Erstellt am 18. Februar 2016, 05:04

von Gregor Kobelkoff

Diskussion zum Wirtschaftspark: Nur Grüne sind dagegen. Vor der Volksbefragung diskutierten Parteien und Wirtschaftsvertreter die Vor- und Nachteile des geplanten Wirtschaftsparks beim Reuhof.

Die Politiker: Rudolf Kaudela jun. (VP), Erich Trenker (Vizebürgermeister, SP), Doris Luser-Choukèr (MHUM), Otto Jarisch (UI).  |  NOEN, Gregor Kobelkoff

Volles Haus gab's bei der Informationsveranstaltung zum Thema „Wirtschaftspark Reuhof“ im Pillichsdorfer Jugendheim am 11. Februar. Aufgrund der für den 21. Februar anberaumten Volksbefragung waren die Emotionen in der Gemeinde hochgekocht, und so stellten sich die Vertreter von Land, ecoplus, Post und Gemeinde den Fragen der Bürger zum Thema „Reuhof“.

Im Ablauf präsentierte zunächst Helmut Miernicki von der ecoplus das Projekt. Danach beschrieb Adam Christian von der Post, was als Verteilerzentrum entstehen soll. „Überraschungsgast“ war Thomas Knoll von Knollconsult, der seinen Bericht zur strategischen Umweltverträglichkeitsprüfung vorlegte. Wie erwartet, steht von dieser Seite der Umwidmung und Entwicklung nicht wirklich etwas entgegen.

Moderiert von Stadionsprecher Andi Marek legten dann die Vertreter der im Pillichsdorfer Gemeinderat vertretenen Parteien ihre Positionen bezüglich des Wirtschaftsparks dar. Otto Jarisch von der Grünen „Unabhängigen Initiative“, die sich als einzige aus dieser Gruppe klar gegen das Projekt aussprach, konnte deshalb zu Beginn ein wenig mehr Redezeit für sich beanspruchen.

„Wir stehen im Spannungsfeld zwischen
urbaner, wirtschaftlicher Entwicklung
und dem Naturschutz. Wir müssen
einen Kompromiss finden!“
Chris Chouker

Im Gegensatz dazu entschied sich die MHUM, vertreten von Doris Luser- Chouker, „nach kritischer Betrachtung des Projekts“ für ein „Ja“ zur Ansiedlung. Die SPÖ, mit Vizebürgermeister Erich Trenker am Podium, war schon länger als Befürworter bekannt. Die ÖVP hatte Rudolf Kaudela jun. als Sprecher, der die Position der Mehrheit seiner Partei vertrat, den Wirtschaftspark als Chance zu sehen. Für das Land NÖ war Landtagsabgeordneter Kurt Hackl erschienen, der auch zu Beginn der Hauptansprechpartner von Otto Jarisch war. Schon zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung im Publikum zeitweise aufgeladen, und die Unterstützer beider Seiten blieben nicht immer sachlich.

Der Abend war dann endlich am Punkt angelangt, an dem die Bürger ihre Fragen an das Podium und die möglichen Betreiber stellen konnten. Neben den Sorgen um erhöhtes Verkehrsaufkommen durch Pillichsdorf und die Belastung durch den Lkw-Lieferverkehr ging es den Gegnern auch um Prinzipielles. Die meisten Argumente zielten auf die grundsätzliche Sinnhaftigkeit ab, das Problem der Bodenversieglung, der wirtschaftlichen Entwicklung der Post und die Vorhersagen der ecoplus zum zukünftigen Gewinn.

Dies führte bei Kurt Hackl zum sarkastischen Kommentar „dass ihr die Wolkersdorfer nach ihrem Geheimnis fragen solltet. Denn die gute finanzielle Situation kann ja nicht vom Wirtschaftspark kommen, weil wir ja alles falsch machen!“

Allgemeine Bedenken als Gegner-Argumente

Fakt ist, dass die meisten Argumente der Gegner zwar sachlich richtig waren, aber nicht in den Entscheidungsbereich von Pillichsdorf fallen. Die Post will ein Verteilerzentrum bauen, der Boden wird also versiegelt, bei einer „Nein“-Entscheidung an anderer Stelle. Ob die Paketzustellung über Jahrzehnte ein Wachstumsmarkt bleiben wird, kann niemand garantieren, aber zumindest für absehbare Zeit scheint es so zu bleiben. Das Verbeißen der Gegner in den Leitbetrieb Post führte zur Ignoranz gegenüber den weiteren Betrieben, die schon in den Startlöchern für eine Ansiedlung stehen.

Mögliche Beteiligungen an anderen interkommunalen Wirtschaftsparks, wie von der UI propagiert, stehen auch nicht in Aussicht. Das Marchfeld bleibt von der unsicheren Zukunft der S8 blockiert, Wolkersdorf hat keine Kapazitäten für große Betriebe mehr frei und die meisten anderen Parks werden von privaten Investoren betrieben, deren Hauptaugenmerk auf der Gewinnmaximierung liegt.

Was bleibt also an Gegenargumenten übrig? Jagdleiter Reinhard Stidl hat eines davon: „Wir haben heute kaum mehr Rückzugsräume für das Wild. Der Reuhof ist einer der wenigen, die wir noch haben.“

Am Ende fasste es Chris Chouker im Publikum zusammen: „Wir stehen hier im Spannungsfeld zwischen urbaner, wirtschaftlicher Entwicklung und dem Naturschutz. Wir müssen einen Kompromiss finden.“ Die Volksbefragung über den Wirtschaftspark Reuhof findet am 21. Februar statt. Das Ergebnis ist verbindlich.


Das Projekt

  • Betreiber: ecoplus

  • Gesamtkosten Erschließung:11.4 Mio.

  • Gesamtfläche: 276.000 m2

  • 1. Abschnitt: 192.100 m2

  • 2. Abschnitt: 78.100 m2

  • davon Interessent Post:

  • Fläche: 87.700 m2

  • Option: 22.400 m2

  • Beschäftigte: 230 (mit Option auf 300)