Erstellt am 01. Oktober 2015, 06:12

von Valerie Schmid

„Train of Hope“ in Wien. Zwei Helfer erzählen von ihren Erlebnissen während der Flüchtlingsströme in Nickelsdorf, Traiskirchen und auf den Bahnhöfen in Wien.

Im Einsatz: Sebastian Götzendorfer beim Verteilen von Essen in der Nova Rock-Halle in Nickelsdorf.  |  NOEN, zVg

Unglaubliche Dankbarkeit empfing die Helfer der „Flüchtlingshilfe in Mistelbach“ bei ihren zahlreichen Einsätzen in Traiskirchen, Nickelsdorf und am West- und Hauptbahnhof. „Die Menschen sind einfach froh über jede Hilfe. Teilweise haben die Flüchtlinge schreckliche Dinge erlebt“, so Sebastian Götzendorfer, der zusammen mit seiner Mutter Sabine Götzendorfer-Schwelle, seiner Schwester Katharina Götzendorfer und vielen anderen freiwilligen Helfern im Einsatz war. „Ich helfe, weil es als Christ meine Pflicht ist. Jeder, der Hilfe braucht, soll diese auch bekommen“, betont er.

Etwa 25 bis 30 Mitglieder hat die vor mehr als einem Monat gegründete Gruppe aus Mistelbach bereits. „Die Idee dieser Organisation ist eigentlich sehr spontan entstanden. Einen wesentlichen Teil hat Judith Weissenböck dazu beigetragen. Unser Gedanke war, dass es nicht sein kann, dass eine so große Gemeinde wie Mistelbach nichts tut.

Mit dem Erstellen der Online-Plattform Flüchtlingshilfe Mistelbach wurde die Idee auf eine weitere Ebene gestellt und stieß auf gutes Echo. Die Zusammenarbeit mit Politik und Gemeinde klappte dann auch gut“, so Sabine Götzendorfer-Schwelle. Auf der Website „Train of hope. Refugees.at - Wie und Wo Helfen?“ erkundigte sich die Gruppe immer vorher, wo und wann, welche Artikel gerade gebraucht wurden und dann wurden die Autos dementsprechend voll beladen und es ging los.

Einsatz auf Abruf – nicht immer erfolgreich

Als Nahrung wurden meistens Bananen, Babynahrung und Wasser eingepackt. Auch Zigaretten wurden gern gesehen. „Manchmal sind wir um drei Uhr in der Nacht los nach Nickelsdorf gefahren, weil dort gerade Hilfe gebraucht wurde. Manchmal handelte es sich aber auch um Falschmeldungen und dann standen wir wo und kein einziger Flüchtling war da. Dann sind wir einfach wieder nach Hause gefahren“, erzählt Sebastian Götzendorfer.

„Vorhersagen kann man nie, wie viele Leute gerade gebraucht werden, da die Flüchtlingsströme in Schüben kommen. Am Westbahnhof hatte die Caritas zum Beispiel alles im Griff, aber am Hauptbahnhof wurden schon noch weitere Leute benötigt. Aber allgemein kann man sagen, man ist nie überflüssig!“

Durch frühere langwierige Fluchtaktionen sprechen fast alle Syrer ausgezeichnet Englisch, wodurch viele von ihren Erlebnissen berichten konnten: „Ich habe zum Beispiel mit einem jungen Mann gesprochen, dem schon zwei Finger fehlen. Der IS (Islamische Staat) hat sie ihm abgehackt, weil sie ihn beim Rauchen erwischt hatten“, erzählte Sebastian Götzendorfer.

„Prinzipiell sind die Leute aber einfach nur unendlich froh, dass sie es geschafft haben. Teilweise mussten sie unter widrigsten Bedingungen in Booten verharren und dass Familienmitglieder sich auf der beschwerlichen Reise verlieren, passiert oft. Die Menschen sind zwar wahnsinnig erschöpft, aber die Stimmung ist durchwegs eine positive. Kein einziges Mal ist mir etwas Negatives aufgefallen“, ergänzt Sabine Götzendorfer-Schwelle.

Dass so nervenaufreibende Aktionen erschöpfend sind, ist verständlich: „Nach acht Stunden stehen, nicht essen, nichts trinken und wenig schlafen muss man dann echt eine Pause machen und sowohl psychisch, als auch physisch auf Abstand gehen“, ergänzte Sebastian seine Erzählungen. Die Erinnerungen an die Einsätze werden immer bleiben.