Erstellt am 21. Januar 2016, 05:03

von Michael Pfabigan

Eine eigene „Tafel“ für die Flüchtlinge. In der ehemaligen Lagerhauswerkstätte können sich die Mistelbacher Flüchtlinge Lebensmittel holen.

Start des Mistelbacher Integrations-Marktes MIM: Edith Neubauer, Helga Stubenvoll, Gerald Aumann, Brigitte Bein, Franz Deix, Doris Newald, Barbara Leichtfried und Walter Bein.  |  NOEN, Michael Pfabigan

"Auf die Idee bin ich nach einem Fernsehbeitrag gekommen", erzählt Barbara Leichtfried: Darin habe ein Mann mit Flüchtlingen einen Shop für die Hilfesuchenden eröffnet, der später zum Treffpunkt und zur Plattform für von Flüchtlingen hergestellte Handwerkskunst wurde. Vielleicht wird der Mistelbacher Integrations-Markt MIM auch einmal so eine Plattform.

Vergangenen Mittwoch öffnete die Einrichtung im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Lagerhauswerkstätte als Ergänzung zur Team Österreich Tafel Mistelbach, die für die im Vollausbau geplanten 200 Flüchtlinge in Mistelbach keine Kapazitäten hat.

Lebensmittel am Rande des Ablaufdatums

„Da haben wir gesagt: Versuchen wir, eine zweite Schiene aufzubauen“, erzählt Leichtfried. Lebensmittel werden in der Flüchtlings-Tafel MIM am Mittwoch ausgegeben: „Wir wollten beim Lebensmittelsammeln der Team Österreich Tafel nichts wegnehmen“, sagt die Organisatorin des MIM.

Die Helfer des Integrations-Marktes sammeln am Dienstag und Mittwochvormittag bei großen Lebensmittelketten Lebensmittel am Rande des Ablaufdatums ein, die Menschen mit einer Bezugskarte für den MIM dann abholen können.

Werden neben Lebensmittel noch Kleidung, Möbel oder Hygieneartikel benötigt, dann gibt es andere Sammellager, die von der Caritas, den Siebenten-Tags-Adventisten oder dem bosnisch-österreichischen Verein Zemzem betrieben werden. „Wir arbeiten da überkonfessionell zusammen“, sagt Leichtfried. Der MIM steht unter Patronanz der Bewegung Mitmensch.

"Ohne unsere Hilfe sind sie hilflos"

Nachdem die Idee für den MIM entstanden war, begannen Leichtfried und ihre Helfer, die Logistik aufzubauen, der Kontakt zum Raiffeisen Lagerhaus Weinviertel Mitte wurde von der städtischen Flüchtlingskoordinatorin Brigitte Schodl hergestellt: „Sie leistet Großartiges!“, freut sich Leichtfried über eine kompetente Ansprechpartnerin bei der Gemeinde. Derzeit helfen 30 Freiwillige beim MIM mit, 20 weitere sind auf Abruf.

Lebensmittel im MIM bekommen nur die Flüchtlinge, die in der Gemeinde untergebracht sind und nur bis maximal vier Monate nach Abschluss des Asylverfahrens. Warum braucht Mistelbach den MIM?

„Die Flüchtlinge bekommen 165 Euro im Monat, von dem müssen sie sich alles kaufen: von der Bahnkarte, über Wertkarten fürs Handy bis hin zu Lebensmittel und Medikamenten“, sagt Leichtfried. „Ohne unsere Hilfe sind sie hilflos. Teilweise sind sie Analphabeten, sie kennen unsere Sprache und unsere Schrift nicht“, sagt Leichtfried. „Sie sind so hilflos, wie wir das in einem arabischen Land wären!“

Derzeit sind in Mistelbach hauptsächlich Familien und zehn alleinstehende Männer untergebracht.