Erstellt am 30. April 2016, 05:04

von Ingrid Fröschl-Wendt

„Es war jeden Tag eine Herausforderung“. 108 Jahre gehörte die Spenglerei Koffler zu Laa. Kommenden Samstag wird das Geschäft zum letzten Mal aufgesperrt.

Am Samstag, den 30. April, sperren Rudolf und Eva Koffler ihre Spenglerei am Stadtplatz 41 das letzte Mal auf. Dann wird nach 108 Jahren geschlossen.  |  NOEN, Ingrid Fröschl-Wendt

Ich habe mir nie vorstellen können, etwas anderes zu tun“, sagt Rudolf Koffler, Spenglermeister aus Laa. Trotzdem ist am 30. April sein letzter Arbeitstag.

47 Jahre war er im Betrieb. Jetzt mit 62 möchte er noch ein bisschen etwas vom Leben haben. Zu viele seiner Freunde, die teilweise jünger waren, sind bereits verstorben. Nach 108 Jahren schließt Rudolf Koffler den Familienbetrieb, den sein Urgroßvater Mathias Schauaus nach Laa gebracht hatte.

Damals bedeutete eine Spenglerei vor allem das Fertigen und Ausbessern von Häferln und Kübeln, Badewannen, Waschkesseln und Weingartenspritzen.

Kofflers Großvater, ein begeisterter Motorradfahrer - wie alle aus der Familie - zog nach dem Zweiten Weltkrieg sogar mit der Beiwagenmaschine durch die Dörfer rund um Laa, um mit einem Brenner und Lötzinn direkt bei den Bauern Ausbesserungsarbeiten zu machen. Dafür wurde er damals mit Schmalz und Eiern bezahlt.

Residierte die Familie ursprünglich am Marktplatz, wuchs Rudolf Koffler schon im neuen Geschäft am Stadtplatz 41 auf. Weil die Familie im oberen Stockwerk wohnte und gleich darunter die Werkstatt lag, war der kleine Bub jede freie Minute in der Werkstatt anzutreffen – und hantierte geschickt mit Zange und Blechschere.

Koffler erlebte Wandel des Spengler-Berufs

Um seinem Sohn das Geschäft zu erhalten, stieg Vater Edgar nach dem Tod des Großvaters Anton Schauaus mit 35 Jahren vom erlernten Beruf als Uhrmacher zum Spengler um. Ab 1969 lernte Koffler schließlich offiziell im Betrieb und machte hier den enormen Wechsel des Spenglerei-Gewerbes mit: Von der Verlagerung des Tätigkeitsbereichs auf den Bau und zu vielen neuen Materialien, Möglichkeiten und Farben. „Es war jeden Tag eine neue Herausforderung und mir hat es Spaß gemacht, ständig mit Menschen zu tun zu haben.“

Doch nun ist es genug, Kofflers Kinder, zwei Töchter, haben einen anderen Beruf gewählt, was ihnen der Vater nicht verdenken kann. Es sei heutzutage nicht mehr einfach, selbstständig zu sein. Kofflers Kundenstock und seine Daueraufträge wird Bernhard Hofmann übernehmen. Darum will sich Koffler noch kümmern. Er will den Gaubitscher Spengler mit einem Büro in Laa noch einige Zeit begleiten, um ihn mit seinen Kunden vertraut zu machen. Hofmann wird auch die Auslage des Büros am Stadtplatz nutzen können.

Was Koffler dann mit seiner neuen Freizeit anfangen wird? Er wird sich genüsslich seinen Hobbys widmen, davon hat er genug. Das ist zum einen die Familie: Zu den zwei Töchtern sind mittlerweile vier Enkel dazu gekommen, das Reisen und wie schon erwähnt, das Motorradfahren.

Den geschätzten Umgang mit Menschen und die Beschäftigung mit Bauthemen, die kann er als Baustadtrat der Stadt Laa noch eine ganze Weile weiterführen.