Erstellt am 04. Juni 2016, 05:00

von Ingrid Fröschl-Wendt

75 Jahre an der Orgel: "Sobald ich spiele, ist die Mühe vergessen“. Die Leidenschaft, mit der Maria Muck die Orgel spielt, ist schier unendlich. Selbst mit Krücke geht‘s 40 Stufen hinauf.

Maria Muck an der Kirchenorgel von Maria Bründl, für die sie ein Mal im Jahr 40 Stufen nach oben klettert.  |  NOEN, Ingrid Fröschl-Wendt

Die eine Hand umklammert die Krücke, die andere tastet die Wand entlang. Nur langsam geht es die 40 Stufen über die Wendeltreppe auf die Orgelempore der Poysdorfer Wallfahrtskirche Maria Bründl.

Jedes Jahr, wenn die Wultendorfer nach einem Gelöbnis nach Maria Bründl gehen, spielt ihre Organistin Maria Muck dort die heilige Messe. Seit 75 Jahren tut sie das - so auch heute -, obwohl ihr das Treppensteigen schon schwerfällt. In ihrer eigenen Kirche in Wultendorf wurde vor 16 Jahren für sie ein Geländer errichtet.

Doch die Mühen nimmt die 94-Jährige gerne in Kauf, weil sie die Orgel noch immer leidenschaftlich gerne spielt, und weil es für die gläubige Frau ein schöner Lobpreis Gottes ist. Außerdem gedenkt sie dabei den vielen Verstorbenen aus ihrem Leben. Etwa an ihre jüngere Schwester.

Sie war es, die gemeinsam mit Muck das Orgelspiel gelernt hatte. Das war im März 1941 gewesen, der junge Organist musste in den Krieg, der Lehrer war vom Pfarrer wegen seiner politischen Einstellung nicht geduldet. Also lernten die beiden Schwestern Maria und Johanna das Orgelspiel. Johanna hörte nach ihrer Heirat auf, für die damals 18-jährige Maria entfachte der Unterricht eine Leidenschaft, die sie bis heute nicht mehr los ließ.

"War wahrscheinlich ein bisschen begabt"

Erfolgte der erste Unterricht noch am Klavier, ging es bald darauf an die Wultendorfer Orgel. Dort brachte sie sich den Rest selbst bei. „Wahrscheinlich war ich schon ein bisschen begabt“, lächelt die alte Dame verschmitzt.

Der Organist kam vom Krieg nicht mehr nach Hause, so spielte Muck weiter. Das war zu ihrer Zeit eine riesige Aufgabe, damals gab es jeden Tag eine Messe zu spielen. Dafür stand die junge Frau extra früh auf, um vorher den Stall zu versorgen. Sonntags musste sie am Nachmittag zusätzlich den Segen spielen. Doch diese Opfer brachte sie gerne, auch Heirat und Kinder hielten sie nicht vom Spielen ab. Nicht einmal eines Mannes wegen wäre sie von Wultendorf und ihrer geliebten Orgel weggegangen.

Heute sind nur noch eine Wochentagsmesse und ein bis zwei Mal im Monat die Sonntagsmesse, die meisten Begräbnisse und eben die Wallfahrt nach Maria Bründl zu spielen. „Manchmal ist es schon ein Opfer, wenn man sich anziehen und aus dem Haus gehen muss“, sagt Maria Muck. „Aber sobald ich spiele, ist alle Mühe vergessen.“