Erstellt am 18. Juni 2016, 05:00

von Michael Pfabigan

Chemiker destilliert Weingarten-Gin. Andreas Liebminger rekonstruiert alte Brennerei-Rezepte für heutige Gaumen.

Der promovierte Chemiker und passionierte Schnapsbrenner Andreas Liebminger aus Paasdorf hat nach einem alten Rezept und zeitgemäßer Adaption einen bekömmlichen Weingarten-Gin kreiert.  |  NOEN, zVg

Gin ist derzeit ein absolutes Modegetränke. Ein ausgezeichneter Gin kommt aus Paasdorf: Denn der promovierte Chemiker und Schnapsbrenner Andreas Liebminger, bereits mehrmals für seine Produkte bei der Ab-Hof-Messe ausgezeichnet, brennt einen „Wineyard Gin“, den Paasdorfer Weingarten-Gin.

Andreas Liebminger hat versucht alte Rezepte für Gebranntes zu rekonstruieren und an den heutigen Geschmack anzupassen: „Eigentlich wollte ich alte, in Vergessenheit geratene preußische Gewürz-Aquavite aus dem 18. Jahrhundert rekonstruieren“, erzählt Liebminger. Warum Preußische?

„2016 ist ein vergessenes Gedenkjahr: Nach der verlorenen Schlacht von Königgrätz marschierten die Preußen durch das Weinviertel und errichteten ihr Lager in Paasdorf. Wahrscheinlich wurde damals preußischer Aquavit getrunken!“ Er versuchte sich an fünf Rezepten. Eines davon, bestehend aus 36 Botanicals (natürlichen Zutaten), fiel ihm schon beim Brennen auf: Das entwickelte er mit typischen Weinviertler Fruchtbränden zum Weingarten-Gin weiter. Das Ergebnis? „Es erinnert stark an den London Dry Gin!“


Andreas Liebminger  im Interview

Der promovierte Chemiker und passionierte Edelbrenner Andreas Liebminger aus Paasdorf kreierte einen Weinviertler Weingarten-Gin.

NÖN: Warum haben Sie Weinviertler Gin destilliert?
Andreas Liebminger: Eigentlich wollte ich alte, in Vergessenheit geratene preußische Gewürz-Aquavite aus dem 18. Jahrhundert rekonstruieren. Einer fiel mir beim Destillieren wegen seines besonders runden und angenehmen ginartigen Aromas auf. Das habe ich dann weiterentwickelt.

Wie kamen Sie zur Leidenschaft Gebranntes herzustellen?
Die Herstellung von Obstdestillaten war in der Familie Liebminger seit Anbeginn eine relevante Nebentätigkeit zur bestehenden Landwirtschaft. Ich übernahm dieses Interesse und konnte es im Zuge meines Studiums der technischen Chemie weiter vertiefen.

Warum liegt Gin im Trend?
Barkeeper graben immer mehr alte Rezepte aus, und Barbesucher ordern Retro-Drinks. Da passt Gin dazu, weil über den kann man als Hipster viel erzählen.