Erstellt am 09. März 2016, 05:04

von Michael Pfabigan

Ausgangsverbot für Flüchtlinge?. Links und Rechts demonstrierten vor Rathaus. FPÖ will Asylwerber einfach wegsperren.

 |  NOEN, Michael Pfabigan

Es war ein Hauch von Akademikerball-Demo, der da durch Mistelbach wehte: Am Nachmittag des 4. März standen sich vor dem Rathaus linke und rechte Demonstranten gegenüber. Zwischen ihnen gerade mal zehn Meter und die Polizei.

„Polizisten schützen Faschisten!“, skandierte eine Demonstrantin mit unüberhörbar bundesdeutschem Idiom. Das Kräfteverhältnis der beiden Gruppen: Zur Anti-Asyl-Demo, zu der der ehemalige FPÖ-Gemeinderat Manfred Platschka aufgerufen hatte, kamen rund 30 Personen. Auf der Pro-Asyl-Demo-Seite standen den Rechten rund 60 bis 70 Demonstranten gegenüber. Und die Zaungäste? Sicher weniger als 20.

„Herr Vizebürgermeister: Sie leben
geistig schon in Mekka!“
Manfred Platschka, FPÖ-Altgemeinderat,
über Christian Balon (ÖVP)

Während auf der Pro-Asylseite vor „Identitären“, einer neuen rechts-radikalen Bewegung, gewarnt wurde und man für Menschlichkeit im Umgang mit den Flüchtlingen eintrat, warnten die Rechten, hauptsächlich FPÖ-Funktionäre, vor den Folgen „unkontrollierter Zuwanderung“. Manfred Platschka fasste die Forderungen der Asyl-Gegner zusammen: Die medizinische Grundversorgung der Flüchtlinge soll auf ein Minimum reduziert werden, es soll ihnen kein Bargeld, nur noch Gutscheine ausgehändigt werden und es soll ein striktes Alkoholverbot über sie verhängt werden.

„Außerdem sollen Asylwerber ab 18 Uhr, im Sommer ab 20 Uhr kaserniert werden!“, forderte Platschka: „Am Abend haben sie auf unseren Straßen nichts mehr zu suchen!“ Und: Statt Integrationsvorbereitungen solle es Rückführungsvorbereitungen geben, die Zeit des Aufenthaltes bei uns solle möglichst kurz sein.

FPÖ-Bezirksobmann Michael Bernard legte nach: „Asylwerber sollen keinen Eintritt in Freibäder bekommen!“ Auf einen Zwischenruf von linker Seite, setzte er nach: „Sie können sich gerne hinsetzen und vergewaltigen lassen!“

Balon: "Probleme lösen statt schüren!"

Wer ist schuld daran, dass Flüchtlinge in Mistelbach Zuflucht finden? Platschka kennt ihn: „Pascha Pohl und seine Wesire!“ Sie seien verantwortlich dafür, dass seit Wochen „hunderte sogenannte Flüchtlinge aus aller Herren Länder nach Mistelbach kommen.

Und die Mistelbacher werden dazu nicht mal gefragt und haben dieses undemokratische Verhalten einfach hinzunehmen!“ Sein Fett bekam auch ÖVP-Vizebürgermeister Christian Balon ab, der in einem Zeitungsinterview gemeint hatte, dass er nichts dagegen hätte, wenn seine Tochter im Kindergarten ein paar Worte Arabisch lerne: „Da kann ich nur sagen: Wunderbar, Herr Vizebürgermeister, ihre Integration ist offenbar gelungen. Sie leben geistig schon in Mekka!“

Vizebürgermeister Christian Balon sieht kein Problem darin, wenn seine Tochter Fremdsprachen lernt: „Sie lernt Tschechisch und wird keine Tschechin. Und sie lernt Englisch und wird keine Engländerin!“ Rechts und Links forderte er auf, „wieder zur Realpolitik zurückzukehren und Probleme zu lösen, anstatt sie zu schüren!“ Bürgermeister Alfred Pohl wollte Platschkas Aussagen nicht kommentieren.

Beide Demos verliefen friedlich, eine kleine Rangelei gab es am Rande der Demos - kein Problem für die Polizei.


Interview mit Manfred Platschka (Alt-Gemeinderat der FPÖ in
Mistelbach)

Am Freitag fanden am Mistelbacher Hauptplatz zeitgleich eine von Alt-FPÖ-Gemeinderat Manfred Platschka organisierte Anti-Asyl-Demonstration und eine Pro-Asyl-Demo statt.

NÖN: Warum haben Sie die Anti-Asyl-Demo organisiert?
Manfred Platschka: Weil ich den vielen Menschen, welche mit dem derzeitigen Asylwahnsinn unzufrieden sind, Mut machen will. Man kann sich demokratisch dagegen wehren!

Waren Sie über die doch geringen Teilnehmerzahlen auf beiden Seiten überrascht?
Platschka: Ich habe die Demo kurzfristig für ca. 30 Personen angemeldet und war daher von meiner Seite aus mit dieser Auftaktveranstaltung zufrieden.

Planen Sie weitere Aktionen?
Platschka: Ja, es gibt einen monatlichen Stammtisch, wo sich alle interessierten Bürger regelmäßig treffen. Am 27. Mai ist die nächste Demonstration in Mistelbach bereits angemeldet.