Erstellt am 23. September 2015, 06:02

von Michael Pfabigan

Wenig Säure, kräftig und gehaltvoll. Die Weinlese ist im Gang, aber wie wird der heurige Heurige? Die Mistelbacher NÖN fragte bei Winzerinnen nach.

Erwartet sich vom Jahrgang 2015 kräftige und gehaltvolle Weine: Landesweinkönigin Christine I. Hugl.  |  NOEN, zVg

Ich stehe lieber in voller Wintermontur im Weingarten als in der kurzen Hose! Denn das ist besser für die Aromatik des Weines!“, kommentiert die Poysdorfer Winzerin Marion Ebner-Ebenauer die Weinernte nach dem Mega-Sommer. Und auch Romana Haindl-Erlacher aus Wolkersdorf bestätigt das: „Sobald es hell ist, sind wir im Weingarten, sobald es warm wird, müssen die Trauben im Keller sein!“

Auf die Qualität des Endproduktes sollten die Temperaturextreme keine Auswirkungen haben: Haindl-Erlacher greift auf das in ihren „Wanderjahren“ in wärmeren Ländern erworbene Wissen zurück, Ebner-Ebenauer verweist auf die Erfahrungen aus dem Hitzejahr 2011: „Da haben wir zum Glück einiges an Erfahrung mitgenommen!“

Sommerliche Extremhitze als Problem

Die sommerliche Extremhitze war das größte Problem der Winzerinnen: „Ohne Möglichkeit einer Bewässerung ging das nicht spurlos an den Rebstöcken vorüber“, sagt Romana Haindl-Erlacher: „In manchen Lagen haben wir Trockenschäden, verkümmerte, kleine Trauben, in anderen kam der Regen in allerletzter Minute und die Trauben konnten einen Wachstumsschub zuschalten!“

1.500 Setzlinge haben Marion Ebner-Ebenauer und ihr Gatte in ihren Lagen heuer nachgesetzt, 50 % davon trieben wegen der Hitze trotz händischer Bewässerung nicht an: „Unglaublich, all die Arbeit!“ Ihr bereitet auch der immer frühere Erntebeginn Sorgen: „Noch vor ein paar Jahren haben wir vor dem 1. Oktober keine Traube angeschnitten, heuer mussten wir bereits am 11. September unsere ersten Trauben für Sektgrundwein pflücken, weil sie schon Kabinettreife hatten!“

Wie wird er also, der 2015er-Jahrgang? „Ich bin leider keine Hellseherin“, sagt Ebner-Ebenauer, sie erwartet sich niedrige Säurewerte, „ob ein Trockenstress in den Weinen spürbar sein wird, werden wir sehen.“

"Eher kräftige und gehaltvolle Weine"

Optimistisch für den Jahrgang 2015 ist auch Haindl-Erlacher: „Es ist ein 5er-Jahrgang, vielleicht bewahrheitet sich die alte Faustregel, nach der die ungeraden Jahre bessere Weinjahre sind!“ Dank guten Wetters und Sonnenscheins hätten die Winzer einen Reifevorsprung gegenüber dem Vorjahr mit gesunden Trauben und gutem Geschmack. Und die kühlen Septembernächte würden da noch helfen.

„Der Jahrgang 2015 wird uns eher kräftige und gehaltvolle Weine bescheren“, glaubt Landesweinkönigin Christine Hugl aus Stützenhofen. Die hohe Trockenheit des vergangenen Sommers wird sich in höherem Zuckergehalt und geringerer Säure bemerkbar machen. „Aber im Endeffekt kommt es doch auf das Feingefühl des Winzers an, vor allem der richtige Lesezeitpunkt ist ausschlaggebend!“, sagt Christine I. „Und für Rotweine wird der 2015er-Jahrgang sicher ein ganz besonderer werden, da sich die Trauben durch das fehlende Wasser perfekt entwickeln konnten!“