Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Erster SPÖ-Bürgermeister in Kreuzstetten, Rücktritt von SPÖ-Nationalrat Hubert Kuzdas, Eröffnung des „Outback“ in Wolkersdorf und ein Mord in Neudorf.

Foto des Jahres: 51 Neudorfer Volksschüler sind am 26. Februar am Weg zum Eislaufen nach Wolkersdorf, als der Motor ihres Busses kurz vor der A5-Auffahrt Gaweinstal Mitte plötzlich Feuer fängt. Der Busfahrer lenkt rasch auf den Pannenstreifen, öffnet die Vordertür via Nothebel, wodurch alle Kinder unverletzt ins Freie gelangen. Während der Löscharbeiten zieht sich ein FF-Mann eine leichte Brandverletzung zu, ein Zweiter bricht sich das Schienbein und lädiert sich das Wadenbein.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Kuzdas geht

Es ist der Knalleffekt nach der Gemeinderatswahl: Zuerst zieht sich Nationalrat Hubert Kuzdas (SPÖ) aus dem Gaweinstaler Gemeinderat zurück („Man muss die Zeichen der Zeit erkennen und die Konsequenzen ziehen!“): Das erklärte Ziel stärker zu werden, hatte er beim Urnengang nicht erreicht. Dazu kommen anhaltende Gerüchte um Regierungsumbildungen in der roten Ministerriege - bei einem Ausscheiden von Gabriele Heinisch-Hosek würde Kuzdas aus dem Nationalrat kippen.

Ergo: Kuzdas nutzt seine Kontakte zur Wirtschaft und lässt seine Parteifreunde im Juli aus dem Urlaub wissen, dass er mit 31. August sein Nationalratsmandat zurücklegen und in die Privatwirtschaft wechseln wird. Wohin? Das will Kuzdas erst bei einer Pressekonferenz nach seinem Urlaub verraten. Die NÖN erfuhr’s trotzdem und berichtete: Kuzdas geht zur ÖBB.

Politisch hinterließ er im Weinviertel ein Loch: Da sein Mandat nicht lokal nachzubesetzen ist, haben die Sozialdemokraten jetzt nur noch einen Nationalrat nördlich der Donau. Insgesamt gibt es mit LH-Stellvertreterin Karin Renner nur mehr zwei Mandatare im Weinviertel. Als neue SPÖ-Bezirksvorsitzende folgt ihm Melanie Erasim nach.
 

Kreuzstetten wird rot

Schwarze Wahlschlappe bei der Gemeinderatswahl: Da sich die ÖVP in der Wahlvorbereitung intern nicht einig ist, ein Mandatar sogar auf der Liste der SPÖ kandidiert, setzt es herbe Verluste für die Schwarzen. Dass auch die Grünen nach Jahren der Pause wieder antreten und drei Mandate holen, kostet der ÖVP und Bürgermeister Franz Strobl den Chefsessel im Amtshaus.

Bei den Parteienverhandlungen kann ÖVP-Neo-Frontmann Johannes Freudhofmaier Grüne und FPÖ nicht davon überzeugen, einen schwarzen Bürgermeister zu wählen, die Mehrheit bekommt Adolf Viktorik (SPÖ): „Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet. Es ist passiert, es war Wählerwille. Eine Überraschung!“, kommentierte dieser seine Wahl. Das Klima in der Gemeinde ist seither geprägt von Zusammenarbeit.
 

Frau mit Maurerfäustl erschlagen

Wegen Geldsorgen erschlägt im März ein Neudorfer seine Frau im Schlaf mit einem Maurerfäustl. Am Tag darauf hatte sich einmal mehr der Exekutor angesagt: Die 59-Jährige hatte wieder einmal im Internet bestellt: Schuhe, obwohl das Paar ohnehin schon in finanziellen Problemen steckte.

Er habe die Nacht über geraucht und nachgedacht, sagt er dann im Juni vor Gericht aus: Dann habe er sich den Schnitzelklopfer geholt, sei zur Frau ins Schlafzimmer, sei wieder umgekehrt und habe sich das schwerere Maurerfäustl geholt. Anschließend erschlägt er seine Frau mit mehreren wuchtigen Schlägen. Nach der Tat ruft er die Polizei und wartet auf die Ermittler.

„Die Ausweglosigkeit hat mich so fertig gemacht. Scheidung war nie ein Thema, Gespräche über die Kaufsucht hat sie immer abgeblockt“, sagt der Mann vor Gericht. Das verurteilt ihn zu 17 Jahren Haft.
 

Autobahn und Co.

Endlich wird gebaut! Für viele Staugeplagte in der Region Poysdorf ist es fast eine Erlösung, als im April der Spaten für den Weiterbau der Nordautobahn A5 zwischen Schrick und Poysbrunn gestochen wird. Und als dann auch tatsächlich die Bagger anrollen und mit den großzügigen Bodenaushubarbeiten beginnen, glauben es auch die Zweifler: Die Nordautobahn wird bis Ende 2017 bis Poysbrunn fertig sein, Ende 2018 soll dann auch die anschließende Umfahrung Drasenhofen für den Verkehr freigegeben sein.

Der UVP-Bescheid dafür wird im November veröffentlicht. Zu Jahresende sind die Erdbewegungen an der Trasse bereits enorm, die Weinviertler bekommen einen Eindruck, wie die Autobahn einmal aussehen wird.
Abseits der Großbaustelle Autobahn beginnen die Arbeiten an der 2,7 Kilometer langen Südumfahrung Laas (Eröffnung Mitte 2017), die Umfahrung Mistelbach wird im November für den Verkehr freigegeben und befreit die Stadt vom Lkw-Verkehr.

Zu Jahresende ist noch nicht abzuschätzen, wie sich die Umfahrung auf die Innenstadtwirtschaft auswirkt. Zumal die Spange Mistelbach - der Lückenschluss zur B40 bei der M-City - erst im April 2016 für den Verkehr freigegeben wird.
 

Wolkersdorf: Outback & Co.

Zwei Jahre nach der Idee von einem „Outback Neu“, ist es am 30. September soweit. Das neue Jugendzentrum in der Wiener Straße 31 öffnet offiziell seine Pforten. Das Projekt war aufgrund der Sanierungskosten und der Standortwahl immer wieder von der Opposition infrage gestellt worden. Bürgermeisterin Anna Steindl informiert die Opposition im April, dass es zu einer Überschreitung der geplanten und im alten Gemeinderat bewilligten Baukosten kommt. WUI, MIT:uns und FPÖ ziehen in aus dem Gemeinderat aus.

Während im Ausschuss daraufhin ÖVP und Opposition in den nächsten Wochen darum streiten, ob der neue Standort richtig ist, hat die Jugend Angst um ihre Einrichtung. Im Mai lässt die Bürgerliste MIT:uns die Standortdiskussion in Folge eines Schreibens der Pfarre, die das Pfarrzentrum neu beleben möchte, rund um das neue „Outback“ aufleben.

Sie verlangte bei der dritten Gemeinderatssitzung des neuen Gemeinderats die sofortige Aufnahme von Gesprächen mit der Pfarre und einen Vergabestopp für die Adaptierung des ehemaligen Jambo. Der Dringlichkeitsantrag, eine geeignete Alternative zum Jambo zu suchen, wird von ÖVP und SPÖ abgewiesen. Die von WUI und MIT:uns kolportierte Kostenüberschreitung für dessen Adaptierung wird von der ÖVP bestritten. Die Jugend jedenfalls ist mit dem neuen Outback zufrieden.
 

Loch in der Stronsdorfer Straße

Da die Fahrbahn über einem baufälligen, unterirdischen Keller eingestürzt ist, muss am 30. April die Stronsdorfer Durchzugsstraße gesperrt werden. Ein 1,20 bis zwei Meter breites Loch klafft in der Fahrbahn.
Eine Woche später wird in einem Gutachten festgestellt, dass sich die erste Annahme über die Uursache nicht bewahrheitet. Der baufällige Keller ist unbeschädigt, jedoch wird zum Erstaunen aller ein unbekannter, baufälliger und besitzloser Lehmkeller im Bereich des Kanals unterhalb der Straße entdeckt.

Dieser dürfte schuld daran sein, dass neben dem Kanal ein Spalt entstanden ist, in den die Erde rieselte und infolge dessen das Loch in der Straße entstanden war. Die Sanierung der Straße gestaltet sich langwierig, da sich die Kellerröhre ohne Eingang und ohne Besitzer unter der Straße in drei Richtungen verzweigt. Sie setzt sich unter anderem unter einem Privatgarten fort und die Verhandlungen über die Sanierung und Kostenaufteilung gestalten sich schwierig. Vier Monate später kann die lange Straßensperre der L20 schließlich wieder aufgehoben werden.


Tierquälerei im Pferdestall?

Im Juli bringt die Tierschutzorganisation „Animal Spirit“ unter der Leitung von Tierarzt Franz-Joseph Plank schwere „Animal Hording“-Vorwürfe gegen den Pferdehof „Die Pferdeoase“ in Ebendorf vor. Laut Plank soll in der Pferdeoase „eine Frau an die 120 Huftiere horten und wahllos weiterzüchten, dazu müssen noch Schweine, Schafe, Hunde und Katzen teilweise unter erbärmlichen, jedenfalls tierschutzwidrigen Umständen dahinvegetieren.“ Die Tierschützer verweisen auch auf „tote Fohlen im Dreck“.

Ein NÖN-Lokalaugenschein vor Ort sowie das Gutachten von Gerichtsmediziner Rainhard Kaun zeigen ein anderes Bild: Das totgeglaubte Tier stand fröhlich auf der Koppel und Kaun konnte keine Anzeichen zum „Animal Hordings“-Vorwurfes finden.
 

Gerasdorf kommt zu Korneuburg

„Ab 2017 hat Niederösterreich nicht mehr 21 Bezirke, sondern 20“, mit diesem Satz löst Landeshauptmann Erwin Pröll Anfang September den Bezirk Wien-Umgebung auf. Gerasdorf soll ab 1. Jänner 2017 zum Bezirk Gänserndorf gehören.

„Gänserndorf ist sicher die schlechteste aller Lösungen, weil wir kaum Berührungspunkte mit Gänserndorf haben“, sagt Bürgermeister (SPÖ) Alexander Vojta. Gerasdorfs Abgeordneter Lukas Mandl (ÖVP), wie auch sein Gänserndorfer Amtskollege René Lobner halten eine Zuordnung zu Korneuburg oder Mistelbach für sinnvoller.

Als Ergebnis zahlreicher politischer Gespräche und nicht zuletzt der Volksbefragung in der Stadt Gerasdorf, wo sich die Bevölkerung klar gegen den Bezirk Gänserndorf ausspricht, einigt man sich in der Landtagssitzung am 24. September auf einige Änderungen bei der Neueingliederung der Gemeinden des Bezirks Wien-Umgebung. Gerasdorf kommt, wie von den Gerasdorfer gewünscht, 2017 nun doch zum Bezirk Korneuburg.
 

Bruch in der SPÖ Laa

In der SPÖ in Laa herrscht Anfang März nach der Gemeinderatswahl Ausnahmezustand. Das neue Team rund um Christian Nikodym, der mit 322 Vorzugsstimmen bei der Wahl jeden anderen in seiner Partei haushoch abhängte, steht in den Startlöchern. Doch das Alte will den Platz nicht räumen. Für den amtierende Vizebürgermeister Reinhart Neumayer ist klar, dass er sein Mandat behalten und in der Gemeinde weitermachen wird. Er spricht sogar von einem Putsch gegen ihn und macht seinem Ärger auf der Homepage der SPÖ Laa Luft.

Bei der Jahreshauptversammlung wird Christian Nikodym schließlich mit knapp 100 Prozent zum neuen SPÖ-Klubobmann gewählt und löst damit Neumayer ab, der - wie er via Facebook verkündet - nach 41 Jahren aus der Partei austritt. Sein Mandat im Gemeinderat hat er allerdings behalten. Damit ist er nicht der einzige „wilde“ Mandatar im Laaer Gemeinderat: Harald Schittenhell und Franz Kriehuber, ebenfalls aus den Reihen der SPÖ, legten zwar ihre Ämter zurück, auf ihre Mandate verzichten sie nicht. Kaum angelobt, legte Schittenhell das Mandat doch zurück.
 

Mordversuch in Poysdorf

Eine unvorstellbare Tragödie beschäftigt den Bezirk Anfang Juni: Eine Poysdorferin (34) versucht ihre zehnjährige Tochter zu ermorden und sich anschließend selbst das Leben zu nehmen. Beide Versuche scheitern. Die Scheidung, finanzielle Probleme, Angst vor der Zukunft und ein Obsorgestreit um die Tochter dürften die Frau zum Äußersten getrieben haben.

Am Abend habe die Mutter ihrer Tochter ein „Fanta“ gegeben, sie selbst habe einen Energydrink getrunken – die Ärzte fanden später im Urin des Mädchens Beruhigungsmittel. Dann hätten sie sich im Schlafzimmer einen Polster auf den Kopf gelegt, der jeweils andere habe sich daraufgelegt – spielerisch sollte der Tod des Kindes herbeigeführt werden.

Die Mutter schläft dabei allerdings ein, irgendwann in der Nacht wird das Mädchen dann munter, die Mutter ist leblos und lässt sich nicht wecken. Sie läutet den Nachbarn heraus, der die Rettung holt. In der Küche finden die Ermittler mehrere Abschiedsbriefe.

Vor Gericht verantwortet sich die Poysdorferin am 29. Oktober mit versuchtem Totschlag, sie wolle keinen Morderversuch begangen haben. Staatsanwältin Gudrun Bischof sieht in der Tat einen versuchten Mord und sieben von acht Geschworenen befinden ebenso: Nadja S. wird zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.
 


Zitate des Jahres

„Ich erreiche die Menschen in Gaweinstal anscheinend nicht mehr so wie früher. Man muss die Zeichen der Zeit erkennen und die Konsequenzen ziehen!“
Hubert Kuzdas (SPÖ), verzichtet auf sein Mandat im Gemeinderat und tritt als Nationalrat zurück.

„Zwei Mandatare haben ihre Ämter zurückgelegt und die drei anderen wollen nicht mit ihm zusammenarbeiten. Er steht alleine da. Wenn er seine Führung trotzdem weiter halten will, dann macht ihn das zu einem Diktator.“
Johann Keminger, Bezirksgeschäftsführer der SPÖ, anlässlich des Bruchs in der SPÖ Laa über Reinhart Neumayer.

„Gnadendorf liegt am Schnittpunkt der organisierten Kriminalität. Weil die unorganisierte Kriminalität findet dort nicht hin!“
Florian Ladengruber, Bezirkspolizeikommandant über den hohen Sicherheitsfaktor in Gnadendorf.

„Wenn wer sagt, i bin a Trottel, nehm ich es zur Kenntnis, aber ich erkenn‘ es nicht an!“
Gemeinderat Franz Kriehuber versucht, den proLaa-Mandataren den Unterschied zwischen Kenntnisnahme und Anerkennung zu vermitteln.
 



2015 nahmen wir Abschied von...

Otto Frummel. Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger von Laa, Kfm. Otto Frummel, verstirbt am Samstag, den 9. Mai, im 85. Lebensjahr nach kurzer Krankheit in seinem Haus in Kottingneusiedl. 14 Jahre lang, von 1968 bis 1982, leitete er als ÖVP-Bürgermeister die Geschicke der Stadt. Er engagierte sich aber auch außerhalb dieser offiziellen Funktion in vielen Institutionen und Vereinen, wie dem Wirtschaftsbund oder als Vertreter des ÖVP-Stadtparteiobmannes. Er gehörte zu den Schulgründern der Handelsakademie und der Berufsschule und war jahrzehntelang Obmann des Gymnasium-Absolventenverbandes sowie Ehrenobmann in vielen Vereinen, wie der Musikkapelle Laa und dem Roten Kreuz. Otto Frummel hatte Welthandel studiert und durfte vor ein paar Jahren das goldene Studiumsabschlussjubiläum feiern. Beruflich verwirklichte er sich in seiner Steuerberatungskanzlei, aus deren operativem Alltag er sich erst im vorigen Jahr zurückgezogen hatte.

Josef Schuhböck. Im 88. Lebensjahr ist Josef Schuhböck aus Altruppersdorf verstorben. Der Kaufmann führte mit seiner Gattin ein kleines Geschäft in seiner Heimatgemeinde. Josef Schuhböck hat später die Herrenabteilung der Kaufstraße in Mistelbach mitgeprägt. Für viele Männer war er die kompetente Anlaufstelle in Sachen Mode. Im Ort engagierte sich Josef Schuhböck als ÖVP Ortsparteiobmann und war lange Jahre im Pfarrgemeinderat und in verschiedensten Aufgaben der Pfarre tätig. Fast genau zehn Jahre vor seinem Vater ist der Präsident der Landarbeiterkammer Niederösterreichs, Johann Schuhböck verstorben. Seiner wurde bei einem Gottesdienst in der Pfarrkirche Altruppersdorf gedacht. Johann Schuhböck hat ähnlich wie sein Vater, durch vielerlei Aktivitäten das Vereinsleben des Ortes sehr stark mitgeprägt und getragen.