Erstellt am 13. Mai 2016, 08:14

von Michael Pfabigan

„Ich wäre narrisch geworden!". Nachbarn vor Gericht: Zeugen stützen Aussagen zu Lärmbelästigung und dem Verbrennen von Laminatbrettern.

Michael Pfabigan

Nächste Runde im juristischen Schlagabtausch zweier Wolkersdorfer Nachbarn rund um Lärm und Gestank: Beim Termin Mitte April hatten sich zwei Zeugen entschuldigen lassen, am 6. Mai wurden diese vom Bezirksgericht Mistelbach einvernommen.

Die Zeugen? Ein weiterer Nachbar und ein Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, der als Sachbearbeiter die starke Rauchentwicklung am 31. Mai 2015 bearbeitet hatte.

Damals hatte einer der beiden Wolkersdorfer aus der Alleegasse in seinem Rohbau eingeheizt, weshalb ein Passant wegen der Rauchentwicklung die Feuerwehr rufen wollte.

Laminatböden verheizt?

Die Polizei hatte dann festgestellt, dass im Ofen Laminatböden verheizt worden seien. Ob es von der Bezirkshauptmannschaft weitere Erhebungen gegeben hätte, will die Richterin wissen. „Die Polizei kann als unser Organ verwendet werden, in diesem Fall haben wir niemanden sonst hingeschickt“, sagt der Zeuge. Die Erhebungen der Beamten seien eindeutig gewesen.

Er widerspricht damit der Aussage eines Rauchfangkehrers, der in der April-Verhandlung betont hatte, dass in dem Ofen nur erlaubtes Holz verbrannt worden sei. Das habe er an der Asche sehen können, hatte er beteuert.

Das glaubte wieder der sich gestört fühlende Nachbar nicht: Er legte Anfragebeantwortungen der Landesinnung der Rauchfangkehrer und eines chemischen Labors vor, wonach eine derartige Sicht-Analyse unmöglich sei.

Nach einer weiteren Anzeige sei die Bezirkshauptmannschaft aber zum Anwesen des Wolkersdorfers ausgerückt: Die technische Gewässeraufsicht war vor Ort und untersuchte nach einer Anzeige im Februar, ob verbotene Brennmaterialien am Grundstück gelagert werden.

Ergebnis: negativ. Kein beschichtetes Material, kein Laminatholz: „Mehr darf ich darüber nicht sagen, das ist ein schwebendes Verfahren!“, sagte der BH-Mitarbeiter. Vor Jahren hatte die BH schon einmal am Grundstück zu tun: Damals waren alte, geteerte Telefonmasten dort gelagert, die mussten dann aber über die NUA als gefährlicher Abfall entsorgt werden.

"Das ist nervtötend"

Vor allem vom Lärm gestört fühlt sich ein weiterer Anrainer der Alleegasse: „Das geht kling-kling-kling, Pause, kling-kling-kling. Das ist nervtötend!“

Der 83-jährige Mann kann die Beschwerden des zweiten Nachbarn nachvollziehen. Angesprochen habe er den Hämmerer nie auf die Störgeräusche: „Ich habe mir gedacht, da kann man eh nichts dagegen machen!“

Stattdessen sei er ins Haus gegangen. Er habe neue Fenster und Türen, da habe er von dem Gehämmer nichts mehr gehört: „Wenn ich draußen geblieben wäre, ich wär’ narrisch geworden!“

Das Verfahren um Lärm und Rauch zieht sich seit 2013. Ob er sein Lärm- und Einheizverhalten seither geändert habe, wollte die Richterin vom mutmaßlichen Störenfried wissen.

Nein, er mache alles wie bisher, sagt der. „Nicht ganz“, schränkt sein Nachbar, der sich durch seine Aktionen gestört fühlt, ein: „Ein Jahr lang war Ruhe“, das sei aber wieder vorbei.


Was bisher geschah...

  • Zwei Nachbarn liegen seit mehreren Jahren in diversen Rechtsstreitigkeiten miteinander im juristischen Clinch.
  • 2013 hatte einer der beiden eine Unterlassungsklage erwirkt: Es steht der Vorwurf des einen Nachbarn im Raum, der zweite würde kunststoffbeschichtetes oder sonst kontaminiertes Holz verheizen und durch das Zerlegen von alten Holzpalletten und der anschließenden Bearbeitung der herausgezogenen Nägel übermäßig Lärm erzeugen. Damals hatte das Gericht dem klagenden Nachbarn recht gegeben, nach einem Jahr Ruhe hatte er die Exekution des Titels eingeklagt. Der Nachbar hatte mit einer Gegenklage geantwortet (Oppositionsklage).
  • Der sich gestört fühlende Wolkersdorfer wohnt seit den 1970er-Jahren in der Alleegasse, sein Nachbar bekam das Grundstück aus Familienbesitz 1998.