Mistelbach

Erstellt am 04. August 2016, 01:23

von Michael Pfabigan

„Endlich selber tanzen!“. Die Tanzband Lomados, die für viele Bälle und Kirtage den Soundtrack lieferte, hört auf.

Nach 35 Jahren machen die Lomados beim Kirtag in Obersulz Schluss: Leo Schödl, Herbert Schödl, Charly Schödl, Josef Bauer und Hermann Zehetner.  |  zVg

Am 6. August soll endgültig Schluss sein: Dann wird die Tanzband Lomado beim Obersulzer Kirtag auf der Pfarrwiese ihr Abschiedskonzert geben. Seit 1984 waren Leo, Charly und Herbert Schödl, Hermann Zehetner und Josef Bauer ein unverzichtbarer Bestandteil der Weinviertler Festkultur.

Im Jahre 1972 formierten sich die drei Schödl-Brüder Leo, Charly und Herbert aus Loides thal sowie Hermann Zehetner aus Obersulz zur Band mit dem Namen „Weinlandecho“. Die ersten Auftritte waren bald organisiert. Sie spielten im Heurigenlokal Winter in Obersulz, auf Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Pensionistenausflügen in der näheren Umgebung und auch in der damaligen Tschechoslowakei.

In dieser Formation spielten die vier Vollblutmusiker bis zum Herbst des Jahres 1981. Damals beschloss die Band, Josef Bauer aus Maustrenk, der ebenfalls seit 1974 Banderfahrung mit dem „Trompetenecho“, der Bigband der Militärmusik und später mit der Formation „Odysseus 2000“ hatte, in die Band zu holen.

„Diese Banderweiterung auf nunmehr fünf Musiker ergab den unvergleichlichen, oft kopierten, aber nie erreichten Sound der Lomado Tanzband“, erinnert sich Bauer. Dies geschah auch dadurch, da sich Zehetner als Universalgenie entwickelte und mit Posaune, Keyboard sowie Ziehharmonika sein Talent unter Beweis stellte.

Im Jahr 1984 wurde dann die Band auf den jetzigen Namen Lomado Tanzband umbenannt. Eine Großinvestition in eine für die damalige Zeit noch wenig verbreitete „Aktiv PA-Anlage“ wurde getätigt, moderne Instrumente und ein eigener Bandbus wurden angeschafft.

Wie kamen die Musiker auf den Namen Lomados? „Das sind die Orte, aus denen wir stammten: LOidesthal, MAustrenk und DObermannsdorf“, lacht Bauer.

Die Lomados 1981: blutjung und kurz nach ihrer Gründung. Mit ihrer Ausstattung waren sie damals im Weinviertel stilprägend.  |  zVg

Dass die Band in dieser Formation seit nunmehr 35 Jahren spielt, ist ein wesentlicher Verdienst ihrer Frauen und Familien. Denn in den jungen Anfangsjahren der Band mussten die Familien – die Musiker haben zusammen 14 Kinder – sehr oft auf ein Wochenende mit dem Mann oder Vater verzichten.

Der private und musikalische Zusammenhalt dieser fünf Familien wurde auch durch gemeinsame Weihnachtsfeiern, Silvesterabende und Städtereisen anlässlich runder Geburtstage gefestigt. Jetzt sind die Musiker in die Jahre gekommen und haben den Entschluss gefasst, das Projekt „Lomado Tanzband“ abzuschließen. Dies erfolgt im Rahmen des Kirtags in Obersulz auf der Pfarrwiese am 6. August, ab 20 Uhr.

Mit welchem Gefühl gehen die Vollblutmusiker in ihr letztes Konzert? „Wir haben noch keine Gefühle dazu. Ich glaube, dass das erst alles am letzten Tag in Obersulz aus uns herausbrechen wird“, erklärt Josef Bauer. „Einige von uns ignorieren einmal die Tatsache und sprechen nicht darüber.“

Was werden die Lomados in ihrer Musik-Pension machen? „Wir haben alle Enkelkinder, für die wir auch Zeit haben möchten. Und am Wochenende werden wir die eine oder andere Veranstaltung besuchen und selbst das Tanzbein schwingen – wozu haben wir in den letzten Jahren denn die Tanzkurse besucht?“, kündigt Bauer an.

Ist ein Comeback für die Lomados möglich? „Obersulz ist sicher unsere letzte Veranstaltung. Sollte sie wegen schlechten Wetters abgesagt werden, werden wir im Herbst einen Abschied organisieren.“ Aber eine Reunion, so Bauer, wird es nicht geben.