Erstellt am 02. April 2016, 05:04

von Michael Pfabigan

Bewegung Mitmensch: Neuer Elan durch neue Aufgaben. Als Franz Schneider Obmann wurde, gab es zwei Flüchtlingsfamilien in der Stadt. Jetzt sind es über 200 Menschen.

Seit einem Jahr ist Franz Schneider Chef der Bewegung Mitmensch. Mit dem Flüchtlingsstrom haben sich auch die Aufgaben und die Anforderungen an den Verein gewandelt. Und: Als Drehscheibe in der Flüchtlingshilfe interessieren sich plötzlich wieder mehr Menschen für die Mitarbeit an Projekten.  |  NOEN, Michael Pfabigan

"Vor einem Jahr hatten wir in Mistelbach vielleicht zwei Flüchtlingsfamilien. Heute nähern wir uns einem Höchststand von über 200 Personen“, umreißt Franz Schneider, der seit einem Jahr Obmann der Bewegung Mitmensch ist, die geänderten Aufgabenstellungen für den Verein, der sich seit seiner Gründung hauptsächlich mit Menschen auf der Flucht befasst.

„Wir kommen zurecht. Wobei wir Unterstützung
brauchen, sind Menschen, die soziale Kontakte
mit Flüchtlingen haben wollen!“
Franz Schneider 

„Vor einem Jahr war die Herausforderung für den Verein nicht die Flüchtlingshilfe, sondern die Unterstützung von ganz allgemein notleidenden Mitmenschen“, erzählt Schneider. Die neuen Herausforderungen bedeuten einen immensen Koordinationsaufwand: Die Bewegung Mitmensch musste sich und ihre Leistungen neu aufstellen. Und mit den neuen Aufgaben kamen auch neue Helfer. Gemeinsam mit der Gemeinde und anderen Hilfsvereinen wurde man zur Drehscheibe rund um die Flüchtlingshilfe.

„Es ist aber nicht so, dass alle, die jetzt mitarbeiten, Mitglieder bei uns sind“, sagt Schneider: „Das sind Freiwillige, die beim jeweiligen Projekt mithelfen.“ Und je mehr Angebote geschaffen würden, desto mehr Freiwillige würden sich melden. „Wir kommen zurecht. Wobei wir Unterstützung brauchen, sind Menschen, die soziale Kontakte mit Flüchtlingen haben wollen!“ Das sei der Teufelskreis: Haben die Hilfesuchenden keinen sozialen Kontakt mit Österreichern, suchen sie den eben untereinander. Dann stehen sie in größeren Gruppen zusammen, die wieder abschreckend für Weinviertler wirken.

"Maximal drei Prozent Ausländer in der Stadt"

Ob man die 200 Flüchtlinge in der Stadt merkt? Schneider glaubt nicht: „Wir haben maximal drei Prozent mehr Ausländer in der Stadt. Mit den Weinviertlern, die untertags in der Stadt einkaufen, wird der Anteil auf ein bis zwei Prozent sinken. Das sind gar nicht so viele, wie man subjektiv vielleicht glauben möchte!“

Die große Herausforderung für die Flüchtlingsplattform Mistelbach und die Bewegung Mitmensch sieht Schneider dann, wenn die ersten Hilfesuchenden aus der Grundversorgung fallen und eine eigene Wohnung suchen. Denn nicht alle werden nach Wien zurückgehen: „Da müssen wir verhindern, dass sie ins Leere fallen und dafür sorgen, dass sie weiter mit uns in Kontakt bleiben!“

Nächste Veranstaltung der Bewegung Mitmensch wird das Pfingstsymposium am 24. Mai mit Erhard Busek und Susanne Scholl sein.


Infos & Kontakt

Geschichte: Die „Bewegung Mitmensch - Flüchtlingshilfe Poysdorf“ wurde 1996, nach dem Briefbombenattentat durch Franz Fuchs auf Maria Loley ( 2016) gegründet. Damit wurden ihre Initiativen, die sie seit Beginn des Balkankrieges gesetzt hatte, auf institutionelle Beine gestellt, der Zugang zu öffentlichen Förderungen war frei.

Seither widmet sich der Verein den Schwachen in der Gesellschaft mit starkem Fokus auf Integrationsprojekte im Weinviertel.

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