Erstellt am 04. Mai 2016, 06:04

von Werner Kraus

Frostschäden: "2016 ist Katastrophenjahr". Durch die fünf Tage anhaltende Kälte hat es so gut wie jede Obstart erwischt.

Wie groß die Schäden im Weinbau sind, ist noch nicht absehbar. Betroffen sind die Winzer im gesamten Bezirk, wobei es vor allem die tiefen Lagen getroffen hat. In ihnen hatte sich die kalte Luft gesammelt.  |  NOEN, zVg

Das Jahr 2016 können die heimischen Obstbauern als Katastrophenjahr abschreiben. Österreichweit gibt es im gesamten Obstbereich durch die Fröste der vergangenen Woche große Probleme.

Besonders stark hat es die Steiermark und das Burgenland getroffen, wo zum Frost auch noch Schneefall dazu kam.

Obstbauberater Josef Rögner meint, dass die Natur mit den Bauern eine richtige Salamitaktik fuhr: Jeden Tag ein Scheibchen mehr, sodass es nach fünf Frostnächten eigentlich fast alle getroffen hatte. Speziell die Erdbeeren und Marillen, aber auch der gesamte Steinobstbereich sind schwer betroffen.

Bis zu 95 Prozent Schäden

„Auch bei den Äpfeln sieht man ganz deutlich geschädigte Blüten“, betonte Rögner. Bei den Erdbeeren dürften die ersten 30 Prozent, die normalerweise die schönsten Früchte im Jahr sind, mit großer Sicherheit ausfallen.

Es kommen Blüten und Früchte nach, aber nur mit sehr geringem Ertrag - ganz Niederösterreich ist schwer betroffen. Obstbaumeister Robert Schreiber gingen rund 95 Prozent seiner Anlagen kaputt.

Er berichtete, dass es zwei verschiedene Extremfröste gab: Am Dienstag, den 26. April, war ein klassischer Windfrost, der sehr viele Schäden auch in hohen Lagen, in denen es sonst nicht friert, anrichtete.

x  |  NOEN, Werner Kraus


Bernhard Hauer aus Zlabern hatte bereits am 25. April schwere Frostschäden in seiner Anlage: „Wir haben ganz bewusst unsere Anlagen auf verschiedene Höhen und in alle Himmelsrichtungen aufgeteilt, um bei Hagel oder auch Frösten ausgleichen zu können.“

„Nach dem Frost am Dienstag hätte ich auch noch von einem durchschnittlichen Ertrag gesprochen“, betonte Dominik Schreiber. Es waren zwar in Poysdorf zehn Anlagen kaputt, aber Wetzelsdorf und Poysbrunn hatten „überlebt“. Am Freitagfrüh gab es einen klassischen Strahlungsfrost, wo bei klarem Himmel die kalte Luft von oben quasi herabdrückt. Dieser hat dann auch die Anlagen geschädigt, die noch gesund waren.

„Wenn man die Obstblüte aber öffnet, merkt man,
dass der Kern bereits schwarz ist. Sie ist tot!“

Mit fünf Frostnächten hat es dann im Bezirk eigentlich fast jeden Obstbauern erwischt. „Große Ausnahme ist Poysbrunn, wo in den Obstanlagen die Welt noch verhältnismäßig in Ordnung ist“, erzählt Robert Schreiber. „Eigentlich nicht erklärbar, warum hier, wie auf einer Insel, der Frost nicht so große Schäden angerichtet hat.“

Ein paar Kilometer weiter sind die Apfelanlagen von Peter Kribbel in Drasenhofen wieder schwer betroffen. Äpfel und Birnen sind versicherbar.

Bei Obstbauer Geyer in Wilfersdorf hat aber die Frostberegnung der Äpfel seine positive Wirkung gezeigt. „Steinobst ist derzeit nicht versicherbar, obwohl schon lange überlegt wird, wie dies gemacht werden könnte“, erzählt Robert Schreiber, der sich nun wünscht, dass auch den Obstbauern in Niederösterreich genauso wie den Steirern von politischer Seite geholfen werden würde.

Auch beim Wein dürfte es Schäden an den jungen Trieben geben. Alois Tögl aus Herrnbaumgarten spricht von 70 Prozent Schaden, andere wieder von 30 bis 50 Prozent.

„Schäden erst in einem Monat erkennbar“

Für den Wein war es ein früher Frost, viele Nebenaugen haben noch nicht ausgetrieben. Es könnte also noch glimpflich ausgehen. „Man muss abwarten“, sagt Winzerin Else Zuschmann aus Martinsdorf. Tatsächliche Schäden könne man erst in einem Monat beurteilen.

Der Frost ist für Winzer tragisch, aber bei weitem nicht so schlimm wie beim Obstbau. Verglichen mit dem Frost von 2012 ist der heurige sehr früh. „Aber die Weinernte wird heuer geringer ausfallen als im vergangenen Jahr“, ist Else Zuschmann überzeugt.

Betroffen sind beim Weingut Schöfmann-Zuschmann vor allem die tiefen Lagen, in denen sich die kalte Luft gesammelt hatte. „Jetzt heißt es abwarten, wie sich die Nebenaugen entwickeln“, sagt die Winzerin. Das sind jene Triebe, die normalerweise ausgeschnitten werden: „Reduzieren brauchen wir heuer auf jeden Fall nichts.“

Natürlich ist noch nicht aller Tage Abend und viele Schäden werden erst in den nächsten Wochen und Monaten ersichtlich. So gibt es auch bei Obstbäumen manchmal noch relativ schöne Blüten. „Wenn man diese aber öffnet, merkt man, dass der Kern bereits schwarz ist“, erkennt Obstbaumeister Schreiber sofort eine abgestorbene Blüte.