Erstellt am 02. März 2016, 08:53

von Michael Pfabigan

Konzept scheint aufzugehen. In Wolkersdorfs Innenstadt sanken Leerstände binnen eines Jahres von 15 auf acht.

Lokalaugenschein in der Wolkersdorfer Innenstadt: Bürgermeisterin Anna Steindl, Vizebürgermeisterin Andrea Stöger-Wastell und Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Die Situation von Wolkersdorf ist keine einfache: Die Stadt zwischen den starken Handelsstädten Mistelbach und Wien musste bei den Geschäften im Zentrum Federn lassen. Und mit der Eröffnung des Einkaufszentrums G3 nur eine Autobahnabfahrt weiter wurde die Lage nicht einfacher.

Und, obwohl sich die Stadt früh dagegen aussprach, dass bei ihr Geschäfte auf der grünen Wiese, im ecoplus-Wirtschaftspark beispielsweise, gebaut werden, häuften sich Leerstände im Zentrum. Jetzt will die Stadt die Trendumkehr geschafft haben:

Dank eines Best-practice-Projektes zwischen Wirtschaft, Gemeinde und NÖ.Regional.Gmbh. Der Erfolg gibt dem Projekt recht: Die Zahl der Leerstände im Zentrum konnte von 15 auf acht gesenkt werden. „Da war schon akuter Handlungsbedarf!“, sagt Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav: Die NÖ.Regional.Gmbh schaltete sich als Moderator ein und es gelang Großes, ist sie überzeugt.

„Die Ehrenamtlichen des WOW sind 
ein Schatz, den wir in der Gemeinde 
nutzen können!“
Bürgermeisterin Anna Steindl

„2014 haben wir gemerkt, dass es immer mehr Leerstände im Zentrum gab“, erzählt Bürgermeisterin Anna Steindl: Zwölf waren es im Zentrum, 15 im erweiterten Zentrum. Und auch der bisherige Gewerbeverein löste sich auf. Feuer war am Dach. Zuerst gründete sich der neue Wirtschaftsverein WOW (Wolkersdorfer Wirtschaft), dann trat die Stadtgemeinde an die Dorf- und Stadterneuerung heran, sie wollte Pilotgemeinde für ein Innenstadtbelebungsprojekt werden.

„Damals bildete sich ein Kernteam aus NÖ.Regional, Bankern, Immobilienmaklern, WOW und Gemeinde“, sagt Steindl. In einem ersten Schritt wurden die Leerstände erhoben: „Es zeigte sich, dass viele Flächen leer sind. Und wir sahen, dass wir viele Betriebe im Zentrum haben. Die Erhebung ergab 84!“, sagt Steindl.

Dann wurde mit den Immobilienbesitzern Kontakt aufgenommen, warum sich kein neuer Mieter für die Flächen finde. Das Ergebnis: Manche Flächen sind für einzelne Unternehmer zu groß, manche Unternehmer wollen in Eigentum einziehen, wieder andere Besitzer wollen nicht mehr vermieten, weil sie alt sind und sich das nicht mehr antun wollen.

Und in einem Fall ist der Kontakt zu Wolkersdorf abgerissen: Die Besitzerin wohnt in Wien und lässt das Haus leer stehen. Um dem Abhilfe zu schaffen, werden am Platz der Generationen Geschäftslokale als Eigentum geschaffen. Und im Zentrum sollen Immobilienbesitzer von Architekten beraten werden, was man alles mit ihren Geschäftsflächen tun könnte.

Eine Innenstadt ist aber nichts, ohne Frequenz: Insofern will Wolkersdorf künftig das Potenzial der 1.800 Mitarbeiter der Firmen im ecoplus-Park nutzen und sie mit speziellen Angeboten locken, ihre Freizeit hier zu verbringen und ihre Einkäufe in Wolkersdorf zu machen. „Ich bin stolz darauf, dass unser Wirtschaftspark keine abgeschlossene Insel ist, sondern sich als gemeinsame Wirtschaft begreift!“, sagt ecoplus-Aufsichtsrat Kurt Hackl.


Aufgaben des WOW

  • Das Zentrum durch verschiedene Aktivitäten stärken. Beispiele: Wochenmarkt am Freitagnachmittag, Einkaufsabende organisieren, Gutscheinhefte auflegen, Themenmärkte organisieren und abhalten, gemeinsame Werbung für die Wolkersdorfer Wirtschaft betreiben.

  • Die Leerstände wieder an Geschäftsbetreiber vermieten.

  • Die potenzielle Kaufkraft, die durch die Beschäftigten im Wirtschaftspark und durch die Einpendler zur Park & Ride-Anlage in Wolkersdorf besteht, in das Zentrum zu bringen.