Erstellt am 12. November 2015, 12:18

von Michael Pfabigan

Arbeitsmarkt: Alt ab 45!. Pro Jahr steigt die Zahl der Menschen ab 50 ohne Job im Bezirk um rund 100 an.

 |  NOEN, Erwin Wodicka

Um arbeitslos zu werden, ist nie der richtige Zeitpunkt. Aber älter zu sein und ohne Job dazustehen, ist derzeit besonders übel: Denn von Monat zu Monat steigt die Zahl der Menschen über 50, die verzweifelt nach einer neuen Arbeit suchen. Alleine in den letzten fünf Jahren ist ihre Zahl um ein Drittel angestiegen.
Ab wann ist man heute am Arbeitsmarkt alt? „Ab 45 gilt man als älter“, sagt Marianne Bauer, Leiterin des AMS Mistelbach. Entsprechend lägen auch die Anstrengungen des AMS genau in dieser Altersschicht. Bis 2011 stieg die Zahl der älteren Jobsuchenden von Jahr zu Jahr um rund 50 Betroffene. Seit 2011 verdoppelte sich dieser Faktor: „Durch die Pensionsreform und die Abschaffung der Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension sind Arbeitnehmer und damit auch die Arbeitslosen immer länger als Erwerbstätige eingestuft“, sagt Bauer, daher ist auch die Zahl der Älteren bei den Arbeitslosen gestiegen.

x  |  NOEN, Grafik NÖN

Und warum ist es für Ältere am Arbeitsmarkt so schwer? Weil viele Unternehmer immer noch glauben, dass ältere Arbeitnehmer öfter in Krankenstand gehen, langsamer sind oder nicht mehr so aufnahmefähig seien. Und dass sie besonders teuer seien, sind die gängigen Vorurteile, die einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt verhindern. Die Chance, wieder einen Job zu finden, sinkt mit der Dauer der Arbeitslosigkeit.
Entsprechend ist für Bauer ein Umdenken notwendig: „Es ist schon auch Einstellungssache!“, sagt sie: „Früher hat man mit 50 schon von der Pension gesprochen, heute müssen die meisten noch 15 Jahre arbeiten!“ Entsprechend müssten beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer beginnen, umzudenken. Denkbar sei das mit den Möglichkeiten einer gleitenden Pension, bei der das Wissen der Alten nicht verloren geht, sondern parallel zum langsamen Jobausstieg das Wissen an die Jungen im Betrieb weitergegeben werden kann.

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk steigt weiter

Nur bedingt erfreulich sind die sonstigen Zahlen vom Arbeitsmarkt: Ende Oktober waren im Bezirk Mistelbach 2.385 Arbeitslose vorgemerkt, dies sind um 276 bzw. 13,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Der ansteigende Trend ist leider noch immer im ganzen Weinviertel zu bemerken.

„Jedoch muss man wiederum auch bemerken, dass die Zahl gegenüber dem Vormonat September um 20 Personen weniger ist. So sind statt 2.405 nur mehr 2.385 Personen beim AMS Mistelbach gemeldet“, stellt die Leiterin des AMS Mistelbach, Marianne Bauer fest. Ob das eine Trendumkehr ist, muss sich allerdings erst zeigen. Der Rückgang ist sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Älteren zu bemerken. „Bei den Ausländern haben wir einen Anstieg um 16,1 Prozent und bei den Akademikern sogar um 40,7 Prozent.
„Erfreulich ist für uns, dass die Zahl der sofort verfügbaren offenen Stellen um 89,4 Prozent (+76) gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist“, bemerkt Bauer. „Es ist schön, dass die Firmen unsere Angebote in Anspruch nehmen, besonders durch Jobbörsen und Vorauswahlen können wir den Betrieben Arbeit abnehmen und die Personalauswahl erleichtern.“


Die Arbeitsmarkt-Statistik Oktober 2015

Weinviertel

  • Gänserndorf  3.818 (+10,6%)
  • Hollabrunn   1.399 (+9,8%)
  • Korneuburg   2.260 (+9,4 %)
  • Mistelbach   2.385 (+13,1%)


Jugendliche unter 25

  • Frauen  140 (+31)
  • Männer  156 (-12)

Ausländer

  • Frauen  144 (+23)
  • Männer   187 (+23)

Über 12 Monate arbeitslos

  • Frauen   156 (+96)
  • Männer   347 (+208)

Über 6 Monate arbeitslos

  • Frauen   361 (+129)
  • Männer   644 (+221)


Akademiker  83 (+24)
Nur Pflichtschule  960 (+18)
In AMS-Schulung   474 (-89)