Erstellt am 22. Juni 2016, 09:25

von Ingrid Fröschl-Wendt

Kapelle entsteht Stein um Stein. Baufortschritt: Die Gedächtniskapelle, die Milliardär Oleg Deripaska für seinen Großvater errichten lässt, nimmt langsam Gestalt an.

Die Gedächtniskapelle für den Großvater von Oleg Deripaska wächst langsam in die Höhe. Links davon werden die vorbehauenen Steine für die endgültige Montage vorbereitet und nachbehauen.  |  NOEN, Fröschl-Wendt
Lange Zeit hatte sich auf der kleinen Plattform vis-á-vis des Friedhofes von Laa nichts bewegt. Aber seit Beginn dieses Jahres herrscht dort wieder Bautätigkeit.

Nachdem das Bauzelt entfernt wurde, weil die Mauern bereits eine Höhe von über zwei Meter erreicht haben, bietet sich den Passanten ein spannendes Bild: Rund zwei Meter hohe Mauern aus exakt behauenem, weißem Standstein zeigen bereits die Umrisse der Gedächtniskapelle, die der russische Milliardär Oleg Deripaska zum Andenken an seinen Großvater, der hier im Zweiten Weltkrieg gefallen ist und auf dem Russischen Soldatenfriedhof begraben liegt, nun errichten lässt.

Lange hatte es von den ersten Absichtserklärungen bis hierher gedauert, doch nun wächst der Bau unaufhaltsam.

Als wären es riesige Legosteine, werden die großen Steinblöcke nun zusammengesetzt. Denn der weiße Sandstein wurde sorgfältig aus russischen Steinbrüchen herausgeschnitten und von erfahrenen russischen Steinmetzen nach dem Vorbild der „Mariä Schutz und Fürbitte Kirche an der Nerl“ – sie ist übrigens UNESCO-Weltkulturerbe – im Maßstab 1:4 vorbehauen, Schicht für Schicht nummeriert und anschließend in die Thermendstadt Laa transportiert, wo sie auf dem Gelände der Firma Strabag seit Jahren gelagert werden.

Genau nach dieser Nummerierung werden die Steine nun sorgfältig und behutsam zusammengesetzt. Und bevor sie mit Kalkmörtel fixiert werden – gemäß der traditionellen Bauweise derartiger Kapellen –, werden die Steine erst Schicht für Schicht auf einer zweiten Grundplatte aufgelegt, zusammengepasst und nachbearbeitet.

Bauarbeiter sehen Arbeit als Gottesdienst

Nur so wird gewährleistet, dass sie sich auch wirklich nahtlos aneinanderfügen. Erst dann wird die Schicht auf das schon bestehende Mauerwerk aufgesetzt.

Das ist kein Honiglecken für die Arbeiter, denn die Steine sind aus massivem Kalkstein und nicht gerade klein. Doch die Bauarbeiter, allesamt orthodoxe Christen aus Russland, nehmen ihren Auftrag, die Kapelle zu erreichten, sehr ernst. Sie sehen diese schweren Arbeiten als eine Form des Gottesdienstes.

Diese komplexe Arbeitsweise lässt darum auch keine Prognose zu, wann genau die Arbeiten abgeschlossen sein werden. Im Moment wird an der achten Reihe gearbeitet, auf Höhe des ersten Bogenportals, rund 2,6 Meter über dem Boden.

Bis zur Kuppel der Kapelle sind es aber neun Meter, die errichtet werden müssen. Der mittig stehende Turm wird inklusive der Kreuzspitze 18 Meter hoch sein.