Erstellt am 16. Februar 2016, 07:38

von Michael Pfabigan

Asyl-Container in Mistelbach: Wohnen ohne Klimbim. Früher gehörten die Container zu einer Schule, jetzt bieten sie den Hilfesuchenden Platz. Die Jugendlichen pendeln für ihren Unterricht täglich nach St. Pölten.

Wohnen ohne Schnickschnack: Der Aufenthaltsraum (links) ist funktionell nüchtern, die Küche (unten) neu und in dieser Wohngemeinschaft noch unbenutzt. Die Zweibettzimmer sauber, warm und ohne Zier.  |  NOEN, Pfabigan

Sie sind ganz normale Jugendliche mit ganz normalen jugendlichen Problemen: Jene 12 Flüchtlinge, die in einer Nacht und Nebelaktion von Wilhelmsburg in die noch nicht ganz fertige Containeranlage beim Landesklinikum verlegt wurden.

Mittlerweile haben sie sich eingelebt, haben Vertrauen zu ihren Betreuern gefasst und vertrauen sich ihnen an. „Am Anfang waren sie schon recht still“, erinnert sich eine aus dem Caritas-Team, das die Burschen versorgt.

Wie wenig durchgeplant die Verlegung der 13- bis 17-jährigen Burschen aus Syrien war, zeigt ein weiterer Umstand: In Mistelbach gibt es zwar eine Durchgangsklasse für bildungshungrige Flüchtlingskinder, die ist aber voll. So müssen die 12 Syrer jeden Tag mit dem Bus nach St. Pölten in ihre bisherige Klasse fahren. Ein Umstand, der sie täglich vier Stunden kostet: „Entsprechend wenig sind sie bei uns“, verrät das Betreuerteam. Derzeit arbeitet man daran, dass sie vielleicht wieder nach Wilhelmsburg zurückkehren können.

Bewohner sollen sich selbst versorgen

Wie leben die Burschen eigentlich in der Container-Siedlung? Die NÖN machte den Lokalaugenschein: Von den vier Wohngruppen im Haus Arjan ist bislang eine bewohnt, weitere 36 Bewohner sollen in den nächsten Tagen einziehen. Die Container sind sauber, aber nicht luxuriös. Früher waren sie mal Teil einer Schule, der eine oder andere Sticker verrät die frühere Nutzung. Manche Tür geht nur widerwillig auf, die Rollos bei den Fenstern sind oft defekt - Spuren eines früheren Gebrauchs.

x  |  NOEN, Michael Pfabigan

Schmucklos auch die Küche samt Aufenthaltsraum: „Uns ist wichtig, dass sich unsere Bewohner selbst versorgen, bzw. dass sie beim Kochen mithelfen“, sagt Mike Berger, der für die Caritas die beiden Containersiedlungen in Mistelbach und Langenzersdorf leitet. Im Erdgeschoß stehen noch Waschmaschinen zur Verfügung, beide Containerblöcke sind gleich aufgebaut und ausgestattet. In den zweiten Teil werden dann Familien mit Kindern einziehen.

Nicht wirklich einladend wirkt im Moment auch der Platz zwischen den Container-Häusern: Gewalzter Schotter bzw. Recycle-Asphalt zeigen nicht, dass hier bald auch Kinder spielen werden – noch hat die Anlage den Charme einer Baustellen-Siedlung.

 „Da steh’ sogar oft ich mit meiner
20-jährigen Erfahrung als Sozialarbeiter an"

Betreut werden die Jugendlichen rund um die Uhr von einem insgesamt knapp 20-köpfigen Betreuer-Team: „Viele von ihnen sprechen ihre Sprachen und kommen aus ihrem Kulturkreis. Wir haben sogar eine Kopftuchträgerin dabei. Diese Menschen sind für uns extrem wertvoll“, sagt Mike Berger: „Da steh’ sogar oft ich mit meiner 20-jährigen Erfahrung als Sozialarbeiter an. Die Kollegin erkennt viel früher, wo das Problem liegt!“

Derzeit sucht die Caritas nach Räumen, in denen der Unterricht der Kinder stattfinden kann, die dann in beide Container-Häuser einziehen werden. Mangels Klassen in den Schulen gäbe es eben Ersatzunterricht.