Erstellt am 21. Oktober 2015, 05:02

von Michael Pfabigan

Ein Direktor und 10 Schulen. Der scheidende Landesschulrat Hermann Helm sieht künftige Schulleiter als Manager.

 |  NOEN, Michael Pfabigan

„Seit ich im Landesschulrat bin, habe ich sechs Bildungslandesräte verbraucht. Und zehn Bundesminister, seit ich im Bildungssektor aktiv bin!“ In der Vorwoche wurde der Wolkersdorfer Hermann Helm in seiner Funktion als Landesschulratspräsident in den Ruhestand verabschiedet.

Helm war seit 2007 Präsident des NÖ Landesschulrates, in dieser Zeit wurde das Bildungsangebot im Weinviertel ausgebaut: „In dieser Zeit wurden in allen anderen Bildungsregionen fünf neue Schulen geschaffen.
Und im Weinviertel auch“, ist er stolz. Geschaffen wurden die HTL Mistelbach, die Gyms in Wolkersdorf, Deutsch-Wagram, Groß-Enzersdorf und Korneuburg.

„Wir sind dem Trend zur höheren Bildung im Weinviertel nachgekommen. Jetzt müssen weniger Schüler nach Wien auspendeln“, ist Helm stolz. In Mistelbach als Zentralort wurde das schulische Vollangebot geschaffen, ohne dass der Gym-Standort Laa beschädigt worden wäre.

"Halte nichts davon, wenn Sechsjährige pendeln"

Stichwort Pflichtschulen: In den Grenzregionen fehlen die Schüler, trotzdem wird an den einzelnen kleinen Volksschulen festgehalten: „Ich halte nichts davon, wenn man Sechsjährige noch mehr pendeln lässt. Die Lehrer sollen zu den Schülern fahren. Und nicht jeder Standort braucht einen eigenen Direktor!“

Denkbar wäre, dass ein Direktor künftig bis zu zehn Schulen betreut: „Für die Administration in der Schule braucht man nur eine Person. Außerdem gibt es jetzt das Angebot, dass Schulen auch, unterstützt vom AMS, eigene Schulsekretärinnen anstellen“, sagt Helm.

Das Konzept „Ein Direktor - mehrere Schulen“ wird jetzt immer rigoroser umgesetzt. Beispielsweise sind jetzt beide Mistelbacher Hauptschulen unter einer Führung.

Welche Größe eines Schulstandortes ist sinnvoll?

Aber wo ist die Grenze der Sinnhaftigkeit für die Größe eines Schulstandortes? „Eine kleinstrukturierte Schule ist nicht die Schlechteste“, sagt Helm. Vom sozialen Aspekt hätten die jahrgangsgemischten Klassen ihre Vorteile - nachziehen müsste da eher die Lehrerausbildung, damit sie mit der enormen Differenzierung im Unterricht noch besser klar kommen. Wenn die Schule zu klein ist und die Entfernung zur nächsten Schule nicht zu groß, wären Zusammenlegungen denkbar.

Was allerdings politisch nicht zur Diskussion steht: „Nimmt man einer Gemeinde die Schule, sinkt die Bereitschaft der jungen Familien, sich dort anzusiedeln“, weiß Landesrat Karl Wilfing. Daher werden etwaige Schließungen vermieden.


Hermann Helm persönlich

Helm wurde 1948 in Lassee (Bezirk Gänserndorf) geboren und ist seit 1967 im Landesdienst.

1967-1977: Lehrer in Volksschule, Hauptschule und Sonderschule in Dürnkrut, Strasshof und Gänserndorf ab 1977 freigestellter Personalvertreter

ab 1985: Vorsitzender der NÖ-Lehrer-Personalvertreter, 1989-2001 Vorsitzender der Bundessektion der Pflichtschullehrer

2003-2006 Generalsekretär des Landesschulrates

2007 bis 2015 Präsident des Landesschulrates