Poysdorf , Mistelbach

Erstellt am 27. Juli 2016, 05:00

von Benjamin Schlöglhofer

Flüchtlinge als Helfer im Freibad und beim Badeteich. Die Verantwortlichen halten viel vom „Beobachtermodell“. Für Lukas Umschaiden ist es fahrlässig.

Lutfullah ist mit seinen drei Freunden im Bad unterwegs und kann sich schon gut auf Deutsch verständigen. Die Helfer Hammoud Amer und Milad Delkhoosh (2. und 3.v.r.) achten darauf, dass die Baderegeln im Mistelbacher Bad eingehalten werden.  |  Benjamin Schlöglhofer

Flüchtlinge unterstützen das Badepersonal in Poysdorf und Mistelbach bei seinen Tätigkeiten. Laut Polizeichef und Mistelbachs Sicherheitsstadtrat Florian Ladengruber werden Flüchtlinge so durch Verantwortung integriert und beschäftigt. Außerdem entstehe dadurch ein Bindeglied zwischen Personal und den Flüchtlingen. Korrektes Verhalten und Baderegeln sollen ebenfalls vermittelt werden.

„Wenn etwas passiert, müssen der Bürgermeister und der Sicherheitsstadtrat der Stadt Mistelbach zurücktreten.“

Lukas Umschaiden, Bezirksobmann der FPÖ-Jugend Mistelbach

Die Freiheitlichen halten von dieser Idee wenig. „Ich stehe dieser Maßnahme sehr kritisch gegenüber und bin traurig darüber, wie fahrlässig die Stadtgemeinde mit der Sicherheit der Badegäste umgeht“, sagt Lukas Umschaiden, Bezirksobmann des Rings Freiheitlicher Jugend Mistelbach. Falls etwas in den Bädern passiere, „müssen Bürgermeister und der Sicherheitsstadtrat der Stadt Mistelbach umgehend zurücktreten“, fordert Umschaiden.

Pohl: "Eine menschenverbindende Maßnahme"

ÖVP-Bürgermeister Alfred Pohl verteidigt das neue Modell: „Das ist eine menschenverbindende Maßnahme.“ Die Wortwahl Umschaidens, der von „Asylwerbern als Sicherheitskräfte“ spricht, gefällt dem Bürgermeister nicht. Diese hätten die abgezogenen Securitys ersetzt, behauptet der Freiheitliche weiter.

Nach dem vermeintlichen Vorfall mit einer 13-Jährigen im Freibad Mistelbach Ende Juni (die NÖN berichtete) wurden eine Zeit lang Securitys für das Gelände engagiert. Die Aufgaben der Flüchtlinge hätten, so Pohl, nichts mit den Aufgaben des Sicherheitspersonals zu tun. Es sei ein riesiger Unterschied zwischen Bademeistergehilfen und Securitys. Die Lehre für den Bürgermeister aus den Ereignissen im Juni ist: „Nicht gleich draufhauen!“

"Modell hat sich in Mödling bewährt"

Sicherheitsstadtrat Ladengruber ist von den Flüchtlingen als zusätzliche Beobachter im Freibad überzeugt: „Das Modell gibt es auch in Mödling. Dort hat es sich bewährt.“ Auf die Rücktrittsaufforderung erwidert Ladengruber, er sei kein Sesselkleber. Bürgermeister Pohl dazu: „Es steht ihm zu, jeden um einen Rücktritt zu bitten.“

Beim Eingang des Freibads Mistelbach sind die Baderegeln auf Arabisch, Farsi und Deutsch ausgehängt. Bademeister Bernard Weiß hat nur lobende Worte für seine Unterstützer: „Alle kennen die Verhaltensregeln.“

Integration durch Modell funktioniert

Es gebe zwar manchmal noch Kommunikationsprobleme, aber mit Händen und Füßen könne man sich schon irgendwie verständigen. Jedes Problem sei noch gelöst worden, nachdem es angesprochen wurde. Alles in allem funktioniere die Integration der Asylwerber durch das „Bademeistergehilfenmodell“ im Weinlandbad Mistelbach sehr gut.

Einer von Weiß’ Helfern ist Hammoud Amer. Dem Syrier gefällt die Arbeit. Wenn er seine Runden drehe, achte er immer darauf, dass sich jeder richtig verhalte. Hammoud ist gemeinsam mit Milad Delkhoosh im Einsatz. Sie freuen sich über ihre neue Arbeit und erzählen, wie oft sie Dienst haben und, dass die Einsätze als Helfer unter den Flüchtlingen aufgeteilt sind.

Bademeister Weiß ist auch begeistert darüber, wie schnell sich manche der Asylwerber die deutsche Sprache aneignen: „Vor allem unter den Jüngeren sind viele, die schon gut Deutsch können. Das ist beeindruckend!“ Für Ladengruber steht eines fest: „Wir müssen diese Menschen inte grieren. Da ist jeder gefordert. Auch der Herr Umschaiden!“