Erstellt am 25. Februar 2016, 05:04

von Michael Pfabigan

Info-Nachmittag für Flüchtlinge: Zu wenig Zahnarzt-Termine. Stadt, Polizei und Bezirkshauptmannschaft informierten über die in Österreich geltenden Regeln des Zusammenlebens, Asylwerber stellten Grundsatzfragen.

Informationen zum Leben in Österreich und den hier geltenden Regeln des Zusammenlebens gab es für die rund 60 Flüchtlinge im ehemaligen Schuster-Wirtshaus. Polizei, Bezirkshauptmannschaft, Gemeinde und GAUM informierten.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Was die knapp 60 Flüchtlinge in erster Linie brauchen, die im ehemaligen Schuster-Wirtshaus seit Anfang des Jahres untergebracht sind? Informationen.

Das zeigte ein Info-Nachmittag, den die Stadtgemeinde rund um Flüchtlingskoordinatorin Brigitte Schodl in der Vorwoche organisiert hatte: Was sind bei uns akzeptable Verhaltensweisen? Wenn einem eine Frau die Hand gibt, dann ist das noch kein Flirten und im Bad sind auch Frauen relativ unbekleidet. Informationen, die die Polizei den in Lanzendorf untergekommenen Männern und Frauen vortrug.

Auch dass staatliches Recht über religiösem Recht steht, war für die Syrer und Afghanen noch zu verstehen. Schwerer war es da schon bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften: „Wir übersetzen das gerne, aber sie werden es uns nicht glauben“, kommentierte es eine Dolmetschin, übersetzte es und schob ein „Gott bewahre“ nach. Infos über die Rechte der Kinder gab es auch von der Jugendfürsorge der Bezirkshauptmannschaft und Tipps zur richtigen Mülltrennung vom Abfallverband GAUM.

Infos über Verkehrsmittel und Rechtssystem

Was wollten die Flüchtlinge wissen? Wie das mit Strafen ist, die man fürs irrtümliche Schwarzfahren in Bussen bekommen habe, wollte ein Mann wissen. Grundsätzlich solle es mehr Infos darüber geben, wie Busfahren und der Ticketkauf in Österreich funktionieren.

„Wir haben zwar Fahrräder bekommen, ich traue mich aber nicht auf der Straße fahren, weil ich keine Ahnung von den hier gültigen Verkehrsregeln habe“, klagte ein Flüchtling. Entsprechende Schulungen wurden in Aussicht gestellt.

Wie die Anrechnung von Zeugnissen in Österreich funktioniere, wollten zwei Männer wissen. Einer von ihnen hatte in Syrien als Rechtsanwalt gearbeitet und würde seine Kenntnisse auch gerne bei uns einsetzen. Die Dolmetschin für Farsi gab Auskunft bzw. nannte ihm Ämter, die Hilfe bieten können.

Krankenversorgung als echtes Problem

Dürfen Einkaufswagerl bis zur Flüchtlingsunterkunft geschoben werden? „Nein, das wäre Diebstahl“, sagt die Polizei. Abhilfe sollen Bollerwagerl bringen, die Gemeinde ist gerade an der Lösung des Problems.

Ein echtes Problem dürfte die Krankenversorgung der Flüchtlinge darstellen: „Ich bekomme für hundert Flüchtlinge (Lanzendorf und Wilfersdorf) nur drei Termine in der Woche beim Zahnarzt“, sagte der Leiter der Flüchtlingsunterkunft Lanzendorf. Der Bedarf sei aber weit höher. Und beim Allgemeinmediziner und im Landesklinikum müssten Flüchtlinge warten, wie jeder andere Patient auch. Das sei lästig, aber nicht zu verhindern, sagte der Unterkunft-Leiter.

Wie schwierig das beengte Zusammenleben zwischen den einzelnen Nationen ist, zeigte der Umstand, dass die Afghanen sich immer wieder vom arabisch-stämmigen Unterkunftleiter benachteiligt fühlten. Die Ursache für manches davon mag in fehlender oder fehlerhafter Kommunikation zwischen den Gruppen liegen.