Erstellt am 28. Januar 2016, 05:03

von Ingrid Fröschl-Wendt

Chloride im Wasser: Salz-Thaya unbedenklich?. Biobauer Harmer will nicht, dass Winterwässer in die Thaya geleitet werden. Umweltexperte Lutz entwarnt: Besagte 240 Tonnen würden gar nicht auffallen ...

In der Thaya bei Wildendürnbach fließen pro Sekunde 12.000 Liter. Diese Menge Wasser würde das Winterwasser so stark verdünnen, dass es für den Fluss verträglich ist, sagt Ludwig Lutz vom Amt der NÖ Landesregierung.  |  NOEN, Fröschl

Auf dem Grund von Biobauer Robert Harmer will die Asfinag nach dem Endausbau der Nordautobahn die Winterwässer in die Thaya einleiten. Das könnte in rund 14 Jahren der Fall sein. Dazu braucht sie jetzt seine Zustimmung. Doch die verweigert Harmer, weil er um die Wasserqualität der Thaya fürchtet ( die NÖN berichtete ).

"Keine Gefährdung für Tier- und Pflanzenwelt"

240 Tonnen Chloride sind es, die so jährlich über die Thaya entsorgt werden. Die Menge klingt hoch. Doch Ludwig Lutz, Leiter der Gruppe Wasser des Amtes der NÖ Landesregierung, rechnet vor, dass diese Menge bei den Wassermengen der Thaya kaum auffalle. Die neue Trinkwasserverordnung sehe vor, dass der Grenzwert von Chloriden 200 Milligramm pro Liter ist. „Aktuell sind in der Thaya im Jahresmittel 52 Milligramm vorhanden“, sagt Lutz.

Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung sei errechnet worden, dass in Spitzenzeiten dieser Wert um drei Milligramm erhöht wird, im Jahresmittel beträgt die Erhöhung 0,5 Milligramm. „Das heißt, beide Werte liegen weit unter der Trinkwasserverordnung, somit besteht auch keine Gefährdung für die Tier- und Pflanzenwelt rund um den Fluss“, gibt Lutz Entwarnung.

Harmers Ersuchen, die Genehmigung zur Druckleitung erst einzureichen, wenn diese wirklich gebraucht wird, widerspricht Lutz. Um ein Projekt genehmigen zu können, müsse man den gesamten Umfang einbeziehen. In der ersten Ausbauphase genügen die örtlichen Gerinne, nach dem Endausbau entstünden aber so viele Chloride, dass sie für die umliegende Region nicht mehr vertretbar wären.

Umplanen wegen eines kategorischen „Neins“

Darum müsse man für diese Endphase bereits jetzt eine Lösung genehmigen lassen. Würden allerdings in der Zwischenzeit die Umweltauflagen strenger werden, müsste auch die genehmigte Lösung nachverhandelt werden, beruhigt Lutz.

Der Umkehrosmose, welche Harmer als Alternative zur Entsorgung über die Thaya fordert, spricht er die Wirtschaftlichkeit ab: „Die Umkehrosmose funktioniert mithilfe eines engmaschigen Filternetzes. Dabei würde ein chloridhaltiges Konzentrat zurückbleiben“, sagt der Experte. Das wären rund zehn Prozent der ursprünglichen Menge.

Dieses müsste man dann eindampfen, um die Chloride zu gewinnen und sie schließlich entsorgen zu können. „Diese Kosten sind extrem hoch.“ Denn hier müsse die Errichtung der Anlage finanziert werden. Um 160 Liter in der Sekunde filtern zu können, lägen die Baukosten bei rund vier Millionen Euro, schätzt Lutz. Dazu kämen die hohen Betriebskosten: 30 Cent pro drei Kubikmeter. Und dann müsste man noch das Verdampfen des Konzentrats und die Entsorgung des Endproduktes dazurechnen.

Asfinag-Projektleiter Christian Musil schließt sich den Argumenten des Umweltbüros an und erklärt die schwierigen Verhandlungen rund um die Streckenführung über den Hof des Biolandwirts:

„Im Zuge der UVP wurden Gespräche mit Herrn Harmer betreffend der genauen Leitungsführung durchgeführt.“ Dabei seien auch Varianten rund um den Hof ausgearbeitet und diskutiert worden. „Aufgrund des kategorischen Neins des Anrainers wurde unter Abwägung technischer, wirtschaftlicher und umweltfachlicher Aspekte die nun genehmigte Variante gewählt.“