Erstellt am 26. November 2015, 06:18

von Valerie Schmid

Endlich frei leben ohne Gewalt. Durch Aktionen soll auf das oft tabuisierte Thema hingewiesen und dafür sensibilisiert werden.

Unterstützen die Aktionstage mit Seminaren für langzeitarbeitslose Frauen: das Team des Vereins »Frauen für Frauen« Bianca Woisetschläger, Martina Binder-Motal und Jutta Meißl.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Sind Frauen von häuslicher Gewalt betroffen, trauen sie sich oft nicht, darüber zu sprechen und um Hilfe zu bitten. Dem sollen die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ entgegenwirken: „Die Aktion versucht, für die immer noch existierende häusliche Gewalt an Frauen zu sensibilisieren“, erklärt Sozialarbeiterin Claudia Fath-Kuba vom Frauenhaus.

Heuer haben bereits – bis Oktober 2015 – 30 Frauen und 24 Kinder dort um Hilfe angesucht. Zwei Psychologinnen und zwei Sozialarbeiterinnen stehen für die Hilfesuchenden zur Verfügung. Die Aufenthaltsdauer unterscheidet sich sehr: Manche bleiben nur eine oder zwei Wochen, manche bleiben bis zu einem Jahr. Genauso unterschiedlich verhält es sich bei der gesellschaftlichen Zusammensetzung: „Hier sind alle Schichten vertreten. Ich glaube, das ist auch etwas, was viele nicht wissen“, meint Sylvia Hochmeister, Sozialarbeiterin im Frauenhaus. Viele Menschen seien der Meinung, dass vor allem ausländische Frauen und Frauen aus den unteren sozialen Schichten betroffen sind. „Aber tatsächlich tritt Gewalt in allen Schichten und Ländern auf“, so Hochmeister.

„Die 16 Tage gegen Gewalt dienen auch der Enttabuisierung!“
Martina Binder-Motal, Verein Frauen für Frauen

Dieselben Erfahrungen beschreibt das Beratungszentrum „Frauen für Frauen“. Das Zentrum arbeitet während der Aktion „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ mit dem Frauenhaus zusammen: „Wir bieten unterschiedliche Beratungsmöglichkeiten an“, berichtet Martina Binder-Motal. Sie ist Projektkoordinatorin in Mistelbach und ist in der Frauenservicestelle tätig. Die Themen reichen vom Wiedereinstieg in den Job über Beziehungsprobleme bis hin zu Erziehungsproblemen und psychosozialer Beratung. Wöchentlich stehen Juristinnen zur Verfügung, die gemeinsam mit Betreuerinnen etwaige Prozesse von Klientinnen begleiten.

„Im letzten Jahr hatten wir rund 200 Frauen, die eines oder mehrere Angebote in Anspruch genommen haben. Die 16 Tage gegen Gewalt dienen auch der ‚Enttabuisierung‘“, sagt Binder-Motal. Während die Zahl jener, die die Beratung aufsuchen kontinuierlich steigt, bleibt die Zahl der Frauen in Not, die zum Frauenhaus kommen konstant. Ein Grund für eine steigende Inanspruchnahme der Beratungen könnte das gestiegene Bewusstsein für die Rechte und Möglichkeiten von Frauen sein.

Nicht nur die gesellschaftliche Wahrnehmung des Themas hat sich geändert, sondern auch die Gesetzeslage. Das Gewaltschutzgesetz existiert seit etwa 20 Jahren. Dadurch kann die Polizei bei häuslicher Gewalt gezielt eingreifen, den Täter vorübergehend vom gemeinsamen Wohnort abhalten und die Tat unterbrechen. „Die Einführung des Gesetzes war wie ein Quantensprung. Ich war ein bisschen dabei, wie das Gesetz noch in den Kinderschuhen steckte“, berichtet Florian Ladengruber, Chef des Bezirkspolizeikommandos. Früher sei man der Ansicht gewesen, „der Mann könnte nicht ohne Frau leben oder dergleichen“. Das habe sich im Vergleich zu heute sehr geändert. Auch er weiß von ungefähr 30 Frauen pro Jahr, die wegen häuslicher Gewalt zur Polizei kommen. Eine Dunkelziffer gäbe es, da sind sich alle einig.


Im Detail

„16 Tage gegen Gewalt an Frauen ist“ eine internationale Kampagne, die jedes Jahr von 25. 11. bis 10. 12. stattfindet. Weltweit nützen Fraueninitiativen den Zeitraum vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. 11.) bis zum Internationalen Tag der Menschenrechte (10. 12.), um auf das Recht auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam zu machen.