Erstellt am 22. April 2016, 05:04

von Ingrid Fröschl-Wendt

Gemeinde in der Zwickmühle: Biotop oder Ackerfläche?. Eigentlich ist es Gewerbegrund. Da er nicht verkauft wurde, bildete sich am feuchten Feld ein Biotop. Für die die Nutzung als Acker stört das Wasser aber.

Hubert Bittmann, Stadträtin Isabella Zins und Florian Uhl sorgen sich um das Biotop im Thayapark. Rechts ist das bestehende Biotop zu sehen, links der Acker, der als Weide einst zusätzlichen Lebensraum schuf. Im Hintergrund ist stehendes Wasser im Acker zu erkennen.  |  NOEN, Ingrid Fröschl-Wendt

Seit Jahren schwelt die Diskussion um das Biotop im Thayapark hinter den Gewerbeflächen. Aktuell kocht sie wegen des Nachbargrundstückes wieder hoch, das von einer Weidefläche nun in ein Ackerland umgewandelt wurde und vermischt Politik und Umweltschutz.

Kurz zur Chronik des Biotops: Die Gewerbegründe an der Straße zwischen Laa und Hanfthal wurden von der Stadtgemeinde Laa einst gekauft, um neben Betrieben auch die Eislaufbahn und den Sportplatz hier anzusiedeln. In der zweiten Reihe, die teilweise bis heute brach liegt, sammelte sich - wohl infolge kaputter Dränagen - stehendes Wasser. Der Grundwasserspiegel ist hier hoch und geht auf eine seit Jahrhunderten bestehende Aulandschaft als Nebenlinie der Thaya zurück.

„Wenn diese Tiere hier nicht mehr
ihren idealen Lebensraum vorfinden,
werden sie weiterziehen!“
Ornithologe Manuel Denner

Dieser langen Wassergeschichte ist es wahrscheinlich auch zu verdanken, dass sich in dem stehenden Gewässer relativ bald Bewohner angesiedelt hatten – und zwar ganz besonderer Art: die Vogelarten Kiebitz, Rotschenkel, Schafstelze, sowie die Amphibien Knoblauchkröte und Moorfrosch, die zu den hochgradig gefährdeten Tierarten des Weinviertels gehören und außer in den March-Thaya-Auen sonst kaum mehr zu finden sind, weiß Ornithologe Manuel Denner von Birdlife.

Diese Tiere brauchen allerdings neben dem klassischen Biotop, das von allen Mitgliedern der Stadtregierung anerkannt wird, auch eine offene Grasfläche. Auf Anraten von Experten wurde daher der neben dem Biotop liegende Grund als Weidewiese verpachtet. Diese Wiese war durch den ebenfalls fallweise hohen Wasserstand zwar ärgerlich für den Pächter, für die seltenen Tierarten aber idealer Lebensraum.

Doch diese Zeiten sind vorbei, da der aktuelle Pächter keine Weidewirtschaft mehr betreibt. Also wird die Fläche als Acker genutzt. Nun beginnt das Problem. Ist für eine Weide stehendes Wasser zwar ärgerlich aber akzeptabel, ist es für eine Ackerbewirtschaftung unmöglich.

Ornithologe Denner: "Könnte mit Kompromisse vorstellen"

Das schürt nun bei den Freunden des Biotops, wie Florian Uhl und Hubert Bittmann, die Sorge, dass das Feld entwässert werden könnte und somit nicht nur den wichtigen Lebensraum der Vögel und Kröten vernichtet, sondern sogar noch dem angrenzenden Biotop das Wasser entzieht. ProLAA-Stadträtin Isabella Zins verweist dabei auf Zusicherungen der Stadtregierung vor einigen Jahren, sich für das Biotop einzusetzen, sowie den bestehenden Wasserentwicklungsplan.

Ornithologe Manuel Denner hält die Sorge für berechtigt. „Wenn diese Tiere hier nicht mehr ihren idealen Lebensraum vorfinden, werden sie weiterziehen. Und sie brauchen nicht nur das hohe Schilf des Biotops, sondern auch eine niedrig gehaltene Wiese.“

Er könnte sich aber durchaus Kompromisse vorstellen: Da nicht der gesamte Ackergrund derartig tief liegt, würde es genügen, nur die tiefsten und nassen Stellen als Wiese zu belassen und sie zwei bis drei Mal im Jahr zu mähen. Der Rest könnte als Ackerfläche genutzt werden.

Ein Gewerbegebiet wäre das Ende des Biotops

Der schlimmste Fall ist für Denner allerdings der Verkauf des Ackers als Gewerbegrund, wofür er ursprünglich ja auch gedacht war. „Wenn hier ein Betrieb ansiedelt, geht es nicht anders, als den Acker zu entwässern. Das würde auch dem Biotop das Wasser entziehen und es wäre damit zerstört.“

Bürgermeisterin Brigitte Ribisch fühlt sich in der Zwickmühle, den diese Gründe wurden einst für teures Geld für Betriebe gekauft, und schließlich sind es die Betriebe, die eine Stadt finanziell am Leben halten. Derzeit gibt es noch keine Interessenten an diesem Grundstück und Stadträtin Isabella Zins appelliert, für Betriebsansiedelungen zuerst die freien Grundstücke gegenüber des Thayaparks zu nutzen.