Erstellt am 09. März 2016, 05:04

von Michael Pfabigan

Jesus Christus ist ein Rockrebell. Der A capella Chor inszeniert einen gewaltigen „Jesus Christ Superstar“.

 |  NOEN, Michael Pfabigan

Jesus, der Rockstar, in schwarzem Leder und mit Tattoos auf den muskulösen Oberarmen. Judas mit weißer Weste, Maria Magdalena in roten Highheels und freizügigem Outfit. Pontius Pilatus in der Zwangsjacke und ein schuhplattelnder Herodes: Es sind einige Stilbrüche, die Regisseur Oliver Timpe dem „Jesus Christ Superstar“ des A capella Chores Weinviertel verpasst hat. Am 4. März war im Mistelbacher Stadtsaal Premiere, vom Publikum gab es minutenlange Standing Ovations.

Die Inszenierung des 1971 von Andrew Lloyd Webber geschriebenen Musicals ist in mehrfacher Hinsicht mutig: Bewusst wurde die deutsche Fassung gewählt: „Die ist viel unmittelbarer“, sagt Obmann Reinhard Hirtl. Mutig auch die deutliche Formensprache, in der Oliver Timpe, der schon den Weinviertler „Je:damaun“ effektvoll in Szene gesetzt hatte, seinen „Jesus Christ Superstar“ inszenierte: Jesus als Rockstar, ein Leben voll Sex, Drugs und Rock. Seine Gegner? Der Nadelstreif-Sanhedrin des Establishments. Maria Magdalena: ein Groopie, die Liebe Jesu.

Zeitkritisch auch die Details: Die Geldwechsler im Tempel sind fanatische Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürtel.

 

Die Darsteller im Einzelnen: Sensationell Markus Neugebauer als Jesus, nicht nur gesanglich erinnert er phasenweise an Axl Rose in seinen besten Zeiten. Maria Magdalena (Melanie Schwarz und Barbara Schreiber) als Bitch in Highheels, aufreizend und hingebungsvoll. Kraftvoll legt Reinhard Reißkopf den Judas an. Einen Judas, der weiß trägt und mit seinem Schicksal hadert, der zerrissen ist und dem der Sex und Drugs-Weg von Jesus nicht gefällt. In der Zwangsjacke steckt Pontius Pilatus (Reinhard Hirtl), gefangen in seiner Rolle, zu entscheiden, was er nicht entscheiden will.

Herodes als Weinviertler Goldstück

Ein Weinviertler Goldstück ist Herodes: Mit wunderbaren Hörnern, Goldflitter und viel BlingBling schuhplattelt Roman Beisser mit seinem Hofstaat zum ins Weinviertlerische übertragenen Text. Annas und Kaiphas – Engelbert Exl und Christoph Fath – sind die Spitzen des Anzug tragenden Sanhedrin, denen der (Rock)Rebell Jesus ein Dorn im Auge ist.

Jesus stirbt, wie es einem Rockstar gebührt: an einem aus Bühnentraversen gezimmerten Kreuz.

Der Chor wird nicht versteckt: Als Apostel, Volk und mörderischer Mob ist er ständig auf der Bühne, der Off-Chor kommt dann nur zum Applaus nach vorne.

Rund 100 Mitwirkende hat die Inszenierung, 37 davon stehen auf der Bühne. Die meisten von ihnen sind berufstätig und nur hobbymäßig Chorsänger. Was ein Gegensatz zur gebotenen Qualität ist: Denn die ist nicht hobbymäßig, sondern sensationell!


Karten & Co

Nahezu alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft, Karten gibt es nur noch für die Zusatzvorstellungen am 10. März und am 17. März, jeweils um 19.30 Uhr.

Kartenvorverkauf unter 0676 501 73 34 bzw.  www.a-capella-chor.at