Erstellt am 03. Oktober 2015, 16:37

von Claudia Christ

Ybbs: Wie sinnvoll ist die "Grüne Brücke"?. Vier Millionen kostet der Bau der neuen Grünbrücke über die A1 bei Ybbs. Kritische Stimmen zweifeln an Sinnhaftigkeit.

Ein überdimensionaler Wildübergang über die A1 kurz vor Ybbs wird zur Zeit errichtet und sorgt für Erstaunen bei Autofahrern, Anrainern, aber auch bei der örtlichen Jägerschaft.  |  NOEN, Franz Crepaz

Der Bau der überdimensionalen Grünbrücke über die A1 bei Ybbs geht in die Endphase. Und noch bevor der rund 60 Meter lange Wildübergang fertiggestellt ist, werden Stimmen dagegen laut.

Autofahrer, Anrainer und auch die örtliche Jägerschaft hinterfragen die Sinnhaftigkeit des vier Millionen Euro teuren Bauwerkes. Stehe sogar Steuerverschwendung dahinter, oder sind die Verantwortlichen einfach nur naiv zu glauben, dass Rehe und Hasen künftig diese Brücke nützen werden, um auf die andere Seite der Autobahn zu gelangen?

„Für unser Revier bringt die Grünbrücke nichts. Denn selbst wenn das Wild hier sicher quert, gibt es vis a vis die Bundesstraße und die Westbahn, die für die Tiere gefährlich ist“, so Jäger Alfred Buchberger aus Petzenkirchen. Jahrzehntelang sei das Wild gewohnt, hier nicht die Straßenseite zu wechseln.

Wildschutz für Alpen-Karpaten-Route

Anton Fitzthum, Hegeringleiter Petzenkirchen-Bergland, stellt klar: „Die Grünbrücke hat grundsätzlich nichts mit der Jägerei zu tun. Dass Hase und Reh hier queren, wird so nicht stattfinden.“ Diese Querungshilfe sei vor allem für übergeordnete Wildtiere (Rothirsch, Bär, Wolf und Luchs) entlang des Alpen-Karpaten-Korridors (Slowakei-Österreich) gedacht. Sie ermögliche laut ASFINAG den Tieren, ihre gewohnten Routen barrierefrei zu nutzen.

Dem zugrunde liegen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Damit die Wildtiere diese Korridore annehmen, werden zusätzlich Vernetzungsstreifen (Bäume, Büsche und Sträucher) errichtet. „Mit dem Bau der Grünbrücke kommen wir unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt nach“, erklärt ASFINAG-Pressesprecherin Alexandra Vucsina-Valla.

Österreichweit sind bereits viele dieser Projekte entstanden. Entlang der Westautobahn sind in NÖ drei weitere geplant.

Info-Veranstaltung

Am 23. Oktober, um 13 Uhr, werden bei einer Infoveranstaltung Vertreter der ASFINAG, Wissenschaftler und die EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger in der Berglandhalle Interessenten Rede und Antwort stehen und das Projekt „Grünbrücke“ präsentieren.