Mistelbach

Erstellt am 18. August 2016, 02:25

von Sandra Frank

Ernte 2016: Die Menge ist gut, Preise sind im Keller. Die Getreideernte im Bezirk ist abgeschlossen. Die Erträge sind heuer gebietsweise sehr unterschiedlich ausgefallen.

Der Anblick von Traktoren und Mähdreschern ist auch in Niederleis weniger geworden. Die Ernte hat heuer regenbedingt zwar länger gedauert, ist im Bezirk aber abgeschlossen.  |  NOEN, Christelli, Archiv

„Du hast dir die Frucht vom Acker stehlen müssen“, erzählt Bauernkammerobmann Hermann Stich über die Wetterbedingungen während der Erntezeit. Denn die Niederschläge waren in diesem Jahr weit mehr als in den vergangenen Jahren.

„Man hat immer wieder warten müssen, bis man dreschen kann“, weiß der Landwirt. Manchmal habe Stich selbst nur vier bis fünf Hektar pro Tag ernten können. „Der Durchschnitt liegt sonst bei 15 bis 20 Hektar pro Tag“, weiß der Wolkersdorfer. Doch durch den Regen wurde die Ernte ständig unterbrochen. Dadurch hat sie auch länger gedauert als etwa im Vorjahr.

Trotz regnerischer Unterbrechungen ist die Ernte im Bezirk zum Großteil abgeschlossen, nur noch vereinzelt steht das Getreide auf den Feldern. Der Ertrag sei ein sehr guter, wie Stich berichtet. „Ausreißer nach oben und nach unten gibt es natürlich. Aber von der Menge her sind wir relativ gut aufgestellt.“

Der Durchschnitt beim Weizen liege bei viereinhalb bis sechseinhalb Tonnen pro Hektar. Vier bis sechs Tonnen sind es bei der Sommerbraugerste. Den Ertrag bei der Wintergerste beschreibt der Kammerobmann als „sehr gut“, guter Durchschnitt sei bei den geernteten Raps-Mengen zu verzeichnen.

Ertragsunterschiede sind heuer gravierend

Was bei der heurigen Ernte auffallend ist, sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Orten. „Das ist heuer wirklich gravierend“, weiß auch Stich. Das sei ebenfalls den Niederschlägen geschuldet. In den Regionen rund um Laa, Stronsdorf oder auch Wulzeshofen regne es weniger als im restlichen Bezirk. Deswegen komme es zu unterschiedlichen Ertragsmengen.

Die geerntete Menge sei guter Durchschnitt und Regen könne man eigentlich nie genug haben, sagt Stich. Was dem Kammerobmann nicht gefällt, das ist die aktuelle Preissituation. Denn diese sei nicht berauschend: „Das ist eine Tatsache und kein Raunzen.“

Pro Tonne Weizen werden in dieser Saison etwa 150 Euro bezahlt. „Das ist so niedrig wie selten“, weiß Stich, dass in den vergangenen Jahren die Preise deutlich besser waren. Doch diese werden leider nicht regional bestimmt, der Weltmarktpreis lege eben auch den Preis für die Bezirke fest.

Regionale Vermarktung funktioniert

Worauf sich Stich verlassen kann, ist eine funktionierende regionale Vermarktung. „Da muss man sich auch einmal bedanken, dass das bei uns wirklich so gelebt wird“, lobt er die Betriebe, die sich bewusst für das Weinviertler Qualitätsgetreide entscheiden.

Um Bewusstsein für regionale Produkte zu schaffen, sind die Funktionäre der Bauernkammer das ganze Jahr unterwegs und machen durch verschiedenste Aktionen auf die Regionalität aufmerksam. Wie etwa „Mit dem Rad zum Bauernhof“ im Mai diesen Jahres. Dabei ging‘s mit dem Fahrrad zu verschiedenen Höfen.

„Ganz wichtig sind dabei Direktvermarkter und Heurige“, weiß Stich, dass der persönliche Kontakt zwischen Produzent und Konsument eine große Rolle spielt.

Ein Produkt, auf das der Kammerobmann stolz ist, ist die Marille. „Sehr gut“ fällt hier sein Urteil über die Qualität aus. „Im ehemaligen Poysdorfer Kammerbezirk haben wir mehr Marillen als in der ganzen Wachau“, ist nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität beeindruckend.

„Die Poysdorfer Marillen sind wahnsinnig gut. Als Frucht, Marmelade oder auch in flüssiger Form“, kennt Stich das Marillen-Sortiment.

Weinreben müssen aufgepäppelt werden

Wie steht es eigentlich um den Wein im Bezirk? „Dem geht‘s auch sehr gut.“ Zumindest dort, wo der Frost den Traubenbestand nicht reduziert hat. Von 20 bis 90 Prozent reichen hier die Schäden.

„Man darf aber nicht glauben, dass sich die Winzer deswegen zurücklehnen können.“ Denn auch wenn ein Großteil der Trauben abgefroren ist, müssen sich die Weinbauern um den Rebstock kümmern. Mehr sogar als wären Trauben vorhanden. „Die ganze Kraft vom Stock geht dann in die Blätter.“ Darum sei viel Laubarbeit zu erledigen. Und obwohl viel Niederschlag in der Landwirtschaft oft als Pluspunkt zu verzeichnen ist, ist der Rebstock durch die viele Feuchtigkeit anfälliger für Krankheiten.

Wie geht‘s nun nach der eingebrachten Ernte in der Bauernkammer weiter? „In Mistelbach haben wir am 28. August den Hauerumzug. Der Wolkersdorfer Weinherbst steht ebenfalls auf dem Programm.“ Außerdem ist die Mistelbacher Bauernkammer eine der wenigen in Niederösterreich, die jährlich zu einer Exkursion einlädt.

Heuer geht die Reise für die Landwirte nach Ungarn. Dort werden verschiedene Betriebe besucht. „Solche Ausflüge sind sehr wichtig, da kann man sich einiges abschauen und über den Tellerrand hinausblicken.“