Erstellt am 10. Februar 2016, 05:03

von Michael Pfabigan

Anrainerprotest wegen Schafstall neben Siedlung. 20 Meter neben Wohnhäusern plant Seyringer einen Schafstall für mindestens 100 Tiere samt Schlacht- und Kühlraum. Nachbarn fürchten Lärm, Gestank und Verkehr.

Anrainerprotest: Auf diesem Grundstück an der Ecke Franz Jonas-Gasse und Enzersfelder Weg soll ein Schafstall für mindestens hundert Tiere samt Schlachtraum und Kühlraum entstehen. Die Nachbarn sind entsetzt und wollen Schritte dagegen unternehmen.  |  NOEN, Pfabigan

Die ist so stark, ich brauch? nicht mal in den elterlichen Bauernhof reingehen, schwillt mir schon alles zu“, weiß Josef Stauber nicht, wie es weitergehen soll: Direkt an sein Haus am Seyringer Enzersfelderweg, Ecke Franz Jonas Gasse angrenzend, will Unternehmer Leopold Friedlmayer eine Weidefläche für mindestens hundert Schafe und einen Stall samt Schlacht- und Kühlraum errichten. Die Pläne entsetzen die Anrainer des Gebietes am Ortsrand.

„Wir haben schon die Traktoren und die Pferde auf der Koppel mitten im Siedlungsgebiet zu ertragen, das ist zu viel!“, ärgern sich die Seyinger, die das Projekt verhindern wollen. „Warum er das im Wohngebiet machen muss, verstehen wir nicht.

„Die können Unterschriften sammeln, wie sie wollen:
Ich lehne mich zurück und warte ab, was geschieht!“
Leopold Friedlmayer, Schafzüchter und Bauherr

Der Friedlmayer hat doch genügend andere Felder!“, ärgert sich auch Helmut Heuschneider, der den Widerstand organisiert und bereits Unterschriften dagegen sammelt. Ihre Befürchtungen: Lärm- und Geruchsbelästigung, Ängste gibt es auch vor der mutmaßlichen moslemischen Kundschaft, die Schaffleisch direkt ab Schlachtraum kaufen könnte.

„So haben wir uns das nicht vorgestellt, dass wir in der Pension jetzt solche Stinktiere vor der Nase haben!“, ärgert sich Heuschneider. Ihre Bedenken wollen sie auch bei der Bauverhandlung vorbringen. Ob sie Chancen haben, dass Friedlmayer von den Plänen abgeht, ist ungewiss. In einer ersten Auskunft bei der Gemeinde hieß es, der Behörde seien die Hände gebunden.

Friedlmayer bestätigt die Pläne: „Ich habe schon eine Schafzucht mit 40 Schafen, ich will jetzt aufstocken und habe am bisherigen Standort zu wenig Platz!“ Dass die Anrainer nervös werden, versteht er nicht, der betroffene Acker sei von der Widmung her landwirtschaftlicher Grund. Warum will er seine Schafzucht ausbauen? „Die Nachfrage nach Schafen und ihrem Fleisch ist da, ich muss mein Geld über die Landwirtschaft verdienen. Ich hab ja keine Bauplätze, die ich verkaufen kann, wie andere Bauern im Ort!“, sagt der Seyringer, der immer wieder mit seinen Projekten bei der Gemeinde aneckt.

Schafe kommen Mitte März an

„Ich habe extra bei der Gemeinde eine Bauverhandlung vorort eingefordert, damit ich den Anrainern auch sagen kann, was ich machen will und warum“, sagt Friedlmayer. Denn eigentlich hätte er 250 Meter vom Ort entfernt bauen wollen. Allerdings hat Gerasdorf dort eine Freihaltezone definiert, eine Umwidmung kam nicht in Frage:

„Ich konnte also nur auf dem der Widmung entsprechenden Grund bauen“, ist Leopold Friedlmayer überzeugt. Die Gemeinde habe die anrainerfreundlichere Lösung verhindert. „Einzäunen kann ich jedes Feld und darauf Schafe geben. Den Schlachtraum brauche ich, weil irgendwo muss man die Tiere ja um die Ecke bringen. Und es muss hygienisch sauber sein!“, sagt der Landwirt und Bauunternehmer.

Wann geht's los? „Die Schafe sind bestellt und bezahlt, Mitte März sind sie da. Und wenn der Stall dann nicht fertig ist, baue ich einen Unterstand, hole den Amtstierarzt und der schreibt mir dann offiziell vor, dass ich bauen muss“, kündigt Friedl-mayer an: „Dann kann die Gemeinde nicht mehr aus!“


Was ist geplant?

Was ist konkret geplant? Baulich drei Boxen mit rund 300 m2 als Stall für die Schafe samt Räumen zur Futtermanipulation (85 m2), darüber eine 200m2 große Strohbühne. Unterm Stall soll ein Estrich und das Gebäude in Holzriegelbauweise gebaut werden.

Angrenzend soll ein zehn mal zehn Meter großes Gebäude in Massivbauweise errichtet werden mit Schlachtraum (44 m2), Kühlraum (21 m2), Vorraum und Sanitärräumen. Das Gebäude entwässert in eine Fäkal-Sammelgrube.

Laut Betriebskonzept plant Friedlmayer die Haltung von 100 Mutterschafen, Platz sei auf dem drei Hektar großen Areal aber für 300.