Erstellt am 11. Mai 2016, 08:24

von Benjamin Schlöglhofer

Kriegsende: Deutsche Fahne auf Halbmast. Ein Kreuzstettner hisst jeden 8. Mai eine Deutschlandflagge mit Eisernem Kreuz. Im Gedenken an Vertriebene, meint er.

Alle Jahre wieder hisst David Hill diese Fahne auf seinem Grundstück.  |  NOEN, zVg

In der kleinen Gemeinde Kreuzstetten gedenkt ein Mann des Endes des Zweiten Weltkrieges jedes Jahr auf seine ganz eigene Weise.

Von 7. bis 9. Mai zieht David Hill am Fahnenmast in seinem Garten eine deutsche Flagge mit Eisernem Kreuz. Er sagt, er gedenke der vertriebenen Deutschen aus der damaligen Tschechoslowakei.

Der Kreuzstettner feiert nicht, wie das offizielle Österreich mit dem „Fest der Freude“, die Befreiung vom Nationalsozialistischen Regime am 8. Mai 1945.

„Nicht alle sahen den 8. Mai 1945 als Befreiung!“

Er sagt, er gedenke der Vertriebenen der Südmährer aus Tschechien. „Für mich ist ein ,Fest der Freude‘ eine Infamie. Man blendet die Opfer aus.“

Die Familie des etwa 40-Jährigen wurde damals ebenfalls aus Südmähren vertrieben. Diesen Opfern des Weltkrieges gedenke das offizielle Österreich nicht, sagt Hill. „Nicht alle sahen das als Befreiung“, fügt er hinzu: „Solange es dieses Fest am 8. Mai gibt, werde ich die Flagge hissen!“

Eine extrem rechte Sichtweise der Geschichte? „Es gab auf beiden Seiten Opfer, keiner ist da mehr schuld als die anderen“, sagt Hill. „Die Tschechen waren genauso grausam und nehmen bis heute einige Punkte der Benes-Dekrete nicht zurück!“ Mit dem „Fest der Freude“ würden ganze Opfergruppen einfach ausgeklammert, dagegen wolle er protestieren.


Im Detail

  • Erste Vertreibungen der deutschsprachigen Bevölkerung im Sudetengebiet begannen am 5. Mai 1945.
  • Seit 1996 war es bei rechten Wiener Burschenschaftern Tradition, am 8. Mai eine Trauerfeier, offiziell im Gedenken an die im Krieg verstorbenen Soldaten, abzuhalten. Die Veranstaltung wirkt mehr wie Trauer um einen verlorenen Krieg, als Freude über Befreiung von einer Diktatur, unter der Millionen Menschen starben, sagen Kritiker. Einige Jahre fand die Mahnwache am Heldenplatz statt.
  • 2013 unterband der damalige Verteidigungsminister die von vielen als Provokation verstandene Aktion, indem er die Burschenschafter mit dem ersten „Fest der Freude“ vom Platz verdrängte.