Erstellt am 09. November 2015, 09:55

von Michael Pfabigan

Grüne Pürkl: „Meine Großmutter trug immer Kopftuch“. Grüne-Politikerin Martina Pürkl sieht kein Problem in Veränderung durch Zuwanderung. Weil sich immer alles ändert.

 |  NOEN, zVg

„Dann laufen wir alle mit einem Kopftuch herum!“, befürchtete FPÖ-Gemeinderat Anton Brunner in der jüngsten Gemeinderatssitzung, als er vor einer (moslemischen) Flüchtlingsflut in Mistelbach warnen wollte.

„Mir egal, meine Großmutter lief auch immer mit dem Kopftuch herum!“, kontert Martina Pürkl, Mistelbachs letzte Ex-Grüne-Gemeinderätin, die sich jetzt in der Flüchtlingshilfe Mistelbach engagiert.

„Seit 50 Jahren verändert sich mein Leben“

„Wenn wir ein Leben gerettet haben, braucht es eine Zukunft. Die Menschen brauchen winterfeste Unterkünfte, sie werden arbeiten wollen - nein, sie müssen - und die Kinder sollen, endlich, wieder zur Schule gehen!“, findet die streitbare Mistelbacherin Pürkl. Das sei zwar nicht einfach, aber zu schaffen.

Und dann? „Dann leben sie unter uns. Dann sind sie da und wir spüren sie. Die Flüchtlingskinder gehen mit Österreichischen in die Schule, sie fahren Bus, sprechen Arabisch, Kurdisch oder Farsi. Sie feiern Ramadan oder Weihnachten, tragen Kopftuch oder Rauschebart“, sagt Pürkl, der bewusst ist, dass sich viele, die gerne Menschenleben retten wollen, gleichzeitig wünschen würden, dass die Geretteten unsichtbar, unhörbar und nicht spürbar sein sollen. Alles solle so bleiben, wie es schon immer war.

Für Pürkl ist das unmöglich: „Seit 50 Jahren verändert sich mein Leben. Ich habe vieles in der Schule gelernt, vieles davon habe ich nicht gebraucht. Und in der Arbeit ändert sich ständig alles. Change Management nennt man das“, sagt sie: „Und da soll mir noch einer sagen: Es soll alles bleiben, wie bisher!“ Ein Plädoyer für mehr Mut vor der Zukunft.