Erstellt am 27. Februar 2016, 05:04

von Valerie Schmid

Flüchtlingsklasse als Übergang. Nach einer Eingewöhnungsphase fassen die Schüler langsam Fuß in der neuen Umgebung. Die Schule soll sie fit für die Zukunft machen.

Gut gelaunt beim Unterricht in der Übergangsklasse: Sharif, Yasmin, Ahmed und Abdulrahman.  |  NOEN, Valerie Schmid

Nach anfänglichen Schwierigkeiten scheinen sich die 17 Flüchtlinge in der Übergangsklasse des Bundesschulzentrums zurechtgefunden zu haben. Dazu hat auch wesentlich ein Regelkatalog beigetragen, der Verhaltensregeln wie Pünktlichkeit, Ruhe, Handyverbot während der Unterrichtsstunde usw. festlegt.

Was im ersten Moment nach banalen und sowieso selbstverständlichen Regeln klingt, ist für die Schüler aus Syrien, Afghanistan, Irak und Somalia aber gar nicht so selbstverständlich, da sich die dortige Schule doch von der österreichischen unterscheidet: „Die Flüchtlinge sind von ihrem Heimatland einen eher autoritären Ansatz gewohnt, den wir natürlich nicht praktizieren. Das und manche weitere Dinge galt es, den Schülern zu vermitteln“, berichtet die Direktorin des BORG, Isabella Zins.

Kennenlerntag geplant

Das Alter liegt zwischen 15 und 22 Jahren und die Gruppe setzt sich aus zehn Burschen und sieben Mädchen zusammen. Neben klaren Vorschriften ist auch ein geregelter Alltag ein wichtiger Faktor zur Eingewöhnung. So gibt es fünf Tage in der Woche sechs Stunden Unterricht pro Tag in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Obwohl der Fokus stark auf dem Deutschunterricht liegt, kommen langsam aber auch Naturwissenschaften und Informatik hinzu. Das Ziel ist es, die Schüler nach einer Eingewöhnungsphase möglichst in den Regelunterricht zu integrieren.

Dass die Integration aber klarerweise nicht von heute auf morgen geht und es vermutlich noch die eine oder andere Hürde zu überwinden gibt, ist allen klar: „Wir wollen Isolation vermeiden. Darum veranstalten wir auch bald einen Kennenlerntag zwischen den Flüchtlingen und den anderen Schülern, um etwaigen Problemen schon im Vorhinein vorzubeugen“, so der Direktor der HLW/ FSW und Bakip, Johannes Holzinger.

„Allerdings haben wir auch vom Ministerium erfahren, dass wir die Schüler im Moment nur als außerordentliche Schüler benoten können. Es wird sich zeigen, wie sich das entwickelt.“ Dazu kommt, dass manche der Schüler noch nicht ihren Asylbescheid bekommen haben: „Wir hoffen, dass manche von ihnen jetzt nicht versetzt werden, jetzt, wo sie sich schon eingewöhnt haben.“

Unterstützung auch von außerhalb

Auch den teilweise unterschiedlichen Wissensstand der Flüchtlinge haben die Deutschlehrer in den Griff bekommen. „Gemeinsam haben die Lehrer die Unterlagen besprochen und zusammengestellt, bald wird mit einem Deutschbuch auf Niveaustufe A1 (die Niveaustufen setzen sich aus dem „Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen“ zusammen) gearbeitet werden“, erzählen die Direktoren.

Dass so ein Projekt nur durch gute Zusammenarbeit funktionieren kann, versteht sich von selbst. Durch offene Gespräche und die Unterstützung sowohl von Bürgermeister Alfred Pohl als auch von Caritas-Mitarbeiter Mohammed Ali, der die arabische Kultur und Sprache kennt und bei Problemen als „Vermittler“ agiert, nimmt aber die Integration in den Schulunterricht Form an. Im Moment sind alle Mistelbacher Flüchtlinge mit Deutschunterricht „versorgt“, was aber mit den noch kommenden Asylwerbern passiert, ist unklar.

Und auch die Schüler sind dankbar für diese besondere Chance. Das gemeinsame Durchgehen der Nachbarländer von Österreich im Geografie- Unterricht (auf Deutsch!) ist geprägt von aktivem Nachfragen, reger Mitarbeit und gegenseitigem Austauschen auf Arabisch. „Vaduz“ ruft ein Mädchen dazwischen, als Liechtenstein an die Reihe kommt. Man merkt, die Schüler wollen etwas lernen. Zwischen Geografie findet auch anwendungsorientierte Grammatik ihren Platz. Auf die Frage, welchen Artikel „Himmelsrichtung“ hat, kommt sogleich die richtige Antwort.