Erstellt am 26. November 2015, 05:33

von Ingrid Fröschl-Wendt

Recht auf Leben und Freiheit. Mikulov, Laa und Poysdorf gedachten den 53 Opfern, die am Streckenabschnitt entlang des Eisernen Vorhangs starben. Zeitzeugen und ehemalige Gefangene erzählten.

Erinnerungen an 53 Tote am Eisernen Vorhang: die österreichischen Vertreter Manfred Fass, Georg Eigner, Franz Hiller, Thomas Grießl, Brigitte Ribisch, die Botschaftsvertreter Martin Gartner und Jan Sechter, Honorarkonsul Georg Stöger, Pamet-Präsident Miroslav Kasacek, Ludek Navara, Roman Cely (Landeshauptmann.-Stellvertreter Kreis Südmähren), Propst Petr Pachner und Aixna Matoustova vom Kulturministerium.  |  NOEN, Ingrid Fröschl-Wendt

Erschreckende Aktualität hatte die Gedenkfeier der Opfer des Eisernen Vorhanges vergangenen Freitag in Mikulov, ein Projekt der Bürgervereinigung Pamet gemeinsam mit den Städten Laa und Poysdorf. 53 Menschen waren auf dem südmährischen Streckenabschnitt dem Eisernen Vorhang zum Opfer gefallen. Sie alle hatten für ihre Flucht in die Freiheit aus einem totalitären Regime ihr Leben riskiert. Das Denkmal soll an sie erinnern, da ihre Gräber bis heute nicht bekannt sind.

Angesichts der aktuellen Flüchtlingswelle sollte dieser Teil europäischer Geschichte nicht vergessen werden. Leider könne sie jederzeit wiederkommen, das betonten alle Festredner gleichermaßen. Neben Pamet-Präsident Miroslav Kasacek waren das die Bürgermeister, Brigitte Ribisch (Laa), Thomas Grießl (Poysdorf) und Rostislav Kostial (Mikulov).

„Das Recht auf die Freiheit und das Recht auf Leben gehören zu den bedeutendsten Menschenrechten“, war der Tenor der anschließenden Konferenz. Zeitzeugen und ehemalige politische Gefangene berichteten von ihren Erlebnissen und zwiespältigen Erfahrungen als Flüchtlinge. Der Vertreter des österreichischen Botschafters in Tschechien, Martin Gartner, mahnte zur Solidarität mit Flüchtlingen, damals wie heute.

Brisante tschechische Vergangenheit

Die Wissenschafterin Neela Winkelmann-Heyrovska beleuchte in ihrer Rede eine besonders brisante Facette der Tschechischen Vergangenheit: So seien die Verantwortlichen für die Todesschüsse am Eisernen Vorhang bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen worden, weil sich nach dem Umsturz des kommunistischen Systems die Menschen an den Hebeln der Macht gegenseitig gedeckt hätten. Nun könne man nach jahrelanger Arbeit einige Fälle endlich vor den Europäischen Gerichtshof bringen.