Erstellt am 19. Oktober 2015, 13:18

Eisige (Tor)Tour, Pyrenäen und die spanische Einöde. Filmhof Intendant Michael Rosenberg brach zu seiner großen Fahrt auf, um auf den sexuellen Missbrauch an Kindern aufmerksam zu machen. Mit dem Fahrrad fährt er von Asparn an der Zaya ins spanische Tarifa.

 |  NOEN, zVg

Tag 10: Die längste Etappe

Cavalaire sur Mer bis Arles. 220 Kilometer
Da eine längere Tour geplant war, wurde bereits vor Tagesanbruch gestartet – die Hotelbesitzerin versorgte die Benefizradler  mit dem nötigen Reiseproviant. Bei trübem Wetter ging es von der Cote d’Azur ins Landesinnere Richtung Provence. Selbst eine Reifenpanne konnte das Team um Michael Rosenberg nicht mehr stoppen: Der Tag 10 brachte die bisher längste Etappe mit mehr als 1.900 Höhenmetern.

Tag 11: Wind, rosa Vögel, weiße Pferde

Arles bis Narbonne. 200 Kilometer
Wieder Start im Morgengrauen: Bei  5° geht’s über die Brücke der Rhone , auch die Sonne ließ die Temperaturen nicht wesentlich über 8°steigen. Starker Wind machte die  Aufgabe nicht gerade einfacher.
Wie fasst das Benefiz-Radlerteam die Tagestour zusammen?
„Wind.
Wieso so kalt ?
Wind.
Wieder ein Rekord.
Wind.
Wasser.
Wind.
Weiße Pferde.
Wind.
Weiße Flamingos mit rosa Beinen.
Wind.
Wellen.
Wind.“

Tag: 12: Auf in die Pyrenäen

Narbonne bis Ax les Thermes. 160 Kilometer
Wer sagt, dass es im Süden wärmer ist? Tourstart bei 3,1° Celsius. Und jetzt geht es in die Pyrenäen, vorbei an wildromantischer Landschaft und verfallenen Steinbrücken.
Erste Panne an einem Begleitfahrzeug: Beim Wohnmobil von Herbert Hawel fiel der Strom aus, eine Werkstätte zu finden, die das reparieren will, ist nicht leicht. Erst als sich Renault Österreich und Thomas Polke einschalten, wird eine Renault-Werkstatt in Narbonne gefunden, der Schaden ist rasch beseitigt. Eine Reparatur brauchte auch das schwarze Rennrad von Benefiz-Radler Michael Rosenberg.

Tag 13: Eisige (Tor)Tour über die Pyrenäen

Ax les Thermes bis Peramola, südlich von Andorra. 120 Kilometer
Jetzt wird’s eisig: Tagestourstart bei -2°, die Begleitautos sind mit einer dünnen Eisschicht überzogen, als es Richtung Andorra losging. Und  die Temperaturen fallen weiter. Bei -5° fragen sich die Begleiter: „Warum tut sich Michael Rosenberg DAS an?“Finger und Hintern sind fast eingefroren.  „Die einzige Motivation für so eine (Tor-)Tour ist das Projekt „Mein Körper gehört mir“, sagt Michael Rosenberg. Es soll so viel Geld wie möglich zusammenkommen, dass so vielen Kindern wie möglich Leid erspart bleibt.
Irgendwann ist der Aufstieg geschafft, im kleinen Pyrenäen-Staat Andorra wird Rast gemacht, bis es wieder talwärts Richtung Spanien geht.

Tag 14: Durch die spanische Einöde

Peramola bis Caspe. 170 Kilometer
Zwei Wochen auf dem Rad machen sich bemerkbar: Benefizradler Michael Rosenberg bekommt Probleme mit seinem linken  Oberschenkel, schmiert Voltaren und beißt sich durch.
Die Tour geht durch die karge spanische Einöde, „hier könnte man einen Western drehen“, sind die Begleiter Herbert Hawel und Paul Kronsteiner überzeugt. Zwischen einzelnen Orten liegen schon mal 40 Kilometer: „Jetzt wissen wir, was eine gottverlassene Gegend ist!“

Tag 15:

Caspe bis Teruel. 185 Kilometer und 2.500 Höhenmeter
Die Nachtruhe tat Benefizradler Michael Rosenberg gut, der angeschlagene  Oberschenkel konnte sich regenerieren. Allerdings ziehen sich die Muskelschmerzen mittlerweile den gesamten Rücken hinauf. Landschaftlich geht es weiter durch den einsamen spanischen Norden. Aber: Es sind nicht mal mehr 1.000 Kilometer bis zum Ziel nach Tarifa.

Kurz vor Ademz hätte Begleiter Herbert Hawel fast sein bisher teuerstes Fot o geschossen (oder eben nicht): „Ich bleibe stehen, lege hinter dem Auto die Kamera auf die Straße für ein dynamisches Foto, und warte auf Michael. Ein Polizeiauto hält an. Der Fahrer kommt auf mich zu und fordert in schroffem Ton driving-license und creditcard . – 300 € penalty ! (Keine Warnweste getragen: 200,--. Fotografieren gegen die Fahrtrichtung: 100,--. Halten an gefährlicher Stelle war kostenlos.) Meine Entschuldigungs- und Erklärungsversuche mit Händen und Füßen nützen NICHTS.

Da fällt mir unser Schreiben für die tägliche Quartiersuche ein. Dort ist auch die Aktion „Mein Körper gehört mir“ erklärt. Das Schreiben haben wir auch auf Spanisch. – DANKE für die Übersetzung. Der zweite Polizist liest und bewegt seinen Kollegen, Milde walten zu lassen. Für die Kinder der Polizisten gab‘s kleine Spielzeug-Autos und Luftballons von Renault (DANKE) und fürs Wachzimmer einen Wimpel. Ein Foto der beiden Herren gibt es nicht. Sie wollten, aber sie dürfen nicht. Dann wurde der Verkehr geregelt und ich durfte Michael fotografieren.“, erzählt Hawel.