Erstellt am 24. Mai 2016, 09:14

von Michael Pfabigan

"Kandidaten müssen authentisch sein!". Wahlabend als Beobachter: SPÖ und ÖVP waren am Sonntag nur Statisten. Wilfing (ÖVP): Auswirkungen bei künftiger Kandidatenkür.

Hoffen für die Grünen: In der Mistelbacher SPÖ-Parteizentrale wurden die VdB-Stimmanteile genau analysiert: Johann Kemminger, Erich Vodicka und Bezirksvorsitzende Melanie Erasim.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Ungewohnte Ruhe am Wahltag in den Bezirksbüros von ÖVP und SPÖ: Während die Schwarzen ihre Bezirkszentrale nicht einmal besetzten, taten bei der SPÖ zumindest Bezirksgeschäftsführer Johann Kemminger und Bezirksvorsitzende Melanie Erasim Dienst.

An einem Wahltag das Büro nicht aufsperren? Für Kemminger undenkbar: „Das gehört sich so!“

Es zeigte sich: Mit Recht. Denn, obwohl die SPÖ keinen Kandidaten bei der Stichwahl im Rennen hatte, riefen Funktionäre mit Fragen oder Sprengel- und Gemeindeergebnissen an bzw. kamen aus alter Gewohnheit auf der BO (Bezirksorganisation) vorbei. „Und ich hab' mir gedacht, das wird ein ruhiger Tag!“, schmunzelt Kemminger.

Bei der ersten Hochrechnung spielte die Technik dann nicht mit: Statt mit einem Bildschirm mussten die Sozialdemokraten mit dem kleinen Bildschirm des iPads von Erasim vorliebnehmen.

Als Hofer und VdB-Balken in der Schwankungsbreite zu stehen kamen, brach Jubel aus: „Das schaff? ma!“ Die Sozialdemokraten hatten sich klar als Van der Bellen-Unterstützer deklariert.

Die Analyse des Ergebnisses? „Dass es knapp wird, zeigte sich schon in den vergangenen Wochen.“ Am Wahlabend drückte Erasim die Daumen, dass sich eine Mehrheit für den grünen Kandidaten ausgeht: „Weil mir seine europapolitische Position und das Ansehen Österreichs im Ausland sehr wichtig sind“, sagt die Bezirksvorsitzende.

x  |  NOEN, Werner Kraus


„Es hat sich in den letzten Tagen verdichtet, dass es 50:50 ausgehen wird“, sagt ÖVP-Bezirksobmann Karl Wilfing. VdB habe aufholen können, weil doch nicht so viele die von Hofer angekündigte Systemänderung haben wollten. „Für mich und für die ÖVP muss das Ergebnis so akzeptiert werden.“

Auswirkungen auf die Bundespolitik erwartet er sich nur bedingt: Van der Bellen werde mit Bedacht diplomatisch agieren, bei Hofer wäre der Unsicherheitsfaktor Herbert Kickl (FPÖ-Generalsekretär), der aus dem Hintergrund stark hineinregieren hätte können: „Aber er muss die Verfassung einhalten. Und die gibt dem Bundespräsidenten weit weniger Möglichkeiten, als es im Wahlkampf dargestellt wurde!“, ist Wilfing überzeugt.

Lehren aus dem Bezirksergebnis dieser Stichwahl ließen sich für die ÖVP keine ableiten: „Da gingen die Meinungen ja oft quer durch die Familien. Die Menschen haben sich für eine Person entschieden und keine Partei gewählt!“

Aber: „Es bedeutet auch, dass jede Partei in Zukunft bei der Kandidatenauswahl auf die Authentizität seiner Kandidaten Acht geben muss!“ Entscheidend sei nicht mehr die Parteizugehörigkeit, sondern wie die Person agiert, glaubt Wilfing.