Erstellt am 20. April 2017, 04:00

von Isabella Eisnecker

Rauswurf als letzter Ausweg. Mira Achter berichtet als junges Vorstandsmitglied aus ihrer Sicht über die Jungen Grünen.

Christian Schrefel, Parteichef der WUI: „Dies trägt leider überhaupt nicht die Handschrift der Grünen.“ Mira Achter, Vorstandsmitglied WUI: „Ich denke, dass die Jungen Grünen ein Stück die Welt verbessern wollen.“  |  zVg/Christoph Gorka

„So weit meine Einblicke in die Aktivitäten der Jungen Grünen reichen, stehen diese vor einer sehr schwierigen Situation“, berichtet Mira Achter, Vorstandsmitglied der Wolkersdorfer Grünen WUI. In der Partei selbst gibt es für Mira Achter zwar keine Verpflichtungen, denen sie direkt nachkommen muss, aber es werden immer eigene Veranstaltungen geplant und von anderen Mitgliedern unterstützt.

Sie selbst ist zwar kein Mitglied der Jungen Grünen, doch selbst jung und grün. „Der Rauswurf der Grünen betrifft mich nicht direkt. Uns stehen nach wie vor Räumlichkeiten und finanzielle Unterstützung zur Verfügung.“

„So weit mein Einblick reicht, stehen die Jungen Grünen im Moment vor einer schwierigen Situation.“Mira Achter Vorstandsmitglied WUI

Seit 1. April haben die Grünen keine anerkannte Jugendorganisation mehr. Grund dafür: Die Jungen Grünen unterstützten bei der Österreichischen Hochschülerschaftswahl die „Grünen Studierenden“. Offiziell auf der Grünen-Liste und somit die Unterstützung der Grünen zugesprochen hatte jedoch die Fraktion GRAS (Grüne und alternative Studentinnen).

„Das Problem hätte einfach dadurch gelöst werden können, dass die Bundesführung den „Grünen Studierenden“ keine Unterstützung zukommen lässt.“ Somit strebten die Jungen Grünen eine Gegenkandidatur an. Ebenso gab es bereits Spannungen, als Flora Petrik, Chefin der Jungen Grünen, in einem offenen Brief den Rücktritt von Klubobfrau Eva Glawischnig forderte.

Nach dem Rauswurf wurde auch klar, dass die ehemalige Spitze, inklusive Flora Petrik, zurücktritt, um Platz für einen Neuanfang zu schaffen.

Achter: "Problem lag in Kritik an Parteiführung"

Derzeit sieht es so aus, als würde im Juni ein neuer Vorstand aufgestellt werden, mit dem die Bundesführung wieder zusammenarbeiten wird. „Leider wird das sicherlich auch dazu führen, dass einige Mitglieder der Jungen Grünen nicht mehr als Jugendorganisation der Grünen arbeiten wollen“, so Achter.

Ebenso spricht Mira Achter davon, dass gerade die Grünen immer versuchen, selbstkritisch zu sein. Auch wird darauf Wert gelegt, dass sie nicht so hierarchisch und starr sind. Also hätte man sich gerade bei der Bundespartei, die durch die lange Tätigkeit im politischen System diese Haltung vielleicht schon etwas verloren hat, eine andere Reaktion auf den Konflikt erwartet. Rauswurf hätte nur der letzte Ausweg sein sollen, der noch nicht von Nöten gewesen war. Ebenso ist im Endeffekt nicht ganz klar, von wem der Konflikt ausging und welches Kalkül dahinter steckte.

Doch Mira Achter denkt, dass das Problem viel tiefer lag: „Das Problem lag in der vielen Kritik, die die Jungen Grünen an der Parteiführung und -struktur übten. Es ging darum, offen seine eigene Meinung sagen zu können, auch wenn sie von der Parteilinie abweicht.“

Schrefel: "Tragen nicht Handschrift der Grünen"

„Ich fand es sehr schade, was mit den Jungen Grünen passiert ist. Dies trägt leider überhaupt nicht die Handschrift der Grünen. Es ist viel Schaden angerichtet worden. Nun ist es aber wieder Zeit, sich die Hände zu reichen“, schließt sich WUI Parteichef Christian Schrefel der Meinung von Mira Achter an.

Eine „beste“ Lösung gibt es wohl nach dem Rauswurf der Jungen Grünen nicht mehr. Um mehr Rotation in die politischen Ämter zu bekommen, haben die Jungen Grünen eine Veränderung der internen Postenverteilung und Strukturen vorgeschlagen, ob dies zu einer Verbesserung geführt hätte, bleibt nun unklar. „Ich persönlich kann mich nur schwer mit der Lösung anfreunden. Als Reaktion auf die Rücktrittsforderungen nahm die Bundespartei zuerst den Jungen finanzielle Ressourcen weg, um im Anschluss den Rücktritt des Vorstandes zu fordern.“ Dies war ein Machtzeichen: Die Bundespartei hatte genug Macht um die Führung abzusetzen, die Jungen Grünen wurden für einen offenen Brief über die Absetzung stark kritisiert.

Die Reaktionen der Jungen Grünen waren einander ähnlich: Viele waren überrascht und fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Dies hindert jedoch nicht, sich in irgendeiner Weise weiterhin zu engagieren. Schwerpunkte der Jungen Grünen liegen bei Themen wie dem Rechtspopulismus und der Flüchtlingspolitik, aber auch die Gleichberechtigung der Geschlechter und Bildungspolitik sind ihnen wichtig. „Ich denke, sie möchten die Welt ein Stück verbessern“, so Achter.