Erstellt am 10. Dezember 2015, 05:03

von Valerie Schmid

Hoffen auf die Konkurrenz. Noch weiß keiner, was nach dem Zusperren der Filiale passieren wird und was das nun für das Zentrum bedeutet.

Der finale Zusperrtermin der Mistelbacher Zielpunkt-Filiale wird vermutlich Ende Jänner sein.  |  NOEN, Pfabigan

Für die Mitarbeiter kam die Insolvenz-Anmeldung von Zielpunkt "wie aus heiterem Himmel". Die vier Lebensmittelläden in Mistelbach, Poysdorf, Wolkersdorf und Gerasdorf werden bald Geschichte sein. „Ungefähr 60 Mitarbeiter sind im Bezirk betroffen“, so der Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer, Rudolf Westermayer.

Wie die Arbeiterkammer bei einer Insolvenz-Infoveranstaltung in der Bezirksstelle mitgeteilt hat, wird jetzt versucht, die Forderungen nach dem versprochenen Weihnachtsgeld und dem Novembergehalt vor Gericht durchzusetzen. „Ich weiß nicht, was mit den Mitarbeitern passiert. Noch sind keine Kündigungen ausgesprochen worden“, so Westermayer.

Auch die Zielpunkt-Mitarbeiter in der Filiale in Mistelbach am Hauptplatz wissen nicht, wie es weitergehen soll: „Das kam für uns wie aus dem Nichts. Ich wurde von meinem Chef per Telefon am Mittwoch-Abend benachrichtigt und dann habe ich gleich meine Kolleginnen kontaktiert, die das teils schon aus den Nachrichten erfahren hatten. Zum Glück halten wir zusammen“, erzählt Filialleiterin Elvira Steffler.

„Bis zuletzt haben wir  nichts geahnt“

Auch hätten sie ihren Gehalt schon seit November nicht mehr bekommen, vom Weihnachtsgeld sei keine Rede. Das finale Zusperren soll vermutlich im Jänner erfolgen. „Bis zuletzt haben wir nichts geahnt. Auch, weil eigentlich im kommenden Jahr sogar noch ein weiterer Mitarbeiter eingestellt hätte werden sollen und umgebaut wurde ja auch noch.“

Auch der Fleisch- und Wurst-erzeuger Schirnhofer, der seinen Hauptsitz in der Steiermark hat, hat Insolvenz angemeldet: „Teilweise werden wir noch beliefert, auch von den anderen Ketten, aber nicht vollständig“, so die Filialleiterin. Dadurch, dass zwei Drittel des gesamten Umsatzes aus Geschäften mit Zielpunkt stammen, werde auch Schirnhofer große Schwierigkeiten bekommen, erklärt Rudolf Westermayer von der AK.

Mit der Insolvenz-Anmeldung gar nicht gerechnet hat Kunde Karl Langer: „Für mich kam das sehr überraschend und ich finde, dass der bald fehlende Zielpunkt einen großen Verlust darstellen wird. Wir sind wegen der vielen Aktionen immer hierher gefahren“, erzählt er.

Folgen für das Zentrum in Mistelbach

Was bedeutet das nun für das Zentrum Mistelbachs? „Es ist schlimm, dass das Geschäft zusperrt, vor allem weil ja immer Schüler zu uns kamen und sich gern eine Wurstsemmel oder dergleichen gekauft haben. Trotzdem glaube ich nicht, dass das Gebäude leer stehen bleibt“, so Birgit Marchhart, eine Mitarbeiterin von Zielpunkt. Sie spekuliert auf eine Übernahme durch Spar.

Konkrete Infos, ob sich die Konkurrenz für den Standort interessiert, gibt es aber nicht. Unter dem Motto „Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf“ hofft sie trotzdem noch auf ein gutes Ende. Vor allem tut es den Mitarbeiterinnen um die gute Arbeitsgemeinschaft innerhalb des Geschäfts leid, die würden sie am liebsten beibehalten.

Citymanager Erich Fasching sieht den Filialschluss hingegen sogar als eine Chance für das Mistelbacher Zentrum: „Der Standort ist gut, aber der Zielpunkt war einfach nicht mehr zeitgemäß. Genau das kam auch bei der Kaufstromanalyse, die von der Wirtschaftskammer vor ein paar Jahren durchgeführt worden war, heraus.“

Er glaubt nicht, dass eine vierte Billa-Filiale in Mistelbach entstehen wird, aber „einen gut sortierten“ Spar könnte er sich durchaus vorstellen. Die fehlende Zuordnung – Zielpunkt war einerseits kein Discounter, aber auch kein Qualitätsmarkt – habe sicher zum Verlust beigetragen.

„Von meiner früheren Arbeit im Rewe-Konzern habe ich auch mitbekommen, wie viele Machtintrigen mit im Spiel waren. Zielpunkt ist von vielen Mächten kaputt gemacht worden“, so Fasching. „Wir müssen jetzt ein bisschen Zeit verstreichen lassen und das Problem dann verkäuferisch gut angehen“, so der Citymanager.

Neben Konzernen wie Rewe und Spar sei es für Zielpunkt schwer gewesen mitzuhalten.