Erstellt am 13. Dezember 2015, 04:03

von Michael Pfabigan und Bernadette Laister

Botschafterin des Weines. Der Beruf der Weinkennerin hat eine lange Tradition bis heute. Nicht zuletzt half er, das Image zu verbessern und den Verkauf nachhaltig anzukurbeln.

 |  NOEN, LK NOE/Eva Posch
Im Jahr 1955 nahm die erste Weinkönigin in Niederösterreich ihr Zepter in die Hand. Seitdem sind die Weinköniginnen wichtige Botschafterinnen des heimischen Weines und kurbeln mit ihrem Wissen und ihrem Engagement das positive Image des Traditionsgetränks immer wieder von Neuem an. Insgesamt 33 Hoheiten, sieben davon aus dem Bezirk, traten bis heute für den Wein ein. Alle zwei Jahre werden die Hoheiten neu gewählt. In ihrer Amtszeit übernehmen sie auch für ein Jahr die Funktion der österreichischen Weinkönigin.

Es war nicht die Zeit von Wickie, Slime und Paiper. Auch die legendäre Hippie-Bewegung sollte erst über ein Jahrzehnt später ins Leben gerufen werden. Und trotzdem brachten die 50er Jahre einen Kult hervor, der sich bis heute erhalten hat. Denn im Jahr 1955 wurde die erste Weinkönigin gekrönt. Es war Eleonore Selitsch aus Königsbrunn, die sich die Krone sicherte.

Damit nahm die erste Hoheit ihr Zepter in die Hand und vertrat ganz offiziell den Wein in all seinen Facetten. Damals wie heute keine leichte Aufgabe, wie die amtierende Weinkönigin Christina Hugl aus Stützenhofen zu berichten weiß: „Es reicht nicht, einfach nett zu lächeln und hübsch auszuschauen. Man muss auch viel Fachwissen mitbringen, um das Amt der Weinkönigin erfüllen zu können.“ Eine Tatsache, der sich auch Eleonore Selitsch vor 60 Jahren gestellt hat.

Konkurrenz für heimische Weine größer als früher

Heute ist die 79-jährige Eleonore Mutter von zwei Töchtern, war verheiratet und heißt mittlerweile im Familiennamen Fruhstuck. „Ich war zu einer Zeit Königin, in der der Wein noch lange nicht das Image von heute hatte“, erinnert sich Eleonore Fruhstuck und lässt ihre Amtsperiode nochmals Revue passieren. Drei Schilling kostete damals ein Liter Wein und die Landwirtschaftskammer begann, Reklame zu machen, um die Wertschätzung der Bevölkerung dem Wein gegenüber anzukurbeln.

Jung und naiv? Mit diesen Vorurteilen räumen Eleonore Fruhstuck und Christina Hugl ganz klar auf: „Es sind immer kompetente Frauen an vorderster Front gestanden. Sie waren es, die den Wein und seine Produktion erst so richtig populär gemacht haben und sie waren es auch, die Weingenuss tatsächlich salonfähig gemacht haben.“ Trotzdem orten die beiden Weinköniginnen einen gravierenden Unterschied zwischen heute und damals: „Die Ausgangslage ist schwieriger geworden. Früher wurde Wein noch direkt beim Winzer gekauft.

Heute findet man ihn in jedem Supermarkt und kann zwischen internationalen und heimischen Weinen wählen.“ Zwar hat ein gesteigertes Qualitätsbewusstsein bei Konsumenten und Produzenten Einzug gehalten, doch die Konkurrenz zu heimischem Wein ist so groß wie nie zuvor. „Es wurde damals insgesamt mehr Wein getrunken. Als Weinkönigin hatte ich das Gefühl, man kann tatsächlich Wunder wirken“, so Eleonore, I.

Und dennoch liegt Wein derzeit voll im Trend und vor allem junge Leute wissen die Qualität der heimischen Winzer zu schätzen. „Das Publikum ist jünger und fachlich sehr kompetent“, meint Christina, die es liebt, Fachgespräche zu führen.


Weinköniginnen aus dem Bezirk

1983/85: Eva Spatt (Eibesbrunn)

1995/97: Romana Haindl (Wolkersdorf)

1997/99: Waltraud Tögl (Poysdorf)

1999/2001: Anita Krammer (Stützenhofen)

2001/03: Margit Kalser (Poysdorf)

2011/13: Elisabeth Hirschbüchler (Obersdorf)

2015/17: Christine M.B. Hugl (Stützenhofen)