Erstellt am 27. Januar 2016, 05:03

von Michael Pfabigan

Ebendorfer fürchtet Paragleiter-Fluglärm. Ein Mistelbacher möchte mit Motor- Paragleiter starten und landen, Anrainer sind strikt dagegen.

Im Weinviertel gibt es vier aktive Motor-Paragleiter-Piloten. Einer davon hätte gerne einen Start-Landeplatz im Raum Mistelbach, was für Empörung bei manchen Anrainern sorgt.  |  NOEN, Wolfgang Zickl

„Ich fordere alle Vertreter der Stadtgemeinde auf, alles daran zu setzen, um das Projekt „Außenstarts für Paragleiter“ im öffentlichen Interesse zu verhindern und die Bewohner der Großgemeinde Mistelbach vor einer künftigen Lärmbelästigung zu schützen!“, fordert Gerhard Türk, der um seine Ruhe in Mistelbach fürchtet: „Sind die Außenstarts einmal genehmigt, ist die Lärmlawine losgetreten. Und sie wird nicht mehr aufzuhalten sein!“

Hintergrund der Aufregung: Der Mistelbacher Rudolf Marisch möchte eine Start-Landeerlaubnis für seinen Motor-Paragleiter im Gemeindegebiet. Einen entsprechenden Antrag stellte er beim Land NÖ. Notwendig wurde das nach einer Gesetzesänderung, davor gab es Genehmigungen ohne fix festgelegten Start-Landepunkt.

Gemeinde „kategorisch gegen Überflüge“

Nach dem Antrag bei der Luftsicherheitsbehörde holte diese eine Stellungnahme der Gemeinde ein: „Wir haben uns kategorisch gegen Überflüge von bewohntem Gebiet ausgesprochen“, sagt Bürgermeister Alfred Pohl. Da der vom Para-Flieger genannte Start-Landeplatz in Ebendorf lag, wurden die Ebendorfer in die Entscheidung eingebunden. Und die sprachen sich dagegen aus – zumal der Pilot nicht einmal das Einverständnis der Grundbesitzer, in einem Fall war das sogar die Gemeinde, hatte.

„Ich habe auch den Modellflugplatz als Landeplatz genannt, hab mir gedacht, das passt zusammen. Der gehört anscheinend der Gemeinde“, sagt Marisch im NÖN-Gespräch. Also besserte er seinen Antrag nach, nannte als Startplatz ein Grundstück 2,3 Kilometer außerhalb des Siedlungsgebietes im Bereich des Schricker Waldes. In einer neuerlichen Stellungnahme an die Flugsicherheitsbehörde forderte die Stadtgemeinde erneut ein Überflugverbot über besiedeltes Gebiet ein. Gegen den neuen Standort konnte sie zwar ihre Bedenken anmerken, verhindern kann sie ihn nicht.

„Mehr können wir leider nicht tun. Selbst die Forderung des Überflugverbotes geht eigentlich über unsere Kompetenzen hinaus!“, sagt Bürgermeister Pohl. Denn grundsätzlich sind die Überflüge in einer Höhe von 300 Metern über Siedlungsgebiet, in unverbautem Gebiet in 150 Metern Höhe erlaubt.

Marisch: "Habe freiwillig verzichtet"

Fluggegner Türk sieht darin einen „faulen Kompromiss“. Das Argument, dass nicht die Gemeinde, sondern die Flugsicherheitsbehörde zuständig sei, will er nicht gelten lassen. „Der Para-Flieger hat in einer Stellungnahme schon klar gemacht, dass er auf Überflüge über bewohntes Gebiet nicht verzichten will“, sagt Türk. „Stimmt nicht“, kontert Marisch: „Sowohl in einem Gespräch mit dem Bürgermeister, als auch im Antrag an das Land NÖ habe ich freiwillig auf Überflüge über Ebendorf verzichtet!“

Türk fürchtet die Vorbildwirkung, sollte der Start-Landeplatz beim Schricker Wald genehmigt werden: „Da die Anschaffung eines motorisierten Paragleiters durchaus leistbar ist, ist zu befürchten, dass der Zulauf zu dieser Sportart rege sein.“

Derzeit gibt es im Weinviertel vier aktive Motor-Paragleiter-Piloten. Dass es jetzt zur Flut kommt, glaubt man in der Szene nicht. Die Ausbildung dafür dauert zwei Jahre.