Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:02

von Michael Pfabigan

Seltene Vögel abgeknallt: Suche nach Täter. Jäger und Vogelschützer suchen jetzt jene Täter, die 37 geschützte Vögel geschossen haben.

37 tote Rohrweihen, geschützte habichtartige Vögel, wurden in einem Feld bei Stronsdorf gefunden. Jetzt suchen Jäger und Tierschützer gemeinsam nach den Todesschützen.  |  NOEN, Otto Samwald

Vor wenigen Tagen machte ein Vogelkundler bei Stronsdorf einen grausigen Fund: 37 tote Rohrweihen lagen verstreut in einem abgeernteten Sonnenblumenfeld. Die NÖN berichtete bereits am Montag.  Der Mann kontaktierte sofort die Polizei in Laa, den WWF sowie den Landesjagdverband. Die in unterschiedlichen Verwesungsstadien aufgefundenen Vögel wurden eingesammelt und von Fachleuten untersucht. Dabei wurde auch Schrotmunition sichergestellt.

2.000 Euro-Prämie für Hinweise

„Der oder die Täter haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Vögel zu vergraben. Offenbar hat man keine Angst, erwischt zu werden“, ist Helmut Pechlaner, Ehrenpräsident des WWF Österreich, empört. „Und anscheinend fehlt in Teilen der Jägerschaft jegliches Unrechtsbewusstsein, wenn es um gesetzlich geschützte Greifvögel oder um andere, zum „Raubzeug“ degradierte, Lebewesen geht.“

Aufgrund der Brisanz des Falles – nie zuvor wurden so viele illegal erlegte Greifvögel auf so kleinem Raum gefunden – schaltet sich auch der Landesjägermeister Josef Pröll ein. „Die niederösterreichische Jägerschaft distanziert sich auf das Schärfste von diesem Gesetzesbruch.

Ich zähle bei der Aufklärung auf die aktive Mithilfe aller verantwortungsbewussten Jäger. Was hier geschehen ist, ist ein Schlag ins Gesicht aller Jäger“. Gemeinsam haben der Landesjagdverband und der WWF eine Prämie von 2.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen, die die Rohrweihen getötet haben.

Experte: Systematische Vorgangsweise!

Was im vorliegenden Fall besonders ins Auge springt, ist die offenkundig vorsätzliche und systematische Vorgangsweise der Täter. Christian Pichler, Greifvogelexperte des WWF, erklärt: „Rohrweihen ziehen im August und September aus Nord- und Osteuropa über Österreich nach Süden, wobei auf einer Fläche von der Größe des Stronsdorfer Sonnenblumenfelds höchstens zwei bis drei Vögel gleichzeitig anwesend sind. Die große Kadaverzahl lässt daher vermuten, dass hier systematisch über mehrere Tage bis Wochen durchziehende Rohrweihen abgepasst und geschossen wurden.“

x  |  NOEN, BirdLife
Im Zuge der Untersuchung der toten Vögel am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Uni Wien wurde bestätigt, dass die Rohrweihen, eine gefährdete Art der Roten Liste, durch Schrotmunition zu Tode kamen.

In Österreich kommt die Rohrweihe, ein schlanker Vogel aus der Familie der Habichtartigen, sowohl als Brutvogel als auch als Durchzügler vor.

Obwohl sich Rohrweihen vor allem von Mäusen und Kleinvögeln ernähren, hält sich offenbar in Teilen der Jägerschaft noch immer hartnäckig die Vorstellung, dass diese Vögel maßgeblich zum Rückgang von Hasen und Fasanen beitragen. „Mit diesem Irrglauben muss ein für alle Mal aufgeräumt werden“, fordert Pechlaner. „Der Niederwildrückgang ist eine Folge der viel zu intensiven Landwirtschaft, die mit ihrem Pestizideinsatz und mit großflächigen Monokulturen dem Wild die Lebensräume raubt. Weil viele sich schwertun, dies einzugestehen, stürzt man sich auf den Sündenbock Greifvogel.“

x  |  NOEN, BirdLife
Dass es sich dabei vor allem in Niederösterreich um keinen Einzelfall handelt, zeigt allein die Zahl angeschossener Tiere im heurigen Jahr: So wurde im März ein Raufußbussard bei Röschitz im Bezirk Horn verletzt geborgen. Im April wurden zwei tote Mäusebussarde mit Schrotkugeln im Körper bei Bruderndorf im Bezirk Korneuburg entdeckt. Im Mai, September und Oktober wurden insgesamt vier angeschossene Rohrweihen in Zellerndorf, Oberstinkenbrunn (Hollabrunn), Straning und Wartberg (Horn) gefunden.

Außerdem wurde im Mai noch ein toter Rotmilan in Bullendorf im Bezirk Mistelbach gemeldet. „Der gegenwärtige spektakuläre Vorfall zeigt, dass dies nur die Spitze des Eisbergs sein dürfte – die Dunkelziffer, vor allem im Weinviertel, dürfte weit höher sein“, so Pichler vom WWF.

Sachdienliche Hinweise werden vom Journaldienst des Landeskriminalamtes NÖ bzw. bei jeder Polizeiinspektion entgegengenommen.


Im Detail

Die Rohrweihe (Circus aeruginosus) gehört zur Familie der Habichtartigen. Ihre Brutverbreitung reicht von der zentralen Mongolei bis nach Portugal sowie von Skandinavien bis Nordafrika.Die Rohrweihe ist mit 48 bis 62 Zentimeter Länge fast bussardgroß, aber erkennbar schlanker und schmalflügeliger.

Die Flügelspannweite beträgt bis zu 130 Zentimeter. Das Gewicht der Männchen beträgt im Durchschnitt 540 Gramm, das der Weibchen im Schnitt 740 Gramm.