Erstellt am 16. März 2016, 05:04

von Michael Pfabigan

Dürftiges Image der Lehre. Hohe Jugendarbeitslosigkeit - trotzdem sinkt die Zahl der Lehrstellen: Die Lehre leidet an einem massiven Beliebtheitsproblem bei Lehrern und Eltern.

Diskutierten die Vorzüge des dualen Ausbildungssystems: Landtagsabgeordneter Kurt Hackl, Berufsweltmeister Philipp Seiberl, Berufsschulinspektorin Doris Wagner, Management Club-Präsident Günther Ofner, Wirtschaftskammer-Präsidentin Sonja Zwazl, Management Club-Weinviertel-Chef Dieter Körbisser und Berufsschuldirektor-Stellvertreter Werner Seltenhammer.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Das Image der Lehre muss vor allem bei den Eltern gehoben werden. Das ist das Destillat aus einer Podiumsdiskussion des Management Clubs Weinviertel in der Berufsschule Mistelbach: Experten diskutierten am 11. März das Thema „Duale Ausbildung - das praktische Konzept für die Zukunft?“

Laut einer Studie der Wirtschaftskammer würden 80 Prozent der Jugendlichen sagen, eine Lehre zu machen sei toll. Bei jenen, die eine Lehre machen, liegt der Anteil sogar bei 95 Prozent. Aber: Nur 50 Prozent der Lehrer finden die Lehre gut und gar nur 25 Prozent der Eltern. „Außerdem spielt Berufsorientierung in vielen Schulen gar keine Rolle“, klagte Wirtschaftskammer-Präsidentin Sonja Zwazl, die meisten Widerstände gegen Berufsorientierungsmaßnahmen gebe es in Gymnasien: „Die haben Angst, dass wir ihnen Schüler abwerben“, ist Zwazl überzeugt.

Gute Ergebnisse bei Berufsweltmeisterschaft

Mit einer Lehre kann man viel erreichen. Als positives Beispiel schilderten Berufsweltmeister Philipp Seiberl und sein Betreuer Wolfgang Seltenhammer ihre Erlebnisse bei der Berufsweltmeisterschaft in Brasilien. Die meisten Chefs von Klein- und Mittelbetrieben begannen ihre Karriere mit einer Lehre. Das war allen am Podium klar. Ein Problem stellt allerdings heute der qualifizierte Nachwuchs: Die guten Schüler gehen meist in höhere Schulen, der Rest bleibe für die Lehre.

Und das, obwohl viele in den Schulen nicht glücklich seien: „Heute heißt es leider oft: Wennst deppert bist, kannst in eine Lehre gehen“, sagte Zwazl: „Aber was nutzen einem die goldenen Hände, wenn man kein Hirn hat!“ Da potenzielle Lehrlinge oft mit horrenden Defiziten beim Rechnen und Schreiben kämen, muss auch hier nachgeschult werden.

"Versäumnisse liegen auch in der Familie"

Die Versäumnisse lägen da nicht nur bei der Schule: „Manche Versäumnisse liegen in den Familien – ein Lehrherr kann nicht die gesamte Erziehung nachholen!“, sagt Landtagsabgeordneter und Wirtschaftskammer-Obmann Kurt Hackl. Und mit der Migration werde sich dieses Problem noch verschärfen: „Da in die Schaffung von Basics zu investieren macht mehr Sinn, als nur die Mindestsicherung auszuzahlen!“

Grundsätzlich ist die Zahl der Lehrlinge am Sinken: Weil es weniger Lehrbetriebe gibt und weil weniger Jugendliche eine Lehre beginnen wollen: „Und das, obwohl wir eine hohe Jugendarbeitslosigkeit wie noch nie haben!“, sagt Hackl. Warum ist es unattraktiv? Hier beginnt sich die Katze in den Schwanz zu beißen: weil Eltern und Lehrer nichts davon halten.