Erstellt am 22. Juni 2016, 09:40

von Valerie Schmid

"Flüchtlinge gehen hier leer aus". Förderpaket: Integrationsfonds versprach 12 Mio. für Deutschkurse. Allerdings sind die Auflagen dafür sehr hoch.

In Mistelbach werden Flüchtlinge von ehrenamtlich helfenden Lehrern unterrichtet. Förderung vom Integrationsfonds gibt es dafür nicht. Denn der fordert akademisch gebildete Lehrkräfte.  |  NOEN, zVg

Allen ist klar: Deutsch zu lernen ist der Grundstein für eine gelungene Integration. Der Wille sowie die finanziellen Mittel scheinen vorhanden zu sein: Der Integrationsfonds (ÖIF) stellte erstmals 12 Millionen Euro zur Fördervergabe aus dem „Startpaket Deutsch und Integration“ zur Verfügung.

Um eine Förderung zu erhalten, mussten sich Organisationen bis 12. Juni mit einem konkreten Projektvorschlag bewerben und gleichzeitig die notwendigen Voraussetzungen erfüllen.

Der große Bürokratieaufwand sowie ein Mangel an Lehrkräften erschwert aber die Umsetzung gewaltig. Darunter leide auch die Volkshochschule Mistelbach, sagt Obmann Alfred Weidlich: „Wir sind durchaus bereit, Deutschkurse für Flüchtlinge einschließlich Integration durchzuführen, aber es ist mir unverständlich, warum es kleinen Organisationseinheiten so schwer gemacht wird, Fördermittel abzuholen, um Kurse abzuhalten“, so Alfred Weidlich in einem Schreiben an den ÖIF.

Volksschullehrer dürfen nicht unterrichten

Denn die Voraussetzungen, um Fördermittel zu erhalten, sind durchaus hoch: Das Personal benötigt entweder ein abgeschlossenes Universitätsstudium, ein abgeschlossenes Lehramtsstudium der Germanistik oder einer lebenden Fremdsprache, einen Abschluss einer Pädagogischen Hochschule oder Erfahrung mit Deutsch als Fremdsprache oder als Zweitsprache im Ausmaß von mindestens 3.000 Stunden.

Damit dürften Volksschullehrer, die eine Ausbildung an einer pädagogischen Akademie absolviert haben, nicht unterrichten. Ein großer Teil an Lehrenden würde so wegfallen: „Die VHS Mistelbach verfügt über engagiertes, erfolgreiches, daher ausgezeichnetes Lehrpersonal. Seit Monaten erhalten Flüchtlinge auf kompetente Weise Unterricht in Deutsch und Integration, auch von erfahrenen Pädagogen, allerdings erfüllt dieser Personenkreis nicht alle vorgegebenen Auflagen. Auch Studenten und Menschen mit Hausverstand und Herz arbeiten freiwillig in diesem Bereich sehr erfolgreich“, berichtet Weidlich.

Dazu kommt der Bürokratieaufwand: Für die Antragstellung benötigt es neben dem Antragsformular eine detaillierte Projektbeschreibung, einen Finanzplan, einen Kursplan und einen Zeitplan sowie Statistiken, Evaluierungen und einen Kursabschlussbericht während und nach dem Unterricht: „Diese Zeit zur Betreuung und Schulung der Flüchtlinge zu verwenden, wäre weitaus sinnvoller.“

Wenig Interesse an Prävention?

Der Plan des ÖIF sei gut gemeint und qualitativ hochwertig ausgelegt – in der praktischen Umsetzung allerdings vielleicht weniger durchdacht. Weidlich geht einen Schritt weiter: „Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass die Hürden so hoch geschraubt sind, damit die beschlossenen Fördermittel aus budgetären Gründen möglichst unausgeschöpft bleiben – wäre ja nicht das erste Mal.“ Letztlich würden die Flüchtlinge am Land „leer ausgehen“, „Reparaturmaßnahmen“ aufgrund eines „Abgleitens in die Kriminalität“ wären außerdem teurer, hängt Weidlich dran.

Der ÖIW sieht das nicht so: Kleine Anbieter könnten sich ja untereinander vernetzen und gemeinsam die auf Qualität ausgelegten Voraussetzungen erfüllen, heißt es auf NÖN-Anfrage.

Anforderungen

  • Rahmencurriculum
  • Sprachstandsfeststellung
  • Prüfungen
  • Qualifikationen der Trainer
  • Werte- und Orientierungskurse