Gaubitsch

Erstellt am 09. April 2017, 03:30

von Susanne Bauer

„Man weiß nie, wo man landen wird“. Seit drei Jahren folgt Oliver Heiner einer alten Tradition: Er zieht als Bäckergeselle auf der Walz durch die Lande.

Bäckergeselle Oliver Heider aus Deutschland machte auf seiner Wanderschaft Station in Gaubitsch. Er wurde von Bäckermeister Lukas Bacher und Bäckermeister Georg Öfferl aufgenommen.  |  Bauer

Anfang Mai 2014 machte sich Bäckergeselle Oliver Heider in einer speziell für ihn geschneiderten Kluft und mit einem kleinen Rucksack auf den Weg, um auf Wanderschaft zu gehen. Dabei landete er nun bei der Bäckerei Öfferl in Gaubitsch.

Aber von Anfang an: Ein Freund erzählte ihm von dieser Tradition und weckte so sein Interesse. Seine Wanderschaft - die Walz - begann an einem Dienstag in der kleinen Gemeinde Niederlehme in der Nähe von Berlin. „Das ist Tradition, weil am blauen Montag in früheren Zeiten in vielen Handwerksbetrieben wenig oder gar nicht gearbeitet wurde“, erklärt Heider.

„Als Wandergeselle darf ich kein Geld für die Fahrt ausgeben. Dabei spielt der Zufall immer eine große Rolle.“Oliver Heiner

Mit einem großen Fest wurde Olli, wie er liebevoll genannt wird, von zu Hause verabschiedet, bevor er in Begleitung des Altgesellen Simon, der Konditorin Pia und der Schneiderin Annika losmarschierte. Die ersten 50 Kilometer gingen sie gemeinsam, dann trennten sie sich wieder. Nur Simon begleitete Olli noch ein paar Monate.

Seither führte ihn sein Weg zu Fuß aber auch mal per Anhalter zuerst nach Norddeutschland dann weiter kreuz und quer durch Deutschland, die Schweiz und Österreich, immer ohne konkretes Ziel. Genau kann er es nicht sagen, aber an die 20.000 bis 30.000 Kilometer wird er bis jetzt schon gegangen sein.

„Als Wandergeselle darf ich ja kein Geld für die Fahrt ausgeben. Dabei spielt dann der Zufall immer eine große Rolle, denn man weiß nie, wo man landet“, berichtet Heider weiter.

In den Städten geht ein Wanderbursche dann zum zuständigen Gemeindeamt, um einen Stempel oder mal auch ein Siegel für sein Wanderbuch, das gleichzeitig auch seine Arbeitszeugnisse enthält und somit ein offizielles Dokument ist. In den fast drei Jahren, die der Bäckergeselle jetzt schon unterwegs ist, hat er nicht nur als Bäcker gearbeitet, sondern auch schon mal bei einer Baumschule mitgeholfen. Doch nicht immer war alles rosig.

Ohne Geld, aber mit Hunger unterwegs

So berichtet er, dass er auch Hunger und kein Geld in der Tasche hatte, auch unter freiem Himmel übernachtet hat und sich dann schon fragte: „Warum tu ich mir das an?“

Warum ist er nun aber in dem kleinen Ort Gaubitsch gelandet? „Ich wollte unbedingt auf meiner Wanderschaft auch Wien, die Stadt der Bäcker, kennenlernen.“ Durch einen Zufall erfuhr er von dem Festival „Kruste und Krume“, bei dem Bäcker ihre verschiedenen Brote präsentieren. Dort lernte Heider den Bäckermeister Lukas Bacher kennen, der bei der Bäckerei Öfferl beschäftigt ist. Luki lud Olli kurzerhand ein, doch mal vorbeizuschauen.

Ein paar Tage später stand Olli vor der Tür. Seither ergänzt er das Bäckerteam mit seinem Wissen, Humor und seiner Arbeitskraft. Aber schon in ein paar Tagen wird er weitermarschieren, denn dann fangen seine Füße zu kribbeln an, wie er schmunzelnd erzählt.

Heimweh kennt der junge Mann nicht wirklich, aber auf sein Bett, seine Freunde und vor allem auf seine Familie freut er sich sehr. Am 7. Mai wäre seine Mindestzeit, um auf Wanderschaft zu sein, zu Ende. Aber ob er dann schon daheim sein wird, kann er noch nicht sagen.