Erstellt am 25. März 2016, 05:04

von Susanne Bauer

Arzt bringt Kindern ihr erstes Eis. Mediziner Josef Singer arbeitete in afrikanischem Krankenhaus und unterstützt Waisenkinder.

Josef Singer im Kreise der Waisenmädchen, die in ihren Schulen alle abrasierte Haare haben müssen damit die sozialen Unterschiede weniger sichtbar sind: Stellah, Rosan, Ruth, Mary und Teresia.  |  NOEN, privat
Als Assistenzarzt Josef Singer aus Kleinbaumgarten vor zwei Jahren im Zuge seiner Ausbildung an der Infektionsstation für Tropenkrankheiten tätig war, wollte er auch ein Auslandspraktikum als Gastarzt in Afrika absolvieren. Sein Ziel dort war Nakuru – eine 310.000-Einwohner-Stadt im Westen Kenias. Dort lebte der Mediziner aus Kleinbaumgarten in einer kleinen Wohnung, die ihm Nancy Giteau vermietete.

Mitarbeit im Waisenhaus

Singer half in Nakuru einen Monat lang im einzigen Spital der Stadt mit die Patienten zu versorgen. Fiebererkrankungen, Malaria, HIV oder Tuberkulose waren dort sein täglich Brot. Für Singer, der den österreichischen medizinischen Standard gewohnt war, war die einfache medizinische Versorgung vor Ort eine Umstellung. In den 36 Betten, die pro Station zur Verfügung stehen, lagen bei Bedarf auch zwei Personen pro Bett. Betreut und versorgt werden die Patienten von ihren Angehörigen, weil es an Pflegekräften mangelt. Viele der kleinen Patienten waren Straßen- und Waisenkinder. Daher gibt es mehrere Waisenhäuser in der Stadt. Eines davon betreibt Singers Vermieterin.

„Ich habe gemeinsam mit einem Handwerker und 
den Mädels die kaputten Sessel neu tapeziert.“
Josef Singer war nicht nur als Arzt in Nakuru tätig.

Es dauerte nicht lange bis Singer auch dort mitarbeitete. Zusammen mit Nancy machte er mit Spendengeldern von Freunden und Kollegen einen Lebensmittel-Großeinkauf. Mit im „Einkaufswagerl“ Eis für die Kinder. Die Freude darüber war sehr groß, immerhin war es für viele das erste Eis in ihrem Leben. Noch etwas hatte der junge Arzt dabei, worüber sich die elf Waisenmädchen im Alter von acht bis 18 Jahren sehr freuten: UNO Karten.

Neben der Schule, welche die Kinder nur mit Schuluniformen und wenn Schulgeld bezahlt wird, besuchen können, vertreiben sie sich die Freizeit mit Trommeln und Tanzen. „Da ich noch Spendengelder übrig hatte, besorgte ich Stoff und habe gemeinsam mit einem Handwerker und den Mädels die kaputten Sessel neu tapeziert“, erzählt Singer.

Verein „Nafasi Nakuru“

Wieder zu Hause gründete der Mediziner mit seiner Freundin Judit Fazekas den Verein „Nafasi Nakuru“. Das ist Suaheli für „Chance für Nakuru“. Dieser Verein, der das Waisenhaus mit Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt, hat in einem Jahr viel bewirkt: Es wurde ein kleines Feld angekauft, wo bereits sehr erfolgreich Mais angebaut wird. Ein Verschlag für Brennholz und Hühnerhaltung wurde gebaut, ein Teil des Hauses wurde saniert und der Bau einer Wasserleitung von der benachbarten Plantage wurde fertiggestellt. „

Als Projekte für die Zukunft werden wir die Schulgebühren für alle Waisenkinder bezahlen.“ Dazu gehören Schuluniformen und Bücher. Bei einer Arbeitslosenrate von 50 Prozent ist Bildung besonders wichtig. „Dafür nehmen die Kids schon mal einen Fußweg zur Schule von bis zu einer Stunde in Kauf“, weiß Singer.

Von Schul- und ersten Joberfolgen der Waisenkinder konnte sich Singer bei einem weiteren Besuch – gemeinsam mit Judit – überzeugen. „Habari Daktari“ wurde er begrüßt - „Hallo Doktor!“ Wichtig ist dem Mediziner eines: „Alle Spenden, die wir bekommen, kommen eins zu eins dem Waisenhaus zugute.“