Erstellt am 22. September 2015, 08:56

von Sandra Frank

„Das ist schon historisch“. Mit der Rabensburgerin Melanie Erasim steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Sozialdemokraten im Bezirk. „Es ist für mich heute ein bewegender Tag.“

Melanie Erasim (Mitte) ist die erste Frau an der Spitze der Bezirks-SPÖ und wurde mit 84,68 Prozent bestätigt. Stadträtin Renate Knott, Landesparteivorsitzender Matthias Stadler, ehemaliger Bezirksvorsitzender Hubert Kuzdas und Bezirksgeschäftsführer Hans Keminger (v.l.) gratulierten zur erfolgreichen Wahl.  |  NOEN, Foto: Sandra Frank

Dass die „heiligen Hallen der Sozialdemokratie“, wie Christian Nikodym das Volksheim bezeichnete, so voll waren, stimmte den Laaer Stadtrat positiv, was den Generationswechsel, der am vergangenen Samstagabend vollzogen werden sollte, anging.

Hubert Kuzdas legte im Sommer sein Mandat im Nationalrat zurück (die NÖN berichtete), zugleich stellte er auch seine Funktion als Bezirksvorsitzender der SPÖ zur Verfügung. Melanie Erasim, 32, ist jene Frau, die sich für dieses Amt zur Wahl stellte. Gegenkandidaten sollte sie keinen bekommen. Am Ende des Abends stimmten genau 84,7 Prozent, das sind 105 von 124 Delegierten, für die zweifache Mutter.

„Es ist für mich heute ein bewegender Tag“, sagte Erasim zu Beginn des Abends. Nicht nur, weil sie sich einer neuen Herausforderung stellte, sondern auch, weil sie ihre Tätigkeit als Bezirksfrauenvorsitzende nach zehn Jahren zurücklegte. „Die einzelnen Organisation der SPÖ sollen sich ergänzen, es soll keine One-Woman-Show im Bezirk werden. Darum habe ich das Amt schweren Herzens zurückgelegt“, ist die Rabensburgerin wehmütig. Weiß aber mit Claudia Musil um eine würdige Nachfolgerin.

„Es soll keine One-Woman-Show im Bezirk werden.
Die Organisationen sollen sich ergänzen.“ 
Melanie Erasim erklärt, weshalb sie den Vorsitz
der Bezirksfrauen zurücklegte.


Viele hätten verstanden, weshalb Kuzdas die Chance nutzte, in die Wirtschaft zu wechseln und sein Mandat im Nationalrat aufgab. „Ich versteh‘ aber auch die, die angf‘ressen sind, weil sie für mich gelaufen sind“, erhielt der Gaweinstaler nicht nur positive Rückmeldungen. „Aber ich musste handeln, solange ich noch die Chance dazu hatte“, weiß Kuzdas, dass ihm nur als Mandatar die nötigen Kontakte zur Verfügung standen. Jetzt, am 19. September, werden die Weichen für die Zukunft des Bezirks gestellt, meint Kuzdas, der während seiner politischen Laufbahn bei zwölf Wahlen als Spitzenkandidat antrat.

„Danke, dass ihr euch im Bezirk so gut aufstellt‘s“, sieht Landesgeschäftsführer Matthias Stadler ebenfalls, dass bei den Mistelbacher Sozialdemokraten die Zeichen auf Zukunft stehen. Kuzdas’ Rücktritt sei dem St. Pöltner Bürgermeister aber auch eine Lehre gewesen, was das Erstellen der Listen betrifft. Denn obwohl der Wahlkreis Weinviertel die meisten Stimmen für die SPÖ aufwies – und Kuzdas landesweit die meisten persönlichen Vorzugsstimmen einfuhr – hat der Bezirk das Direktmandat verloren. Das Weinviertel hat nur noch zwei SPÖ-Mandatare: Nationalrat Rudi Plessl und Landeshauptmann-Stellvertreterin Karin Renner. Er werde sich für bessere und gerechtere Strukturen einsetzen. Denn die betroffenen Bezirke fordern zurecht, bei der Listenerstellung vorne mit dabei zu sein. „Ich geb‘ mich keiner Illusion hin. Ich kann daran scheitern, genauso wie meine Vorgänger.“

Dass es keine einfache Herausforderung ist, der sich Erasim mit ihrer Wahl zur Bezirksvorsitzenden stellt, ist der 32-Jährigen bewusst. „Die Kriegskasse ist fast leer, die letzte gewonnene Wahl ist einige Zeit her und Mandat ist auch keines mehr da“, fasst sie ihre Ausgangslage zusammen. Aber: „In turbulenten Zeiten nur zu fordern und zu nörgeln“, sei nicht ihre Art, sie übernimmt lieber Verantwortung.
Wie Hans Keminger, Bezirksgeschäftsführer der SPÖ, zu seiner neuen Chefin steht? „Es ist schon ein historisches Ereignis“, sagt er mit Stolz. Denn Erasim ist die erste Frau, die an der SPÖ-Spitze im Bezirk steht.
Kuzdas‘ Mandat wandert übrigens nach Schwechat zu Hannes Fazekas.
 

Kommentare

„Es ist mir nicht leicht gefallen, den Vorsitz bei den Frauen aufzugeben. Die Frauenpolitik war und ist meine politische Heimat.“
Melanie Erasim, die mit erst 22 Jahren Frauenvorsitzende wurde.

„Das Allerwichtigste war mir die Anerkennung bei den Menschen im Bezirk – und darüber hinaus. Das hat mich für viele Anfeindungen, auch innerhalb der Partei, entschädigt.“
Ex-Nationalrat Hubert Kuzdas

„Glaubts ihr wirklich, dass die Angie, die Harte, wirklich so ein großes Herz hat?“
SPÖ-Landeschef Stadler ist überzeugt, dass sich Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel die gut ausgebildeten Flüchtlinge „sichern“ will.