Erstellt am 22. September 2016, 02:11

von Michael Pfabigan

„Noch gibt es keinen großen Run“. Insgesamt 391 Nichtösterreicher sind arbeitslos. Asylwerber gehen in die Großstadt.

Seit 2008 mehr als verdreifacht  |  VGstockstudio/shutterstock, NÖN-Grafik: Bischof

Durchschnittlich liegt die Arbeitslosigkeit im Bezirk Mistelbach bei 6,7 Prozent. Außer man hat Migrationshintergrund: Dann ist die Wahrscheinlichkeit keinen Job zu finden, fast doppelt so hoch: 12,2 Prozent. Insgesamt sind 391 Nichtösterreicher als arbeitssuchend beim Arbeitsmarktservice gemeldet. Diese Zahl hat sich seit 2008 mehr als verdreifacht.

„Ein Grundproblem sind sicher die Sprachkenntnisse, die wir versuchen mit Deutschkursen - die gibt es schon sehr lange in NÖ - in unserem Deutschlerncenter abzudecken“, sagt AMS-Mistelbach-Chefin Marianne Bauer: „Natürlich sind durch die steigenden Zahl der Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten die Kapazitäten dieser Kurs erhöht worden.“ Insgesamt sind im Bezirk rund 100 Asylberechtigte oder subsidiär Schutzbedürftige beim AMS gemeldet.

Gerade bei dieser Personengruppe müssen immer zuerst einmal Bildung und Fähigkeiten abgeklärt werden. Weiteres Problem: Die auf den öffentlichen Verkehr beschränkte Mobilität. „Hier haben es sich einige Freiwillige zur Aufgabe gemacht, diese Personengruppen intensiv zu betreuen und ihnen bei Amtswegen behilflich zu sein“, weiß Bauer.

Wie wirken sich Asylwerber konkret auf die Arbeitslosenstatistik des Bezirks aus? „Schwer zu sagen, weil sehr viele mit der Anerkennung in die Großstädte ziehen und die ländliche Gegend verlassen, in der sie weniger Chancen haben“, weiß Bauer. Momentan sind knapp 60 im Bezirk gemeldete Asylwerber in Schulungen.

Wie sind eigentlich die Jobaussichten für Asylwerber? „Wichtig ist zuerst die Abklärung der Ausbildung, auch weil es in ihren Heimatländern ganz andere Ausbildungsformen gibt als bei uns. So kann man ein erlerntes Handwerk z.B. nur durch praktisches Vorzeigen abklären“, sagt Bauer.

Viele hätten keinerlei Unterlagen über ihre Berufslaufbahn, die sie vorlegen können. Es werde auf jeden Fall eine Herausforderung in den Kompetenzchecks das Wissen abzufragen. „Wir können auch noch nicht sagen, für welchen Arbeitsmarkt die suchenden Asylberechtigten geeignet sind. Noch gibt es keinen großen Run von Asylberechtigten auf den Arbeitsmarkt!“

Die Prognose: Wie werden sich die Asylwerber künftig am Arbeitsmarkt auswirken? „Wir sind noch sehr am Beginn und können noch nicht sagen, wie der Verbleib bei uns sein wird, und ob und wie Arbeitsplätze für diese Personengruppe geschaffen werden müssen“, sagt AMS-Chefin Marianne Bauer.

Aus ihrer Sicht ist aber Integration der einzige Weg, wie diese Menschen auch langfristig im Arbeitsmarkt beschäftigt werden können. „Ein Anpassen an unsere Kultur ist unumgänglich!“

Beschäftigung

Aktuell gibt es im Bezirk 36.025 Beschäftigte, um 150 mehr als im Vorjahr. 2.802 oder 7,8% sind Ausländer. Die größten Gruppen stammen aus Bosnien-Herzegowina (342 Beschäftigte), Deutschland (339), Polen (308) und Tschechien (287). Gegenüber 2008 sind rund ein Viertel mehr Ausländer im Bezirk beschäftigt.