Erstellt am 21. Januar 2016, 04:53

von Ingrid Fröschl-Wendt

„Das ganze Projekt ist unausgegoren“. Salzwasser soll in Thaya geleitet werden. Nur ein Anrainer kämpft für die Landschaft.

Biobauer Robert Harmer an der Stelle, an der die Druckleitung das Autobahn-Winterwasser in die Thaya einleiten soll.  |  NOEN, Fröschl
Dort, wo die Thaya durch das Gebiet von Biobauer Robert Harmer fließt, gleicht die Landschaft einem kleinen Paradies: Hunderte Jahre alte Kopfweiden säumen das Ufer, auf der Thaya selbst rasten Kormorane, über den alten Bäumen kreist ein Kaiseradler-Pärchen. Die beiden sind gerade am Nestbau, erzählt Harmer.

240 Tonnen Chloride pro Jahr

Und gerade hier soll das Winterstraßenwasser vom Nordabschnitt der Nordautobahn in die Thaya eingeleitet werden. Das sind pro Jahr rund 240 Tonnen Chloride, also Industriesalze. Damit hätte die Thaya einen Salzgehalt wie die Ostsee, zitiert Harmer den Präsidenten des Kuratoriums für Fisch- und Gewässerschutz.

Über eine 19 Kilometer lange Druck-Leitung wird das Winterwasser an die Grenze verfrachtet. Dazu geht die Leitung durch die Gemeindegebiete von Drasenhofen, Ottenthal, Wildendürnbach und das Privatgebiet von Gutsbesitzer Harmer. Denn hier ist weit und bereit die einzige Stelle, an der auch das jenseitige Ufer österreichisches Staatsgebiet ist, allerdings nur 500 Meter lang.

Harrach: "Wurden überhaupt nicht gefragt"

Die Bürgermeister, die nicht sehr erfreut über die Leitung durch ihr Gemeindegebiet sind, fühlen sich hilflos. „Wir wurden überhaupt nicht gefragt, das Ganze wurde uns einfach vorgesetzt. Aber leider haben wir keine Parteienstellung, da alles über öffentliches Gut geht“, sagt Wildendürnbachs Bürgermeister Herbert Harrach.
Harmer lässt sich nicht so leicht abwimmeln, er will kämpfen. Er empfindet die Entsorgung als Störung des Umweltparadieses:

„Hier zerstört man einen lebendigen Fluss.“ Er sei kein Gegner der Autobahn. Er wisse, wie wichtig sie ist. Aber: „Ich bin überzeugt, es gibt eine Alternative dazu, diese Abwässer so zu entsorgen. Das ganze Projekt ist unausgegoren. Das einzige Argument ist, dass es bisher immer so gehandhabt wurde!“
Harmer sucht nach einer alternativen Idee. Die Umkehr-Osmose ist ein Verfahren, Wasser zu entsalzen. In Israel wird es angewendet, um Trinkwasser aus dem Meer zu gewinnen.

„Ich bin überzeugt, es gibt eine Alternative
dazu, diese Abwässer so zu entsorgen.“
Biobauer Robert Harmer

Bei einem durch das Büro des Verkehrslandesrates Karl Wilfing moderierten Gespräch mit der bauausführenden Asfinag wurde Harmer erklärt, dass dieses Verfahren zu teuer sei. Allerdings gaben die Beteiligten zu, das Verfahren nicht ernsthaft durchgerechnet zu haben. Sein Ersuchen an den Umweltlandesrat, sich einzuschalten, wurde bisher ignoriert.

Das allein bringt Robert Harmer schon auf die Palme. Der zweite Grund für seinen Ärger ist die Eile, mit der diese Druckleitung durchgepeitscht werden soll. „Die Leitung wird erst bei der Fertigstellung des letzten Bauabschnittes gebraucht. Das ist in 14 Jahren. Bis dorthin gibt es sicher bessere Verfahren, das Wasser zu reinigen, die man heute noch nicht einmal kennt. Aber jetzt muss das ganz schnell erledigt werden, weil man das in 14 Jahren aufgrund bestimmt verschärfter Umweltauflagen gar nicht mehr durchbringen würde“, ist er überzeugt.

Harmer: "Planer sind unwillig zu verhandeln"

Wenn es in 14 Jahren noch immer keine Alternative zur Ableitung in die Thaya gibt, dann würde er sich nicht dagegen wehren, beteuert der Wildendürnbacher. „Mich stört nur, dass man das jetzt schnell durchbringen will und gar nichts anderes versucht.“

Dass die Planer unwillig sind, zu verhandeln, ärgert Harmer ebenfalls. Immerhin geht die Leitung mitten durch seinen Hof. Hier verlaufen unter der Erde allerhand Wasser- und Stromleitungen und quer durch soll die Druckleitung gebaggert werden. „Meine Bitte, den Hof zu umgehen, hat sie überhaupt nicht interessiert. Dabei könnten sie hier viele meiner Versorgungsleitungen ruinieren.“

Seit der Veröffentlichung des Edikts im Mai 2015 beschäftigt sich Robert Harmer mit der Problematik. Sein Akt mit allen Unterlagen ist rund zehn Zentimeter dick. Vor Kurzem hat er eine Beschwerde an das Bundesministerium für Verkehr eingegeben. „Nun heißt es abwarten“, schnauft der Landwirt.