Erstellt am 01. März 2016, 02:04

von Claudia Stöcklöcker

Zehn Katzen vor dem Hungertod gerettet. 45-Jährige nahm Katzen eines Besachwalteten an sich. Von dauernder Sachentziehung wurde sie freigesprochen.

 |  NOEN, privat

"Ein Lügenkorsett, was da in der Anklage steht! Ich habe die Katzen nicht gestohlen, sondern abgeholt und zur Tierärztin gebracht. Ich habe sie behandeln und kastrieren lassen“, entrüstet sich eine 45-Jährige aus dem Bezirk im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Auf der Anklagebank sitzt die Frau, weil sie einem besachwalteten 84-jährigen Bauern zehn Katzen weggenommen haben soll, dauernde Sachentziehung wird ihr nun vorgeworfen.

„Meine Mandantin ist eine aufopfernde Nachbarin, die sich um die Tiere gekümmert hat. Die Katzen wurden vom Hof verjagt, sie schützte sie vor dem Hungertod, leistete Nothilfe. Hätte meine Mandantin sie nicht gerettet, wären sie schon längst tot“, sagt die Verteidigerin. Und die Rechtsanwältin weiters: „Tierquälerei wird mit Strafe bedroht, so wäre es auch strafbar zu unterlassen, Tierquälerei nicht abzuwenden. Das wäre unterlassene Hilfeleistung.“

"Das ist ist reiner Psychoterror“

Amtstierärzte seien nicht eingeschritten, erklärt die Angeklagte. Und sagt: „Ich bin ständig bei ihnen gesessen. Was hätte ich tun sollen? Wegschauen, wie alle anderen es auch tun?“ Anzeige erstattete übrigens der Neffe des 84-Jährigen, diesen soll die Angeklagte mit dem Abstechen bedroht haben. Auch dazu ist sie nicht geständig.

Von längerem Konflikt erzählt der Neffe. „Ich dreh’ schon durch, was sie macht, ist reiner Psychoterror“, sagt er. Für Richterin Doris Zwettler-Scheruga steht fest: „Die Angeklagte hatte nicht den Vorsatz, sich zu bereichern.“ Und zur Drohung: „Es steht Aussage gegen Aussage.“ Die 45-Jährige wird somit freigesprochen.