 2015. Jetzt haben interne Unstimmigkeiten zu ihrem Rücktritt geführt. Stadtrat Harald Ebert (v. l.), Silke Dammerer, Obfrau-Stellvertreterin Regina Brandstetter, Stadtrat Ewald Becksteiner, Bärbel Fichtl und Obmann-Stellvertreter Christian Reichhard entscheiden bis Herbst über die Nachfolge.  |  Archiv/ÖVP

So überraschend es war, dass Bärbel Fichtl im Herbst 2015 als Nachfolgerin von Alfred Elias zur neuen Obfrau der Ybbser ÖVP gewählt wurde, so wenig überrascht nun ihr Abschied.

Schon nach wenigen Monaten waren interne Spannungen in der Ybbser Volkspartei erkennbar. Das Grundproblem dabei: Fichtl war nicht im Gemeinderat vertreten und hatte einen kritischeren Kurs als ihre beiden Parteikollegen, die ÖVP-Stadträte Ewald Becksteiner und Harald Ebert, eingeschlagen.

Vor allem gegen ihren „Lieblings-Feind“ SPÖ-Bürgermeister Alois Schroll wetterte Fichtl gerne im Alleingang und schoss dabei mehrmals übers Ziel. Während Fichtl das persönliche Gespräch mit Schroll verweigerte, äußerte sie bei Gemeinderatssitzungen auch schon einmal ihren Unmut von den Besucherrängen aus.

NÖN-Bericht war Auslöser für Rücktritt

Auslöser für ihren Rücktritt war letztlich ein NÖN-Bericht vor wenigen Wochen, wie sie selbst erklärt: „Danach wurde mir von den zwei Stadträten ausgerichtet, dass ich gehen soll. Die beiden haben mir das aber nicht einmal persönlich gesagt“, ärgert sich Fichtl.

Fichtl hatte im NÖN-Gespräch damals einmal mehr Kritik an Alois Schroll geübt und ihm vorgeworfen, dass mit dem Rathaus-Umbau „wieder ein Projekt des Bürgermeisters kostenintensiver werden würde.“ Ihr Problem dabei: Dass im Zuge der weitreichenden Umbauarbeiten auch der 2. Stock samt Sitzungssaal renoviert werden sollte, wurde davor im Gemeinderat einstimmig beschlossen.“ Diese nicht abgesprochenen Aussagen waren für Ebert und Becksteiner dann auch der Grund für ihre Haltung gegenüber Fichtl.

Wer nun in der ÖVP die Nachfolge von Fichtl antreten wird, ist noch offen. Aktuell leiten die beiden Stellvertreter Regina Brandstetter und Christian Reichhard die Geschäfte der Ybbser ÖVP. Letzterer hat aber erneut betont, dass er aus beruflichen und familiären Gründen nicht als Obmann zur Verfügung steht.

Auch Stadtrat Ewald Becksteiner hat mehrmals gesagt, das Amt nicht ausführen zu wollen. Möglich wäre, dass Stadtrat Harald Ebert die Funktion übernimmt. „Es gibt aber auch noch zwei, drei weitere Kandidaten. Bis zum Herbst gibt es eine Lösung“, sagt Reichhard. Fix ist hingegen, dass der Nachfolger aus dem Kreis der aktuell im Gemeinderat vertretenen Mandatare kommen wird.

Aber auch Bärbel Fichtl teilte im NÖN-Telefonat mit, dass sie noch nicht genug von der Politik habe: „Paul Hacker von der Bürgerliste hat mich gefragt, ob ich bei ihm mitmachen will. Das könnte ich mir vorstellen“, sagt Fichtl. Ein Antritt bei WUY wäre für sie aber erst bei der Gemeinderatswahl 2020 möglich. Übrigens: Paul Hacker erwähnte davon beim Statement zum Fichtl-Rücktritt kein Wort ...

REAKTIONEN

„Dass wir Bärbel Fichtl ausrichten hätten lassen, sie solle zurücktreten, stimmt nicht. Aber vielleicht hat sie es gespürt, dass es nicht mehr passt. Für mich war die Entscheidung ihres Rücktritts dann doch etwas überraschend, weil ich dachte, wir hätten alles ausgesprochen. Ich denke, es wurden vielleicht auf beiden Seiten Fehler gemacht.“
Ewald Becksteiner, ÖVP-Stadtrat

„Es stimmt nicht, dass uns wir an Abmachungen nicht gehalten hätten. Es war eher umgekehrt. Fichtl hat mit ihren Alleingängen für Unruhe gesorgt. Ansonsten ist das Thema für mich erledigt.“
Harald Ebert, ÖVP-Stadtrat

„Die Vorgangsweise von Bärbel Fichtl ist bei manchen nicht gut angekommen. Einige Male – wie bei der neuen Homepage der Stadt – hatte sie mit ihrer Kritik aber recht."
Christian Reichhard, Obfrau-Stellvertreter der ÖVP Ybbs

„Für unser Weiterkommen in Ybbs war Frau Dr. Fichtl trotz mehrfacher Einladung meinerseits keine Unterstützung. Ybbs braucht Menschen, die für die Stadt arbeiten und sich engagiert einsetzen. Nur so können wir die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder sichern. Diese Einladung zur aktiven, sinnvollen Mitarbeit spreche ich schon heute dem Nachfolger oder der Nachfolgerin von Frau Fichtl aus und freue mich bereits jetzt auf eine konstruktive, zielorientierte Zusammenarbeit für unsere li(e)benswerte Stadt Ybbs“.
Alois Schroll, SPÖ-Bürgermeister

„Es ist schade um Bärbel Fichtl. Sie ist eine geschickte Frau und wäre bei uns in der FPÖ herzlich willkommen. Die beiden Unternehmer haben sie ja richtiggehend gemobbt. Sie fahren einen Kuschelkurs, um ihre Aufträge zu erhalten.“
Andreas Reitner, FPÖ-Gemeinderat

„Es war von Beginn an ein Nachteil, dass Fichtl nicht im Gemeinderat war. Sie ist auch über die Zerrissenheit innerhalb der ÖVP gestolpert. Es gibt Interessenskonflikte. Man kann keine Oppositionsarbeit machen, wenn immer die Drohung betreffend weniger Aufträge in Richtung von Becksteiner kommt. Becksteiner und Ebert haben auch ihre eigenen Interessen, die sie vertreten.“
Paul Hacker, Gemeinderat Wahlplattform unabhängiger Ybbser (WUY)