Mistelbach

Erstellt am 11. April 2017, 13:54

von Michael Pfabigan

Alles zu wissen wäre langweilig. Im MAMUZ präsentiert Experte Julian Richards einen Teil seiner Stonehenge-Preziosen-Sammlung.

Ja, sein Haus sei schon ein wenig „stonehengy“, also mit Zeugs über Stonehenge gefüllt, gesteht Julian Richards, anerkannter Experte für das jahrtausendealte Steinmonument.

Für das MAMUZ Mistelbach räumte er Teile seiner Sammlung aus und präsentiert sie in der Zusatz-Ausstellung „Alles Stonehenge oder was“ in der Kapelle des Mistelbacher Museumszentrums. Seine Sammlung besteht aus – nach Richards Schätzungen – 1.600 Objekten. Einen Teil brachte er nach Mistelbach.

Der Steinkreis faszinierte und inspirierte Menschen immer schon. Richards sammelte Stonehenge-Preziosen zwischen Kitsch und Kult der letzten knapp 150 Jahre: Briefmarken aus Uganda mit Lady Di und dem Steinkreis darauf sind ebenso zu finden wie Tafelgeschirr und Schallplatten mit Trilithen am Cover. Eine LP hat sogar die Form eines Trilithen.

Als man noch in den Steinkreis durfte...

„Manche der Bands haben am Stonehenge-Festival gespielt“, erzählt Richards, damals, als man noch mitten in den Steinkreis durfte. „Und bei manchen kommt Stonehenge nicht einmal vor!“ Stonehenge ist auch oft Schauplatz von Comics: „Thor, Superman und Scooby Doo waren dort“, sagt Richards und zeigt die entsprechenden Hefte: Bei dieser Szenerie brauche man nicht viel erklären. „Steinkreise gibt es viele, aber es gibt nur einen Steinkreis, bei dem auf die Steine noch Steine gelegt wurden. Und das ist einzigartig!“, sagt Richards, der nur einen Steinwurf von Stonehenge entfernt wohnt.

„Es bleiben immer noch Geheimnisse. Und das ist gut so. Denn wenn wir alles erklären könnten, dann wäre die Welt sehr langweilig!“ Julian Richards, Stonehenge-Experte

Stonehenge hat schon immer die Werbung inspiriert. Legendär ist das Stonehengepicknick in der Guinness-Werbung. „Das wollen wir im kommenden Jahr nachstellen“, kündigt Richards an: „Mal sehen, was British Heritage dazu sagt“, lacht er. Denn er weiß, wie streng die britischen Altertumswächter sind.

Stichwort Abschottung

Stichwort Abschottung des Steinkreises: „Viele erzählen, dass sie damals in Stonehenge waren, als noch kein Zaun darum aufgestellt war“, sagt der Stonehenge-Experte: „Das ist Blödsinn. Denn schon Anfang des 20. Jahrhunderts gab es einen Zaun und man musste Eintritt zahlen. Wir haben die Eintrittskarten von damals.“ Es erinnere sich halt nur keiner mehr an den Zaun.

Begeistert zeigt der Brite die Ansichtskarten zu Stonehenge aus den vergangenen 150 Jahren: Auf manchen sind die Gedanken der Besucher zu lesen. Besonders faszinierend findet er die Tatsache, dass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder Flugzeuge in die Ansichtskarte hineinretuschiert wurden: „Die hatten damals ja noch kein Photoshop, die haben das mit der Hand hineingezeichnet“, lächelt er verschmitzt.

Was ist die Faszination von Stonehenge, die ihn und die Menschheit so fasziniert? „Die Archäologie kann uns sagen, wann etwas errichtet wurde. Aber was sich die Menschen dabei gedacht haben, das kann sie uns nicht sagen.“ Es bleiben immer noch Geheimnisse. Richards Nachsatz: „Und das ist gut so. Denn wenn wir alles erklären könnten, dann wäre die Welt sehr langweilig!“

Infos & Co

„Alles Stonehenge oder was“ ist, wie auch die Hauptausstellung im MAMUZ Mistelbach „Stonehenge – Verborgene Landschaft“, bis 3. Dezember zu sehen.
m Infos: www.mamuz.at