Erstellt am 08. Juni 2016, 05:00

von Michael Pfabigan

FPÖ klagt wegen Neonazi-Sagers. SLP-Rednerin bezeichnete Anti-Asyl-Demonstranten oder Teile davon als „einschlägige Neonazis“. FPÖ will sich wehren.

Bei der Gegendemo der linken SLP wurden Teile der gegenüber demonstrierenden FPÖler als »einschlägige Neonazis« bezeichnet. Die FPÖ will jetzt dagegen klagen.  |  NOEN, Benjamin Schlöglhofer

Heftige Nachwehen der Asyl-Demos der Vorwoche am Mistelbacher Hauptplatz: Sonja Grusch von der Sozialistischen Links Partei (SLP) rudert zurück: In der NÖN wurde sie zitiert mit „Das sind keine besorgten Bürger. Das sind einschlägige Neonazis!“

"Viele rechtsextreme Parteigänger dabei"

„Diese Aussage bezog sich auf eine Gruppe von einigen Personen, die an der Kundgebung teilnahmen“, sagt sie: „Eine Gruppe, über die nach Aussagen eines Zuhörers sogar RFJler meinten: „Wir haben da aber schon einigen Ruaß bei uns!“

Für sie ist aber auch Tatsache, dass es sich bei den Teilnehmern der FPÖ-Kundgebung kaum um „besorgte Bürger“ gehandelt habe, sondern im Wesentlichen um FPÖ- und RFJ-Mitglieder, Funktionäre und Anhänger: „Bei dieser FPÖ/RFJ-Kundgebung waren sicher nicht alle Neonazis, dafür viele rechtsextreme Parteigänger der Freiheitlichen, Sexisten und Leute, die mit Neonazis und Neofaschisten kein Problem haben“, sagt Sonja Grusch.

„Das ist ein Wahnsinn, was Frau Grusch da gesagt hat!“, ärgert sich FPÖ-Bezirksobmann Michael Bernard über den Neo-Nazi-Sager aus dem anderen Lager: „Meine Rechtsanwälte prüfen eine Klage!“ In dieselbe Kerbe schlägt auch Manfred Platschka von der Bürgerinitiative gegen Asylwerber in Mistelbach: „Das ist der Vorwurf einer strafrechtlich relevanten Tat. Wir prüfen eine Klage!“

Neusser gegen Neusser: Vater gegen Sohn

Gar nicht zufrieden, dass sein Name im Zusammenhang mit der Anti-Asyl-Demo der FPÖ am Mistelbacher Hauptplatz aufschien, war der Stronsdorfer SPÖ-Gemeinderat Harald Neusser. Denn bei der Demo dabei war sein Sohn Harald, der im Stronsdorfer Gemeinderat als Blauer sitzt. „Ich möchte mit den Aktivitäten der FPÖ und denen meines Sohnes nicht in Verbindung gebracht werden“, stellt Neusser sen. klar.

Wie die unterschiedliche politische Ausrichtung in der Familie gehandhabt werde? „Das ist privat kein Thema. Ich hab‘ zwei Enkelkinder, die mir sehr am Herzen liegen. Wir helfen uns gegenseitig, diskutieren manchmal, aber politisch gibt’s von mir keine Unterstützung!“


Manfred Platschka: Nicht FPÖ, sondern FPK-Mitglied

Für blaue Irritationen sorgte, dass Manfred Platschka, Gründer der Mistelbacher Anti-Asylanten-Bürgerinitiative, in der jüngsten NÖN als FPÖ-Gemeinderat bezeichnet wurde. Das stimmt nur noch bedingt. Während sich Platschka selbst sehr wohl noch als Freiheitlicher sieht, betont man bei der offiziellen FPÖ, dass er das nicht mehr ist:

Um das Jahr 2005 lief ein Parteiausschlussverfahren, seither ist er nicht mehr Mitglied der FPÖ-Bezirksgruppe und der Landes-FPÖ. Laut Freiheitlichen ist Platschka noch Mitglied bei der Freiheitlichen Partei Kärntens, FPK. Die soll allerdings demnächst mit der FPÖ wieder fusionieren. Welchen Status Platschka danach haben wird, ist offen.

Auslöser für das Parteiausschlussverfahren war das Antreten Platschkas bei der Gemeinderatswahl 2005 mit der Heimatliste Mistelbach HELM, fast hätte er damit die Kandidatur der FPÖ Mistelbach verhindert.

Differenzen mit der Bezirkspartei gab es aber schon vorher - unter anderem deshalb, weil Bezirksobmann Michael Bernard den nationalen Flügel der Partei entmachten wollte - und Platschka eben zu diesem zählt.